Moskauer Prozess gegen Pussy Riot vertagt
Von Apa/dpa | 30.07.2012 - 22:35

Die drei angeklagten Musikerinnen. Bild: SN/apa (epa)
Die Anwälte der drei Angeklagten warfen Richterin Marina Syrowa zum Ende des ersten Verhandlungstags schwere Verstöße vor. Syrowa habe die jungen Frauen weder essen noch trinken noch zur Toilette gehen lassen. "Das ist Folter", sagte einer der Verteidiger. Die Richterin wies dies zurück.
Den seit März inhaftierten Sängerinnen Nadeschda Tolokonnikowa, Jekaterina Samuzewitsch und Marina Alechina wird "Rowdytum" vorgeworfen; ihnen drohen bis zu sieben Jahre Haft. Die maskierten Musikerinnen hatten im Februar in der Moskauer Erlöserkathedrale dafür gebetet, dass Russland von dem damaligen Premier und jetzigen Präsidenten Putin erlöst werden möge. Sie hatten unter anderem den Satz "Maria, Mutter Gottes - verjage Putin!" gesungen.
Die Frauen im Alter zwischen 22 und 29 Jahren wurden am Montag im selben Gerichtssaal vorgeführt, in dem auch die Verhandlung gegen den Putin-Kritiker Chodorkowski stattfand. Ihre Anwältin Violetta Wolkowa verlas handschriftliche Erklärungen der Frauen: Der Auftritt sei "ein verzweifelter Versuch" gewesen, "um das politische System zu ändern", hieß es in der Erklärung Tolokonnikowas in dem live im Internet übertragenen Verfahren.
Menschenrechtler kritisieren das Verfahren als politischen "Schauprozess" zur Einschüchterung der Opposition. Unterstützer riefen vor dem Gebäude "Freiheit für Pussy Riot". "Das ist politische Vergeltung und Rache", sagte der frühere Vizeregierungschef und Regierungskritiker Boris Nemzow. Menschenrechtler und andere Musiker wie Sting und die Red Hot Chili Peppers haben sich über den Prozess besorgt gezeigt. Amnesty International forderte die Freilassung der Frauen.
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