Rauschfrei mit Wein und Sekt

23. November 2009 | 17:13 | | birgitta schörghofer (SN).
Anti. Im Advent wird gefeiert. Dem Führerschein zuliebe oft alkoholfrei. Bier gilt dabei als Klassiker. Doch auch Wein und Sekt gibt es rauschfrei.
birgitta schörghofer
wien (SN). Alexander Weiner handelt mit Wein. Die Flaschen, die er anbietet, sehen zwar so aus wie man es gewohnt ist, der Inhalt jedoch ist anders: Weiners Rebensaft ist alkoholfrei. Vor einem Jahr hat der gebürtige Salzburger und Klessheim-Absolvent die ersten Abfüllungen auf den Markt gebracht. Seither hat er rund 16.000 Flaschen mit alkoholfreiem Wein und Sekt verkauft. Für das kommende Jahr peilt er mit seiner Vertriebsfirma „Vinumis“ eine Verdoppelung an.

Nach dem Markteinstieg mit deutschem und französischem Wein besitzt Weiner seit Kurzem die Lizenz für eigene Abfüllungen aus Österreich. Erster heimischer Wein, der alkoholfrei im 20 Produkte umfassenden Sortiment angeboten wird, ist ein Welschriesling aus Niederösterreich. Noch heuer soll „ein Roter“ folgen, dann „ein klassischer Veltliner“. Das Interesse an den heimischen Weinen ohne Alkohol sei beachtlich, betont Weiner. „Wir verhandeln derzeit mit den großen Handelsketten.“ Am notwendigen Ausbau der Logistik werde gearbeitet. Derzeit wird noch großteils im Direktvertrieb, dabei auch an die Hotellerie und Gastronomie, sowie in Getränkemärkten verkauft.

Aber wie kommt der Alkohol aus dem Wein? Und vor allem: Wie schmeckt Wein ohne Alkohol? „Er ist vergleichbar mit alkoholfreiem Bier“, erklärt Weiner. Weil der Geschmacksträger Alkohol fehle, bleibe der Weingeschmack nicht nachhaltig im Gaumen liegen. Entalkoholisiert wird im Vakuumverfahren bei 28 Grad. Das passiert auf einer Anlage in Deutschland. „Es gibt europaweit nur zwei Anlagen, die das können“, sagt Weiner. Der Vorgang dauere nur wenige Minuten, leicht flüchtige Aromastoffe würden erhalten bleiben. Die restlichen Substanzen werden aus dem verdampften Alkohol aufgefangen und dem entalkoholisierten Wein später wieder zugeführt. „Auch die natürlichen Antioxidantien im Rotwein bleiben erhalten.“

Beste Verkaufszeit sei bisher die Fastenzeit gewesen, sagt Weiner. Nicht allein deshalb, weil dem Wein der Alkohol fehlt. Auch der Anteil der Kalorien sei um zwei Drittel geringer als bei herkömmlichem Wein, betont Weiner. Bei weingerechter Lagerung soll der alkoholfreie Rebensaft drei Jahre haltbar sein. Weiner ist für seine Geschäftsidee zuversichtlich. Er rechnet in den nächsten Jahren mit „dreistelligen Zuwachsraten“ beim Absatz.

Stagnierend bis leicht rückläufig zeigt sich laut Brauereiverband der Markt für alkoholfreies Bier. Seit dem Jahr 2000 ist der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch in Österreich von jährlich 2,5 Liter auf knapp unter zwei Liter gesunken. Die Menge an alkoholhaltigem Bier, die Herr und Frau Österreicher pro Jahr trinken, beträgt im Vergleich dazu rund 109 Liter.

Insgesamt haben Österreichs Brauereien im Vorjahr zirka 8,5 Millionen Hektoliter an gehaltvollem Gerstensaft abgesetzt. Die alkoholfreien Biere brachten es im Vergleich dazu auf eine verkaufte Jahresmenge von bescheidenen 123.000 Hektoliter.

Die erste Biermarke ohne Alkohol brachte im Jahr 1977 die Schloss Brauerei Eggenberg mit „Birell“ auf den österreichischen Markt. 1984 folgte das „Schlossgold“ der Brau Union, 1992 das „Null-Komma-Josef“ von Ottakringer. Mit einem Anteil von 53 Prozent ist laut Marktforscher AC Nielsen das „Schlossgold“ die Nummer eins bei den alkoholfreien Bieren in Österreich.

Keine nennenswerten Wachstumschancen sieht die Branche im steigenden Anteil der Muslime an der Bevölkerung. „Die trinken eher süße Limonade statt Bier ohne Alkohol“, sagt Ottakringer-Sprecher Thomas Sautner. Eher dürfte die Vorweihnachtszeit den Markt etwas beleben, wenn die Polizei wieder vermehrt zur Kontrolle bittet.

© SN/SW

 
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