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Ewig jung im blonden Herzen

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Charlize Theron ist in "Young Adult" als Ex-High-School-Prinzessin auf der Leinwand zu sehen. Die SN sprachen mit Regisseur Jason Reitman über ein sarkastisches Stück Kino.



Zu jung, zu schön, zu erfolgreich: Mavis Gary (Charlize Theron) lebt vom Neid der anderen, verdient ihr Geld als Autorin von Mädchenromanen und kann nicht fassen, dass ihr alter Schulfreund Buddy (Patrick Wilson) sie nicht mehr anbetet. Regisseur Jason Reitman und Autorin Diablo Cody haben mit "Young Adult" einen sarkastischen Film über eine Frau geschaffen, die die Kurve zum Erwachsenwerden nicht geschafft hat. Der Regisseur im Gespräch.

SN: Warum wollten Sie diesen Film machen?

Reitman: Wegen des Endes: Ich wollte einen Film machen, in dem sich die Leute nicht ändern. Das ist ein schönes Gegenstück zu meinem Film "Up in the Air": Auch da bekommen Leute die Gelegenheit, sich zu ändern, aber sie tun es nicht - wie es eben im wahren Leben läuft. Veränderung ist schwierig. In "Up in the Air" gibt es diesen Typen, der blind ist, aber doch als Einziger den Überblick hat, während alle anderen geblendet sind von all den fiktionalen Dingen, mit denen sie ihr Leben füllen: Jobs, Familie, Liebe, all diese Dinge. Und er verbringt sein Leben einsam, weil er an keines dieser Konzepte glaubt.

SN: Sie erzählen von Leuten, die voller Fehler sind. Das ist im Kino nicht üblich.

Reitman: Ja, ich versuche immer näher an die Wahrheit zu kommen, weg von der Komödie. Ich möchte, dass der Humor aus Realismus entsteht, und ich will Dinge untersuchen, die mir unangenehm sind. Vergnügen ist nett, aber nicht interessant. Klar mag ich ein fröhliches Lied. Aber mir ist ein komplexer Song lieber, der mich komplexe Dinge fühlen lässt.

SN: Wie geht es Ihnen da mit den Filmen Ihres Vaters (Ivan Reitman, "Ghost Busters", Anm.)?

Reitman: Die Filme meines Vaters sollen die Menschen glücklich machen, das mögen sehr viele. Man muss dazu den unterschiedlichen Kontext sehen, in dem wir aufgewachsen sind: Die Familie meines Vaters sind Holocaust-Überlebende. Die Familie meiner Großmutter war in Auschwitz, mein Großvater entkam, und mein Vater war erst vier Jahre alt, als sie gemeinsam aus der kommunistischen Tschechoslowakei flüchteten. Sie kamen nach Kanada, in ein Land, in dem sie die Sprache nicht verstanden und nichts hatten. Was wollte er also? Er wollte die Leute fröhlich machen! Ich hingegen bin in Beverly Hills aufgewachsen, ich habe immer ein geborgenes Leben geführt. Ich kann es mir leisten, Filme zu machen, die auch unangenehm berühren.

SN: Charlize Theron spielt in "Young Adult" eine Frau, die einfach nicht erwachsen wird. Ist das ein gesellschaftliches Problem?

Reitman: In Amerika scheint es immer einfacher zu werden, nicht erwachsen zu werden. Die Leute kleiden sich, als ob sie jünger wären, sie benehmen sich, als ob sie jünger wären, niemand übernimmt Verantwortung, keiner muss heiraten, und wenn man heiratet, kann man sich wieder scheiden lassen. Es wirkt, als ob die Regeln des Erwachsenwerdens immer flexibler würden. Und der Wunsch, berühmt zu werden, scheint wichtiger zu sein als alles andere. Die Hauptfigur Mavis ist ein Beispiel für viele, Männer wie auch Frauen, die Angst vor dem Erwachsensein haben.

SN: Sie erzählen in "Young Adult" auch von einem weiblichen Charaktertypus, der selten vorkommt im Mainstreamkino.

Reitman: Frauen sind in Mainstreamfilmen generell schwach repräsentiert. Das ist einer der Gründe, weshalb ich so gern mit Diablo Cody arbeite, weil sie fest entschlossen ist, spannende Frauenfiguren auf die Leinwand zu bringen. Es gibt da den so genannten Bechdel-Test, nach dem man drei einfache Fragen stellen muss, um zu sehen, ob in einem Film ernst zu nehmende Frauen vorkommen. Erstens: Kommen zumindest zwei Frauen vor, die auch einen Namen haben? Zweitens: Sprechen die beiden Frauen miteinander? Und drittens: Sprechen sie über etwas anderes als über einen Mann? Wie unglaublich wenige Filme diesen simplen Test bestehen, ist wirklich bezeichnend.

SN: Was hat Charlize Theron für die Rolle der Mavis mitgebracht?

Reitman: Ich wollte nicht, dass diese Figur eine Karikatur wird, in den Händen vieler Darstellerinnen hätte diese Gefahr bestanden. Charlize bringt große Ehrlichkeit mit, egal für welche Rolle.
Young Adult. Tragikomödie. USA 2011. Regie: Jason Reitman. Mit Charlize Theron, Patton Oswalt, Patrick Wilson, Elizabeth Reaser. Start: 24. 2.

 
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