Wirtschaft: Erste Zeichen für Erholung

14. Juli 2009 | 10:59 | | thomas hödlmoser |
Binder Holz baut für Erdbebenopfer und den Vatikan. Emco verlagert Arbeiten von Tschechien nach Hallein.
Binder liefert Brettsperrholz für den Bau von Häusern in das zerstörte italienische L’Aquila. Bild: SN

Binder liefert Brettsperrholz für den Bau von Häusern in das zerstörte italienische L’Aquila. Bild: SN

thomas hödlmoser
SALZBURG (SN). Von einer Krise kann derzeit bei Binder Holz keine Rede sein. Aus Italien langt ein Auftrag nach dem anderen ein.

Der Holzverarbeiter, der an drei Salzburger Standorten 270 Mitarbeiter beschäftigt, liefert dieser Tage Wand- und Deckenelemente aus Holz nach L’Aquila, wo bei einem verheerenden Erdbeben im April Tausende Häuser zerstört wurden. Die Holzteile werden für den Bau von dreigeschossigen Appartementgebäuden benötigt. „Die ersten Lastwagen sind am Freitag nach L’Aquila abgefahren“, sagt Geschäftsführer Reinhard Binder. „Wir montieren seit Sonntagmorgen.“ Überdies würden laufend neue Geschäfte angebahnt, sagt Binder. Vor Kurzem seien 60 neue Häuser und zwei Schulen dazugekommen. „Wir haben noch weitere Aufträge bekommen, sogar aus dem Vatikan, wo Klosterzubauten aus Brettsperrholz gemacht werden.“

Jede Woche sollen jetzt zwischen 25 und 30 Lastwagen die Holzteile nach L’Aquila liefern. Weil die Aufbauarbeiten im Erdbebengebiet mehrere Jahre dauern werden, rechnet man mit „großen Anschlussaufträgen“. Das Auftragsvolumen beziffert Binder mit rund 30 Millionen Euro.

Für die Mitarbeiter heißt das: Die Maschinen laufen wieder im Normalbetrieb. Im Mai hatte man an den Fenstertagen den Betrieb eingestellt. „Wir hatten auch die Schichtzeiten reduziert, jetzt schöpfen wir die Kapazität voll aus. Die Produktionskapazitäten in Tirol und Salzburg sind aufgrund dieser Großaufträge voll ausgelastet.“

Positive Nachrichten kommen auch aus Hallein. Der Werkzeugmaschinenhersteller Emco will Arbeiten von Tschechien nach Hallein verlagern. „Es handelt sich um einen partiellen Produktionstransfer vom tschechischen Werk nach Hallein, der vor allem eine Effizienzsteigerung bringen wird“, sagt Christa Vergnes von Emco. „Die modernen Fließmontagelinien in Hallein sind produktiver und so kann diese neue Maschinengeneration zu einem noch attraktiveren Preis angeboten werden.“ Ob das neue Arbeitsplätze bringen werde, hänge von der Auftragslage der nächsten Monate ab.

Zwei Betriebe haben mittlerweile die Kurzarbeit wieder eingestellt: die Firma Johnson Controls bei Radstadt und Maco in Salzburg. Bei Maco etwa wurde im Mai und Juni die Kurzarbeit schrittweise abgestellt. Unter der Voraussetzung, dass sich die Auftragslage wie derzeit entwickle, werde es keine Kurzarbeit mehr geben, sagt Betriebsrat Robert Müllner.

Nach Angaben des Arbeitsmarktservice (AMS) gibt es noch in 28 Salzburger Betrieben Kurzarbeit. Betroffen sind davon 2850 Mitarbeiter. „Wir waren schon bei mehr als 30 Betrieben mit rund 3100 Betroffenen“, sagt Anton Költringer vom AMS Salzburg. Die Kurzarbeit gehe spürbar zurück. Manche Unternehmen seien jedoch beim Abstellen der Kurzarbeit „vorsichtig“.

So gibt es bei Palfinger, Kässbohrer und Liebherr weiterhin Kurzarbeit. Palfinger etwa verhandelt derzeit über die Verlängerung um ein weiteres halbes Jahr. Betroffen seien an den Standorten Köstendorf und Salzburg-Kasern rund 200 Mitarbeiter, sagt Konzernsprecher Hannes Roither. Die Arbeiter, deren Arbeitszeit auf 70 Prozent reduziert wurde, bekommen 93 Prozent des Lohns, die Angestellten bei 80 Prozent der Arbeitszeit 95 Prozent.

Grund für die geplante Verlängerung der Kurzarbeit sei, dass sich die Marktlage nicht entscheidend verbessert habe, sagt Roither. „Wir haben 2009 ein niedriges, aber stabiles Niveau bei der Auftragslage.“ In den USA gebe es aber wieder eine steigende Nachfrage, weil Infrastrukturprojekte gestartet worden seien. „In Europa sehen wir diese Infrastrukturprojekte bisher nicht. Es wäre hilfreich, wenn die Regierungen von ihren Versprechungen etwas umsetzen würden.“

Dass viele Unternehmer Licht am Wirtschaftshorizont sehen, zeigt die Konjunkturumfrage der Wirtschaftskammer. Die Mehrheit der Betriebe gehe davon aus, dass die Wirtschaftslage gleich bleibe oder besser werde, sagt Bernd Gaubinger, der Leiter der wirtschaftspolitischen Abteilung.

Vorsichtig optimistisch zeigt sich Wolfgang Syrowatka von der Industriellenvereinigung. „Es scheint so zu sein, dass es sich dort einpendelt, wo wir gerade liegen.“

© SN/SW

 
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