Massa weicht den Fragen aus

30. Juli 2010 | 08:42 | | |
Er steht im Mittelpunkt der Debatten und vermeidet selbst strikt den Begriff Teamorder: Felipe Massa.

Auf die aktuelle Nummer acht der WM-Wertung fokussierte sich am Donnerstag auf dem Hungaroring das Interesse: Felipe Massas Aktion auf dem Hockenheimring, seinen Ferrari-Teamkollegen Fernando Alonso nach Funkspruch aus den Boxen passieren zu lassen, wirkt immer noch nach.

Massa selbst ließ sich bei diesem heiklen Thema nicht aus der Reserve locken. „Ich kämpfe für den Sieg, ich will gewinnen“, sagte der Brasilianer trotzig, „ich fahre auch für mein Land.“ Direkt auf Hockenheim angesprochen, wo er als Führender den Sieg Alonso überlassen hatte, meinte Massa: „Ich schaue nur nach vorn. Ich arbeite für mein Team und nicht für meinen Teamkollegen. Wenn mein Team um die Weltmeisterschaft kämpft, will ich das Beste für mein Team.“ Massa vermied es, den Begriff Teamorder zu verwenden.

Mit Rubens Barrichello und Heikki Kovalainen saßen gleich zwei weitere als Nummer zwei in ihren Teams Geprügelte in Reihe eins der traditionellen Pressekonferenz am Donnerstag vor dem Grand Prix: Rubens Barrichello und Heikki Kovalainen. Barrichello, 2002 von Ferrari-Teamchef Jean Todt (heute Präsident des Weltverbands) auf dem A1-Ring zurückgepfiffen, gab unumwunden zu, dass es für ihn besser sei, die Weltmeisterschaft um einen Punkt zu verlieren, als durch irgendwelche Aktionen zum Titel zu kommen. Mit viel Applaus bedacht wurde die Aussage des Brasilianers, der auf Williams Sonntag den 299. Grand Prix seiner Karriere fährt: „Ich will nicht als böser Bube Weltmeister werden. Ich bin von meinem Vater so erzogen worden.“ Kovalainen, der in seiner Zeit bei McLaren-Mercedes zugunsten von Lewis Hamilton nach Order von Chef Ron Dennis zurückstecken musste, wollte an diese Zeit nicht erinnert werden: „Keine Ahnung. Ich bin hier, um für Lotus ein gutes Rennen zu fahren.“

Auch ohne Teamorderdebatte würde Felipe Massa auf dem Hungaroring viel Aufmerksamkeit bekommen. Im Qualifying vor einem Jahr traf ihn hier eine vom BrawnGP-Boliden ausgerechnet seines Landsmanns Barrichello weggebrochene Stahlfeder auf dem Kopf. Obwohl der Bauteil nur 800 Gramm wog, durchschlug er bei Tempo 280 den Helm. Die Feder drangt bis zum Stirnbein durch. Massa musste in künstliches Koma versetzt werden und in einem Operation wurde ein Knochensplitter entfernt. Kurzzeitig schwebte Massa sogar in Lebensgefahr.

„Durch diesen Unfall habe ich gelernt, was es heißt zu leben“, schilderte Massa, „natürlich bin ich heute gleich in die Sanitätsstation an der Strecke gegangen und habe viele Leute getroffen, die mir vor einem Jahr geholfen haben.“ Ob ihn der Unfall bremsen werde, vielleicht an der Stelle, wo es passiert ist? Massa: „Ganz bestimmt nicht. Ich bin immer zu hundert Prozent Rennfahrer. Das ist mein Job.“

Zurück zur Debatte um Befehle von der Teamleitung. Mercedes-Rennleiter Norbert Haug warnte davor, dass Thema nur schwarz-weiß zu sehen: „So einfach ist das nicht. Wir sollten eine breite Debatte über das Thema beginnen. Einerseits gibt es die Teaminteressen, aber anderseits kann es auch nicht angehen, dass ein Sportler auf einen von ihm erkämpften Spitzenplatz verzichten soll. Das will von den Fans niemand sehen und in erster Linie sind wir dem Publikum verpflichtet. Okay, bei der Tour de France gibt es Windschattenfahren zugunsten des Teamleaders. Aber sich im Zielsprint absichtlich zurückfallen lassen, das ginge dann doch zu weit.“

© SN/SW

 
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Andreas Koller

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