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Kunstmäzen will die Staatsbürgerschaft

6. Februar 2010 | 12:23 | | ALFRED PFEIFFENBERGER (SN). |
Osterfestspiele. Ein Russischer Kunstmäzen will Österreicher werden – Verbindung mit Technischem Direktor der Festspiele.

ALFRED PFEIFFENBERGER
SALZBURG (SN). Es sind nur drei Zeilen in einem Schreiben der Rechtsanwaltskanzlei Liebscher, Hübel und Lang, die einen der Beklagten im Osterfestspiele-Skandal vertritt. Diese Zeilen sind bemerkenswert. Darin wird angedeutet, zwischen der Vergabe der österreichischen Staatsbürgerschaft und der Sponsortätigkeit für die Osterfestspiele könnte es einen Zusammenhang geben. „Aus Fairnessgründen wäre es wohl angebracht, wenn die Sachverhaltsdarstellung der Osterfestspiele GmbH auch den Themenkreis der Staatsbürgerschaftsverleihung an die Familie Vidyaev umfasst hätte“, ist zu lesen.

Igor Vidyaev ist jener russische Kunstmäzen, der den Osterfestspielen eine Spende von 2,5 Millionen Euro hat zukommen lassen. Davon sollen 300.000 Euro unerlaubterweise als Provision abgezweigt und auf ein Konto in Nordzypern überwiesen worden sein. Die Gespräche über die Millionenspende wurden unter anderem mit Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) geführt. So steht es zumindest im Prüfbericht der Firma Audit Services Austria.

Vidyaev und seine Familie wollen österreichische Staatsbürger werden, und zwar im Staatsinteresse nach Paragraf 10 Abs. 6 Staatsbürgerschaftsgesetz. Das Verfahren dazu wurde in Salzburg gestartet. Politisch verantwortlich dafür ist ebenfalls Burgstaller.

Damit das Verfahren in Salzburg durchgeführt werden kann, muss der Kunstmäzen einen Wohnsitz in Salzburg haben. Anfang des Jahres 2009 befand dieser sich in Anthering an einer Adresse, an der auch Klaus Kretschmer, der ehemalige Technische Direktor der Salzburger Festspiele, anzutreffen ist. Kretschmer ist eine Schlüsselfigur in den Wirrnissen rund um die Osterfestspiele. Nachzulesen ist das in der Stiftungsurkunde der Vidyaev Kunst-, Kultur- und Sportförderungs-Privatstiftung. Diese hat ihren Sitz in der Getreidegasse 31 – dort, wo die Osterfestspiele residieren.

Wie auch immer: Im Endeffekt muss über die Angelegenheit das Innenministerium entscheiden.

LH Burgstaller sagt, dass es keinen Zusammenhang zwischen der Spendentätigkeit und der Staatsbürgerschaftsverleihung gebe. Es existiere ein langfristiger Vertrag mit dem Kunstmäzen. Sie habe Vidyaev durch Michael Dewitte, den Geschäftsführer der Osterfestspiele, kennengelernt. Vidyaev habe ihr in einem Gespräch gesagt, dass er seinen Lebensabend in Salzburg verbringen wolle. Da er und seine Familie sehr kunstinteressiert seien, wolle er die Osterfestspiele unterstützen und er wolle auch österreichischer Staatsbürger werden. Worauf sie ihn auf die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen habe, sagte Burgstaller.

Der Rechtsvertreter Vidyaevs, der Wiener Anwalt Helmut Seitz, sagte den SN, dass er vergessen habe, die Adresse von Vidyaev in der Stiftungsurkunde zu ändern. Er habe damals eine Zustelladresse für die Gründung der Stiftung benötigt. Da er und Vidyaev mit Kretschmer bekannt gewesen seien, habe er dessen Adresse angegeben. Seit der Kunstmäzen eine Aufenthaltsgenehmigung in Österreich habe, lebe er in der Stadt Salzburg, allerdings an einer anderen Adresse, stellte Seitz fest.

Vidyaev sei über die Vorgänge bei den Osterfestspielen entsetzt, vor allem, dass von seiner Spende 300.000 Euro als Provision einbehalten worden seien. Dieses Geld sei ausdrücklich für die Arbeit der Berliner Philharmoniker mit behinderten Kindern zweckgewidmet gewesen. Kein Cent davon sei für andere Sachen bestimmt gewesen, erklärte der Anwalt.

Vidyaev werde trotz der Probleme die Osterfestspiele weiter unterstützen, sagte Seitz. Und er werde die Adresse in der Stiftungsurkunde nächste Woche ändern lassen.

© SN/SW

 
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