Wissen

Der kluge Konsument ist durch nichts zu ersetzen

Von Josef Bruckmoser | 25.06.2012 - 19:13

Die Aufregung um Stevia ist zu vergessen. Gesunde Ernährung schaut nicht auf das Einzelprodukt. Sie ist ein Gesamtkunstwerk.

Viele haben den Slogan noch in Erinnerung. "Butter ist durch nichts zu ersetzen" hießt es damals, als Konkurrenzprodukte den Angriff gegen die Butter auf dem Frühstückstisch gestartet haben. Jetzt geht die Zuckerindustrie auf den Süßstoff Stevia los und die Argumentation ist ganz ähnlich: Nicht alles, was süß ist, ist so natürlich wie Zucker.

Ein Wette kann man getrost jetzt schon eingehen: So wie die Margarine nicht die Butter verdrängt hat, so wird auch der natürliche Süßstoff aus der Stevia rebaudiana, auch Süß- oder Honigkraut genannt, den Zucker nicht verdrängen. In Ländern, in denen Stevia schon länger zugelassen ist, wie zum Beispiel in Japan, hat Stevia einen Marktanteil von 40 Prozent unter den Zuckerersatzstoffen. Das kalorienarme, natürliche und hoch wirksame Süßungsmittel zielt zunächst auf Konsumenten, die wegen Übergewicht oder Diabetes schon jetzt Zucker meiden.

Tatsache ist aber, dass wir uns zu wenig bewusst machen, wie viel Zucker in Lebensmitteln steckt. Erst jüngst haben die Verbraucherschützer von Foodwatch den Instant-Tees Früchte, Waldfrüchte und Apfel Melisse eines führenden Herstellers von Baby- und Kindernahrung den "Goldenen Windbeutel" für die Werbelüge des Jahres verliehen. Nicht ohne Erfolg: die Firma will die Produkte, die zweieinhalb Stück Würfelzucker je 200-ml-Tasse enthalten, vom Markt nehmen.

Genau da haben auch die Konsumenten selbst anzusetzen. Es ist heute keine Kunst mehr ein Auge darauf zu haben, welche Stoffe Lebensmittel enthalten. Der kluge Konsument baut vor, heißt die Devise. Wer jeden Tag auf eine ausgewogene Zufuhr von Nahrungsmitteln achtet, muss sich nicht von jeder neuen Mode und jeder neue Diät irritieren lassen.

Bei Stevia hat sich die EU lange mit der Genehmigung Zeit gelassen. Wer schon bislang Zuckerersatzstoffe genommen hat, kann ohne Bedenken zu dem neuen Süßstoff greifen und selbst Erfahrungen damit machen. Der eigene Körper ist sensibel genug, mit ja oder nein zu reagieren.

Wer noch nicht mit Übergewicht oder Diabetes zu kämpfen hat, fährt am besten damit, in der Ernährung nicht auf Wundermittel zu bauen. Die Ernährung ist ein Gesamtkunstwerk, bei dem eine Vielzahl von Produkten und Verhaltensweisen zusammenspielen. Nur wenige allgemeine Grundsätze sind aus der Erfahrung und aus wissenschaftlichen Studien bewährt. Dazu gehört die "Fünfer-Regel": fünf Mal am Tag eine Hand voll Obst und Gemüse.

So einfach ist es, mit dem Leben als bewusster Konsument heute zu beginnen.

 
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