Mindestens genau so berühmt wie die Taschen sind die von Hand bedruckten Seidentücher von Hermès, die das Unternehmen mit der Kutsche im Firmenlogo im Jahr 1937, also exakt hundert Jahre nach der Firmengründung, auf den Markt brachte. Sie wurden den Schals nachempfunden, die früher die Soldaten Napoleons trugen. Die ersten Motive der feinen Seidentücher bezogen sich meist auf den Reitsport und bestanden aus Variationen von Steigbügeln, Reitgerten, Pferden und Kutschen. Themen, die auch heute noch zu finden sind.
Heute hält man bei gut 2.000 Carré-Designs in über 75.000 Farben. Das Carré ist in verschiedenen Größen erhältlich, die Maße des klassischen Carré Hermès beträgt 90x90 Zentimeter, sein Gewicht liegt bei exakt 75 Gramm. 400 bis 2.000 Arbeitsstunden investiert Hermès pro Motiv allein für die Farbkonzeption eines Carrés. Jährlich erscheinen zwei Kollektionen zu jeweils zwölf Tüchern, sechs sind völlig neue Designs, die sechs anderen sind Neuauflagen. Von der Idee bis zu dem Zeitpunkt, an dem ein Carré in die Boutiquen kommt, können auch mehr als zwei Jahre vergehen. Gefertigt werden die Carrés im sehr aufwändigen Siebdruckverfahren, auch die Verarbeitung der bedruckten Seide ist aufwändig: Der Saum jedes Tuches ist per Hand nach innen auf die Vorderseite eingerollt und mit losem Faden in Handarbeit geheftet.
Jedes Seidencarré von Hermès erzählt eine Geschichte, die entdeckt und bewahrt werden will. Ab sofort gibt es die Kurzgeschichten zusammengefasst in einem künstlerischen Buch, das die Leser durch die farbenreiche Welt der Hermès-Seide führt. Das Buch ist ebenso aufwändig gestaltet wie es die Seidentücher des Hauses sind. Ein Mal sieht man nur einen Ausschnitt, ein anderes mal ist das Design transparent, gezoomt oder verdreht zu sehen, aber immer wird die Geschichte hinter der seidenen Oberfläche erzählt. Die quadratischen Kunstwerke aus Seide werden in drei spannenden Kapiteln beschrieben: Das Haus Hermès und seine Begegnung mit der Seide, die Welt der Formen und Muster sowie die Philosophie der Farben.
Das Buch „Le Carré Hermès“ wurde von Nadine Coleno und Isabelle d’Hauteville verfasst. Es hat 320 Seiten und ist in deutscher und englischer Sprache erhältlich (ISBN: 978 2 84105 2 387).
Nebenbei bemerkt gibt es ungefähr so viele Arten, ein Hermès-Seidentuch zu tragen wie es Hermès-Designs gibt. Man kann es als Kopftuch, als Halstuch, als Haarband, als Gürtel, als Bikini-Oberteil usw. tragen. Die hohe Kunst, ein Carré formvollendet zu binden−, lässt sich unter diesem Link erlernen.
© SN/SW


