Chefin in der früheren Männerbastion

22. April 2010 | 16:12 | | bernhard Schreglmann (SN). |
Seit wenigen Jahren leitet erstmals eine Frau das kirchennahe Kolpingwerk in Österreich.
Aus dem Schatten der Kirche hat Christine Leopold das Kolpinhwerk geführt. Bild:SN/Schreglmann

Aus dem Schatten der Kirche hat Christine Leopold das Kolpinhwerk geführt. Bild:SN/Schreglmann

bernhard Schreglmann
Salzburg (SN). Kirchennahe Organsiationen haben in der Vergangenheit meist den Status von Männerbastionen gehabt. Seit einiger Zeit sind aber auch hier Umwälzungen im Laufen. Vor wenigen Jahren übernahm erstmals in der Geschichte eine Frau die Präsidentschaft von Kolping Österreich. „Wir waren ein ,kirchlicher’ Verein, und sind jetzt als autonom agierende Verein tätig“, sagt Präsidentin Christine Leopold: „In einer Art Selbstverpflichtung agieren wir aber im katholisch-sozialen Denken“

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Präses bleibt ein Priester

Das hat zur Folge, dass es neben der Präsidentin auch einen katholischen Priester als Präses gibt, der sich aber nicht mit der kaufmännischen Führung beschäftigt, sondern sich vor allem bei den Bildungsprogrammen, oder bei der Sozialarbeit einbringt. „Wir sind ständig bestrebt, den Sinn über das Geld zu stellen“, betont Leopold.

Für sie war der Weg an die Spitze des Kolpingwerks nicht vorgegeben. Nach ersten Erfahrungen in der Finanzkammer der Diözese Wien, „habe ich gesehen, was Kirche bewegen kann.“ Vor 20 Jahren wechselte sie dann ins Kolpingwerk, wo eine Mitarbeiterin im Frauenbereich gesucht wurde. „Das hat dann eine größere Dimension bekommen, ich habe das internationale Kolpingwerk in UNO-Organisationen vertreten.“

Danach stand der Entschluss fest, Sozialwirtschaft berufsbegleitend zu studieren. Das war das Sprungbrett nach oben. Erstmals wurde mit Leopold eine Frau Generalsekretärin bei Kolping Österreich. Dass ihre Qualifikation gebraucht wurde, habe sich auch bei der um die Jahrtausendwende erfolgte Neuausrichtung im sozialen Bereich gezeigt. Damals wurde Kolping auch für ältere Menschen aktiv, etwa bei Pflegeleistungen oder durch die Errichtung von generationenübergreifenden Wohnbauten. „Wachstum erfordert Qualifikation“, sagt Leopold, weshalb ihr Vorgänger, nach rund 40 Jahren an der Spitze, sie zur Nachfolgerin vorschlug. „150 Jahre lang wurde Kolping nur von katholischen Priestern geleitet“. Jetzt erfolgte ein Generationen- und damit auch ein Geschlechterwechsel. „Wir haben die Sozialarbeit stärker integriert und bieten Eltern-Kind-Zentren ebenso an wie Frauenhäuser, eine Wohnstelle für zwangsverheiratete Frauen oder Behinderteneinrichtungen.“ Frauen gibt es nun auch verstärkt in den örtlichen Vereinen: „Im Sozialbereich sind 75 Prozent der Mitarbeiter Frauen, auch in leitenden Funktionen.“ Seitens der Männer sei dieser Wandel sehr offen aufgenommen worden: „Wir stoßen auch bei den Priestern auf offene Ohren.“ Denn gerade diese seien an den täglichen Problemen der Menschen ganz nah dran. „Bei uns ist es generell wichtig, die Gemeinschaft über die Einzelperson zu stellen und sich selbst zurückzunehmen.“ Das sei unabhängig vom Geschlecht. Leopold: „Wir brauchen vor allem Mitarbeiter, die ein Sensorium für gesellschaftliche Entwicklungen haben. Frauen haben hier ganz generell einen ganzheitlicheren Ansatz.“

© SN/SW

 
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