Die FPÖ unter Heinz-Christian Strache ist seit 2006 im Aufwind. Wahlgewinner haben Posten und schnelle Karrieren zu vergeben. Das macht die Partei attraktiv für hoffnungsvolle Nachwuchspolitiker. Manfred Haimbuchner, der kommenden Sonntag für die Freiheitlichen in Oberösterreich ein blaues Wunder schaffen will, entspricht diesem Typus: Im Alter von 22 Jahren ist er im Jahr 2000 in die FPÖ eingetreten, als diese mit der Regierungsbeteiligung ihren bisherigen Höhepunkt erreicht hatte. Mit dem nunmehrigen Rechtsanwaltsanwärter ging es steil bergauf: Gemeinderat in Steinhaus, Bezirksobmann, 2006 Einzug in den Nationalrat, seit 2008 stellvertretender Landesparteichef. Der 31-jährige kann noch viel werden.
Denn in jungen Kandidaten erkennen sich junge Wähler wieder. Die FPÖ spricht vor allem junge Männer an. In Vorarlberg wählten laut Meinungsforschungsinstitut SORA am Sonntag 41 Prozent aller Männer unter 30 Jahren blau. Da liegt es nahe, das Erscheinungsbild der Kandidaten möglichst jenem der Wähler anzupassen. So trimmte sich schon Jörg Haider auf jugendlich. Strache und Vorarlbergs Parteichef Dieter Egger, beide heuer 40 geworden, tun es dem einstigen Idol nach. Ein Spötter würde sagen: „Buberl“ für immer.
FPÖ-Politiker, die unter Strache aufgestiegen sind, haben mit der einstigen „Buberlpartie“ Haiders freilich oft nur das äußere Erscheinungsbild gemeinsam. Ansonsten aber folgen die Parteikarrieren nun anderen Wegen. Haider hat seine engste Gefolgschaft handverlesen. Männer wie Westenthaler, Rumpold und Scheibner waren ihm treu ergeben. Erst kam Haider, dann die Partei.
Strache kann auf solchen Rückhalt nicht bauen. Man schart sich um ihn, so lange er Wahlsiege garantiert. Aber der unumschränkte Personalchef ist er nicht. Zwar strotzt der FPÖ-Parlamentsklub vor neuen Abgeordneten. Die Hälfte der 34 blauen Mandatare ist erst nach der letzten Nationalratswahl 2008 ins Hohe Haus eingezogen – eine beachtliche Erneuerung.
Doch während man Haider nachsagte, vorzugsweise in Diskotheken neues Personal zu finden, stammt der blaue Nachwuchs von Heute vornehmlich aus dem rechtsnationalen Milieu der Burschenschaften und schlagenden Verbindungen. „Alte Herren“ wie der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf oder der stellvertretende Klubchef Peter Fichtenbauer sind die Karrierehelfer.
Berücksichtigung finden in der Strache-FPÖ nicht so sehr Quereinsteiger, als vielmehr Politiker mit nationalem Hintergrund. Das gilt etwa auch für den steirischen Nationalratsabgeordneten Gerhard Kurzmann, der die FPÖ kommendes Jahr in der Steiermark in die Wahl führen will. Er war nach eigenen Angaben Mitglied der „Kameradschaft IV“, die das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) als rechtsextreme Veteranenorganisation einstuft. Eine weitere Steirerin, Susanne Winter, fiel im Grazer Wahlkampf mit einer Islam-Beschimpfung auf – und sitzt seit einem Jahr im Hohen Haus.
Die Strippenzieher im Hintergrund gehören ebenfalls zur alten Garde. Die Generalsekretäre Harald Vilimsky und Herbert Kickl bestimmen Strategie und Taktik. Kickl hatte bereits für Jörg Haider Reden geschrieben. Nun erfindet er für Strache die Parolen und provokanten Sager. Der Parteichef wirkt oft so, als folge er mehr diesen Textvorgaben als eigenen Überlegungen.
Fazit: Die FPÖ kommt zwar mitunter – so wie in Vorarlberg und Oberösterreich – jung daher. Sie ist aber doch ganz schön alt.
© SN/SW


