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"Jung und schön": Siebzehn, kompliziert und käuflich

Von Magdalena Miedl | 28.11.2013 - 11:20

In François Ozons "Jung und schön" prostituiert sich ein junges Mädchen - aus reiner Abenteuerlust. Kinostart ist am Freitag.

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Auch Schauspieler verkaufen Körperarbeit: Marina Vacth. Bild: SN/filmladen

Auch Schauspieler verkaufen Körperarbeit: Marina Vacth.

Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“. Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“.

Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“. Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“.

Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“. Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“.

Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“. Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“.

Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“. Bild: SN/filmladen

Impressionen aus „Jung und schön“.

Bild: SN/filmladen




"Frühreif" ist das Wort, mit dem Mädchen wie Isabelle (Marine Vacth) gern beschrieben werden, doch in Wirklichkeit gilt das Gegenteil: Die 17-jährige Protagonistin in dem Film "Jung und schön" beschließt aus einer Laune heraus, sich von älteren Männern für Sex bezahlen zu lassen - nicht, weil sie das Geld braucht, sondern nur so, vielleicht aus Verwirrung angesichts des männlichen Begehrens, das der Heranwachsenden überall begegnet.

Regisseur François Ozon urteilt nicht in seinem Film. "Letztlich gilt es für viele Berufe, dass wir unseren Körper einsetzen und damit verkaufen", sagt Hauptdarstellerin und Ex-Model Marine Vacth, und sie spricht über eigene Erfahrungen auf den Straßen von Paris.

SN: Die komplizierte Phase des Nicht-wissen-Wohin erlebt wahrscheinlich jeder Mensch als Teenager. Isabelle ist trotzdem schwer zu verstehen. Wie haben Sie einen Zugang gefunden?

Vacth: Ich weiß nicht, ob ich sie wirklich verstanden habe, aber ich habe sofort großes Mitgefühl für sie empfunden und wollte sie begleiten in ihren Erlebnissen. Natürlich habe ich sie durch meine Ideen auch mitgeformt, aber ich muss gestehen, auch für mich ist sie rätselhaft geblieben, und ich glaube, auch für François.

SN: "Jung und schön" ist Ihre erste Hauptrolle, eine schwierige Figur, dazu haben Sie einige Nacktszenen. Haben Sie gezögert, die Rolle anzunehmen?

Vacth: Ja, in der Nacht nach der Lektüre des Drehbuchs konnte ich kaum schlafen. Das Buch hat mich mit so widersprüchlichen Emotionen konfrontiert. Ich wusste nicht, ob ich die Rolle bewältigen würde.

Das lag aber gar nicht so sehr an den Sexszenen, sondern eher daran, dass ich den ganzen Film tragen musste. Bin ich bereit, das zu tun? Ich war durcheinander. Aber ich wollte mit François zusammenarbeiten, und diese komplexe Figur hat mich gereizt.

SN: Isabelle kommt nicht von selbst auf die Idee, sich zu prostituieren, sie wird vor der Schule von einem fremden Mann angesprochen, ob sie für Geld mit ihm schlafen würde. Offenbar empfindet sie die Frage nicht als Übergriff. Wie geht es Ihnen damit?

Vacth: Ich weiß nicht genau, vielleicht ist so etwas in mediterranen Ländern wie Frankreich oder Italien tatsächlich noch akzeptierter, und kommt daher auch im französischen Kino eher vor. Ich muss gestehen, mich hat diese Szene nicht speziell überrascht, vielleicht, weil ich Französin bin. Mir sind solche Situationen schon passiert, und ich höre so etwas immer wieder von Freundinnen. Es ist nichts Außergewöhnliches, dass ein Mann ein junges Mädchen auf der Straße nach Sex fragt. Klar, gutes Benehmen ist das nicht. Leider ist das immer noch so sehr Teil der französischen Kultur: Ja, er betrachtet sie potenziell als käuflich. Aber solche Unverschämtheiten sind völlig normal in Paris.

SN: Vor Ihrer Schauspielkarriere haben Sie als Model gearbeitet. In beiden Berufen nutzen Sie Ihren Körper als wichtigstes Werkzeug, aber wo liegt der Unterschied?

Vacth: Eine Gemeinsamkeit ist, dass man seinen Körper in einer gewissen Weise verkauft, wobei das ja letztlich für viele Berufe gilt, dass wir unseren Körper einsetzen und damit verkaufen.

Aber ob man vor einem Fotoapparat oder vor einer Filmkamera steht, stellt einen vor unterschiedliche Aufgaben, man nutzt den Körper auf unterschiedliche Weise, um andere Dinge zu erzählen. Als Model verkauft man Kleider, als Schauspielerin eine Geschichte, und das erfordert wesentlich mehr Einsatz. Und man hat im Film auch nicht nur den Körper zur Verfügung, sondern auch die eigene Stimme, das ist vielleicht der wichtigste Unterschied.

Kino: Jung und schön. Drama, Frankreich 2013. Regie: François Ozon. Mit Marine Vacth, Johan Leysen, Charlotte Rampling, Start: 29. 11.

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KOMMENTARE (1)
 

EICHE

28.11.2013
12:31 Uhr

Das älteste Thema der Welt. In jeglicher Literatur oft abgehandelt und im Film. Gesellschaftliches Verständnis ist durchaus vorhanden, von der Befriedigung der Lüsternheit mal abgesehen. Heute läuft es zunehmend als Thema der Selbstbefreiung der Frau. Was dann das gleichzeitige Streben nach Prostitutionsverbot soll bleibt unklar. Glaubensgegensätze? Das Thema ist auch oft Ziel zahlreicher Witze (meist zu Lasten der Männer). Man sollte es weder hochstilisieren, noch sich moralisch entrüsten.

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