Strauss-Kahn nach Verhör wieder frei
Von Sn, Apa | Aktualisiert vor 91 Tagen

Strauss-Kahn verlässt nach dem Verhör die Gendarmeriekaserne. Bild: SN/dapd
Auf TV-Bildern war am Mittwochabend zu sehen, wie er unter großem Medieninteresse in einer dunklen Limousine die Gendarmeriekaserne der Stadt Lille verließ. Unklar blieb, ob die Behörden gegen ihn zu einem späteren Zeitpunkt ein Anklageverfahren eröffnen werden.
Nach Informationen des TV-Nachrichtensenders BFM hat er eine richterliche Vorladung erhalten. Bei dem Termin dürfte ihm eröffnet werden, ob gegen ihn ein Anklageverfahren eingeleitet wird oder nicht. "Jetzt sind die Dinge in den Händen der Richter", erklärte Strauss-Kahns Anwältin nach dem Verlassen der Kaserne vor laufenden TV-Kameras. Ihr Mandant habe alle Fragen ausführlich beantwortet. Positiv wertete sie die Tatsache, dass er nun wieder frei sei. Ihr Mandant sei "völlig zufrieden, dass er angehört wurde", sagte Strauss-Kahns Anwältin Frederique Baulieu. Das Verhör habe unter entspannten Bedingungen stattgefunden und Strauss-Kahn habe "völlig ruhig" geantwortet.
Der 62-Jährige steht unter dem Verdacht, als regelmäßiger Kunde von Prostituierten an schwerer bandenmäßiger Zuhälterei beteiligt gewesen zu sein, auf die bis zu 20 Jahre Haft stehen. Nach Einschätzung der Ermittler könnte er zudem von veruntreuten Firmengeldern profitiert haben, für das dem Ex-IWF-Chef maximal fünf Jahre Haft droht. Die Vernehmungen des ehemaligen französischen Spitzenpolitikers hatten bereits am Dienstagvormittag begonnen. Bei der Callgirl-Affäre stehen auch ranghoher Polizeichef, dubiose Manager und Geschäftsleute im Visier der Justiz.
Im Falle Strauss-Kahn ging es vor allem um die Frage, ob der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) bei seiner Teilnahme an gesponserten Sex-Partys in Paris, Brüssel und Washington wusste, dass die Frauen Prostituierte waren. Sollten die Ermittler eindeutige Hinweise darauf gefunden haben, droht Strauss-Kahn ein Anklageverfahren. Nach offiziell unbestätigten Medienberichten war er bei seiner Version der Ereignisse geblieben. Demnach gab er zwar eine Teilnahme an den Partys zu, nicht jedoch die Kenntnis von deren Finanzierung beziehungsweise der Teilnahme von Prostituierten. "DSK" sagte nach Angaben aus Ermittlerkreisen am Dienstag, er habe sich nicht vorstellen können, das die Frauen Prostituierte gewesen seien, da sie ihm "von Polizeibeamten vorgestellt wurden".
Der TV-Sender BFM berichtete zudem unter Berufung auf Ermittlerkreise, Strauss-Kahn habe erklärt, dass die Anwesenheit des in die Affäre verstrickten Polizeichefs bei ihm nie den Gedanken an Prostituierte bei den Sex-Partys habe aufkommen lassen.
Eine andere Sex-Affäre hatte Strauss-Kahn im Vorjahr sämtliche Zukunftspläne gekostet. Nach Vergewaltigungsvorwürfen eines New Yorker Zimmermädchens musste er nicht nur den IWF-Chefposten, sondern auch seine Hoffnungen auf die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten aufgeben. Die US-Justiz stellte das strafrechtliche Verfahren zwar wegen Zweifeln an der Glaubwürdigkeit der Frau ein, eine zivilrechtliche Klage ist aber noch anhängig.
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