Realeinkommen sinken - Einfluss des Euro unklar
Von Richard Wiens | 20.08.2012 - 21:19

Bild: SN/APA
Vor allem Politiker weisen of darauf hin, dass gerade "reiche" Länder wie Deutschland oder Österreich besonders viele Vorteile aus dem Euro gezogen hätten. In einer Analyse kommen Ökonomen der Schweizer Bank UBS zu einem völlig anderen Ergebnis. In einem Vergleich der real verfügbaren Einkommen der elf Länder, die von Beginn an bei der Währungsunion dabei waren, ergibt sich, dass die Realeinkommen in Österreich von 2000 bis 2010 quer durch alle sozialen Schichten gesunken sind. Besonders stark bei den Ärmsten der Beschäftigten - bei den zehn Prozent mit den niedrigsten Einkommen um bis zu 35 Prozent, geringer bei den anderen. Österreich sehe "alarmierend schwach" aus, heißt es bei UBS.
Auch in Deutschland mussten die Arbeitnehmer durchgängig Einkommensverluste hinnehmen, in Italien gab es mit Ausnahme der einkommensschwächsten zehn Prozent, die leichte Zuwächse verzeichneten, ein Minus. Andererseits machen die UBS-Experten Gewinner aus, und nennen Finnland, Portugal, Spanien und Griechenland. Ein gemischtes Bild bieten Frankreich, Belgien und die Niederlande, dort gibt es Gruppen, die seit 2000 Einkommenszuwächse verzeichneten und solche, die Einbußen erlitten.
Thomas Leoni vom Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo) meldet erhebliche Zweifel an den UBS-Aussagen an. In erster Linie daran, dass UBS die Reallohnverluste mit der Einführung des Euro in Verbindung bringt. Es gebe "keine Hinweise für einen kausalen Zusammenhang", sagt Leoni den SN, "die Behauptung ist daher wissenschaftlich nicht zulässig". Für die Behauptung, der Euro sei dafür verantwortlich, dass "ärmere" Länder bei Löhnen und Gehältern zulasten der übrigen gewonnen hätten, würden keine Datenquellen angeführt. Zudem gebe es kein Kontrollszenario, also keinen Vergleich, wie sich die Einkommen in Nichteuroländern entwickelt hätten. Auch Nationalbank-Chefökonom Peter Mooslechner hält den Zusammenhang der Lohn- und Gehaltsentwicklung mit der Euroeinführung für "weit hergeholt". Er spricht von stagnierenden oder moderat gestiegenen Realeinkommen.
Das sei der Spiegel der höheren Wettbewerbsfähigkeit von Österreichs Wirtschaft, und Folge von Globalisierung und Ostöffnung. In Österreich und Deutschland seien die Lohnstückkosten gesunken, in den von der Schuldenkrise stark betroffenen Ländern gestiegen. Die Zurückhaltung bei den Einkommenszuwächsen habe sich in der Krise bezahlt gemacht, sagt Mooslechner, die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei in Österreich deutlich besser als anderswo.
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