Stevens: „Noch nicht am Zenit“

1. Oktober 2009 | 20:48 | Salzburg | ALEXANDER BISCHOF (SN).
Nach dem 2:0-Triumph über Villarreal sieht Red-Bull-Trainer Huub Stevens noch Potenzial zur Steigerung bei seinen Spielern. Salzburg ist nach zwei Spieltagen Tabellenführer in seiner Europa-League-Gruppe.
Er hat nach zwei Siegen in der Europa League leicht lachen: RB-Trainer Huub Stevens. (Bild: SN/GEPA).

Er hat nach zwei Siegen in der Europa League leicht lachen: RB-Trainer Huub Stevens. (Bild: SN/GEPA).

(SN).
ALEXANDER BISCHOF
SALZBURG (SN). Salzburgs Sensationslauf in der Europa League geht weiter. Nachdem Österreichs Fußballmeister vor zwei Wochen mit Lazio Rom ein Team aus dem Land des Weltmeisters besiegt hatte, musste am Donnerstag in Runde zwei eine Mannschaft aus dem Europameisterland Spanien die internationale Stärke zur Kenntnis nehmen. Mit dem 2:0 gegen Villarreal festigte die Truppe von Huub Stevens Platz eins in Gruppe G. Salzburg ist international angekommen und hat nun beste Chancen, die Gruppenphase zu überstehen.

Stevens entsprach auch in der Stunde seines bisher größten Erfolgs mit den Salzburgern seinem Naturell als beinharter Arbeiter. „Wir haben immer noch Schritte in die richtige Richtung zu machen. Deshalb bleibe ich immer am Boden und das werden auch die Spieler“, meinte der Niederländer, der zum vierten Mal in Folge der gleichen Startformation vertraut hatte. „Um alle Spieler wirklich gut zu kennen, muss man alles durchmachen, auch den Misserfolg. Jetzt ist alles gut, aber wie wird es sein, wenn schwierige Zeiten kommen. Gerade da zeigt es sich, ob eine Mannschaft funktioniert.“

Verbesserungspotenzial ortete Stevens bei all seinen Schützlingen. Der gegen Villarreal überragende Tchoyi könne sich „in allen Belangen noch verbessern“, auch Janko sei noch nicht am Zenit seines Könnens. „Er konnte am Anfang nicht das umsetzen, was ich von ihm erwartet habe. Es wird immer besser“, meinte Stevens über seinen Torjäger, der seinem Trainer recht gab: „Wir sind eindeutig auf dem Weg nach oben.“

Mateschitz jubelte in der Sky-Box

Wer Topteams wie Lazio und Villarreal besiegt, der kann von sich behaupten, den Anschluss im internationalen Geschäft gefunden zu haben. Aus dem Außenseiter Salzburg ist plötzlich der Tabellenführer der Gruppe G geworden. Auch Klubchef Didi Mateschitz strahlte in seiner Sky-Box zufrieden. Seine Mannschaft begeisterte nicht nur mit einer kämpferischen Großleistung, sondern sorgte auch für die spielerischen Höhepunkte. 18.800 Fans feierten in der Red-Bull-Arena noch minutenlang nach Schlusspfiff die Bullen, die zuvor für ein tolles Spektakel auf dem Kunstrasen gesorgt hatten.

Janko und Tchoyi nicht zu stoppen

Für einige Überraschungen sorgte Villarreal-Coach Ernesto Valverde. Er ließ seine Stars Senna, Pires und Nilmar vorerst nur auf der Ersatzbank Platz nehmen. Ein Anflug von Überheblichkeit, der von den Salzburgern bestraft wurde. Italiens Nationalstürmer Giuseppe Rossi fand zwar die erste Möglichkeit vor, er scheiterte aber an Salzburgs Torhüter Eddie Gustafsson aus kurzer Distanz (2.). Auf 183 Millionen Euro wird der Marktwert des Villarreal-Kaders geschätzt, jener von Salzburg nur auf 40. Bemerkbar machte sich diese Differenz nur in den ersten zehn Minuten.

Salzburg-Konter sehr gefährlich

Angetrieben von Somen Tchoyi und Marc Janko kam Villarreal immer mehr in Bedrängnis. Salzburgs Konter saßen wie Nadelstiche. Dusan Svento agierte noch mit zu viel Respekt, als er nach einem tollen Pass von Tchoyi allein vor dem Villarreal-Tor auftauchte und nicht abgebrüht genug war (15.). Wie man eiskalt vollstreckt, zeigte dann sechs Minuten später Marc Janko. Einen Freistoß von Christoph Leitgeb spitzelte Janko zum 1:0 ins Tor. Der 26-Jährige wird immer mehr zum Salzburger Europacup-Helden. Vor zwei Wochen traf er entscheidend in Rom und sein Führungstor schockte Villarreal derart, dass die Spanier in der Versenkung verschwanden. Janko und Tchoyi spielten phasenweise Katz und Maus mit dem Gegner. Doch es dauerte bis zur 84. Minute, ehe die Bullen alles klar machten. Tchoyi krönte seine außergewöhnliche Leistung mit einem Schuss ins Kreuzeck. Was danach folgte, war nur noch ein Jubel in weiß-rot. Eine Salzburger Mannschaft erobert 15 Jahre nach der Austria wieder die Herzen der Fans.

„Getroffen und versenkt“ - spanische Zeitungen kritisieren Villareal

Die spanischen Zeitungen lobten in ihren Freitagsausgaben weniger Red Bull, als sie mit Villareal hart ins Gericht gingen

„Marca“: „Getroffen und versenkt! Villareal ging zerstört aus einer Partie heraus, die eigentlich dafür da sein sollte, die Pechsträhne zu beenden. Salzburg aber schlug brutal zu und brauste über ein 'submarino' hinweg, das nie etwas mit dem Ball anzufangen wusste.“

„As“: „Dieses U-Boot driftet weiter ab. Villarreal bekommt kein Oberwasser. Und noch schlimmer ist, dass niemand weiß, ob der Grund schon erreicht ist. Die Gelben kassierten ihre vierte Niederlage in Folge, wobei sie die schlechteste Figur machten, an die man sich erinnern kann. Salzburg brauchte wenig (die Größe Jankos und die physische Stärke von Tchoyi), um eine Mannschaft zu blamieren, die vom Kurs abgekommen ist. Ihre Zukunft in der Europa League wird nun sehr schwer.“

„El Pais“: Weniger gewandt und ausgefeilt als die spanische Mannschaft antwortete Salzburg auf die andauernden Vorstöße der Gelben. Das österreichische Team setzte auf einen Plan, der nicht besonders gefinkelt war. Sie greifen meist direkt auf ihre physische Stärke zurück und suchen auf direktem Weg Janko, den bronzenen Schuh des Vorjahres.„

“El Mundo„: “Villarreal wird auch in Europa nicht flott. Die Burschen von Valverde zeigten sich wirkungslos am Ball gegen einen Gegner, der ihre Verzweiflung ausnützte.„

© SN/SW

 
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Andreas Koller

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