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Kolumne | Scholls Welt

Die russische Opposition zeigt viel Fantasie

Von Susanne Scholl | Aktualisiert vor 113 Tagen

Den Gegnern der Opposition geht der Humor nicht aus. Zuletzt gab es einen Anti-Putin-Autokorso auf dem Straßenring um Moskaus Zentrum. Die Mächtigen stehen solchen Aktionen ratlos gegenüber.



Im Vergleich zu den Demonstranten im Rest der Welt zeichnen sich Russlands Protestierer neuerdings durch große Originalität aus. Mitten im eisigen Winter eine Art Autokorso rund um das Moskauer Zentrum zu veranstalten ist eine ebenso ungewöhnliche wie effektive Methode, den Mächtigen zu zeigen, was man von ihnen hält.

Zumal in einer Stadt, die Tag für Tag im Stau versinkt und in der sich die politische Elite nur mithilfe laut hupender Polizeiautos und der Nutzung eigener Fahrstreifen von einem Ort zum anderen bewegen kann, während der Rest der Menschheit den Großteil seiner Zeit damit verbringt, zu warten, dass sich die Autokolonnen wieder ein paar Meter weiterbewegen.

Genau in diesem verkehrsgelähmten Moskau hat man - allerdings am Sonntag, an dem das Chaos nicht ganz so massiv ist - gezeigt, was von den derzeit Mächtigen zu halten ist. Um es kurz zu machen: wenig.

Die Autos, die bei diesem politischen Korso der besonderen Art mitfuhren, waren mit allem geschmückt, was die politische Absicht deutlich macht - von weißen Schneehaufen bis zu Puppen mit Putins Gesicht. Der Zweck dieser Demonstration der besonderen Art war klar. Es sollte gezeigt werden, dass die Methode, Wahlen grundsätzlich in die der politischen Elite genehmen Richtung zu manipulieren, nicht mehr die unbedingte Zustimmung der Bevölkerung findet. Der Autokorso brachte den Demonstranten gleich mehrere Vorteile. Zum Ersten braucht es dazu keine besondere behördliche Genehmigung. Niemand kann den Menschen verbieten, am Sonntag auf dem Ring rund um das Moskauer Zentrum zu fahren. Zum Zweiten wurde dank der regen Beteiligung der Moskauer Autofahrer gezeigt, dass das Kalkül der politischen Führung, die Kraft der Protestierenden werde sich nach den Neujahrsferien in Luft auflösen, gescheitert ist.

Und zum Dritten ist Humor eben eine Methode, gegen die die Mächtigen in der Regel machtlos sind. Mit Lachen kann man vielleicht sogar die Macht des einstigen KGB-Mannes Wladimir Putin zumindest stark beschränken, mögen sich die Erfinder des Autokorsos gedacht haben - die im Übrigen sogar das am besten geschmückte Auto wählen ließen. Inzwischen sucht die Opposition im Internet nach einem Lied für ihr Anliegen - freie, faire und ehrliche Wahlen nämlich.

All das sind Aktionen, mit denen die politische Elite nichts anfangen kann, denen sie nichts entgegenzusetzen hat. Und genau darauf hoffen die zurzeit wirklich ziemlich kreativen Oppositionellen. Vielleicht gelingt es ja wirklich zum ersten Mal in der Geschichte dieses geplagten Landes, einen Umschwung ganz gewaltlos - mit Humor nämlich - herbeizuführen.



 

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