Mit der Jausenbox zur Wursttheke
Von Thomas Hödlmoser | Aktualisiert vor 104 Tagen

Äpfel österreichischer Herkunft gibt es auch im Winter: Petra Pföß vom Rochushof in Salzburg. Bild: SN/HÖDHÖDLMOSER
Wer beim Einkauf das Klima schonen will, muss umdenken, noch bevor er den ersten Artikel in den Einkaufswagen gelegt hat.
Die ersten Fragen stellen sich vor dem Obstregal. "Wollen Sie ein Plastiksackerl?", fragt Silvia Aschenberger. Und schon plagt einen das schlechte Gewissen. "Ich lege das Obst immer in den Korb", sagt die Expertin vom Österreichischen Ökologieinstitut, die mit den SN den klimaschonenden Einkauf in der Praxis testete. "Plastik ist energieintensiv bei der Herstellung."
Ist die Entscheidung für oder gegen das Sackerl gefallen, beginnt die eigentliche Einkaufstour. Drei Regeln sollten dabei eingehalten werden, sagt Aschenberger. "Erstens: weniger Fleisch. Zweitens: mehr saisonales Obst und Gemüse. Drittens: wenn möglich, Biowaren aus der Region."
Die Obstauswahl ist auf den ersten Blick groß. Mirjam Weichselbraun, das Spar-Werbegesicht, grinst von einem Plakat, eine knallrote Tomate in der Hand. Darunter die Schlagworte: "Natur pur." Die Realität ist komplizierter. Wer Wert darauf legt, Früchte zu kaufen, die nicht quer über den halben Erdball transportiert worden sind, hat es derzeit in jedem Geschäft schwer. Die Orangen sind aus Spanien, Bananen und Kiwi tragen zwar das Bioetikett, stammen aber aus Peru und Neuseeland. "Weintrauben und Erdbeeren sollte man im Winter so gut wie nie kaufen. Die sind leicht verderblich und werden mit dem Flugzeug transportiert", sagt Aschenberger, die in Salzburg die Landesinitiative "Leben auf zu großem Fuß" betreut. Der Blick auf die Saisonliste der Umweltberatung Österreich zeigt, dass manche Sorten nur in wenigen Monaten guten Gewissens gekauft werden können: Die Pfirsichsaison etwa dauert nur von Juli bis September, die Erdbeersaison von Mai bis August, auch Marillen sollte man nur im Hochsommer kaufen.
Weiter zum Nudelregal. Dort zeigt sich, dass die Nudeln zum Großteil aus italienischer Produktion stammen. Wasser gibt es fast nur noch in Plastikflaschen. Ist nicht die Glasflasche hundert Mal ökologischer? Nein, sagt Aschenberger. Am besten schnitten PET-Mehrwegflaschen ab. "Sie werden im Durchschnitt 20 Mal wiederbefüllt, verbrauchen bei Transport und Logistik aufgrund des geringen Gewichts wenig Energie und sind damit allen anderen Systemen überlegen. Glasflaschen werden wegen des höheren Gewichts etwas ungünstiger als PET-Mehrweg eingestuft."
"Fleischfreie Tage"
Bei manchen Produkten fällt die Wahl nicht so schwer. So gibt es Speisetopfen aus dem Hause Alpenmilch, das Brot wurde in Anthering gebacken. Thea kommt aus Wien und Frivissa aus Wels. Und auf dem Kochschoko steht zumindest geschrieben: "Sorgfältig hergestellt in Österreich." Beim Schärdinger Bergbaron stört Ökoexpertin Aschenberger indes die doppelte Papierverpackung. Lässt sich die vermeiden? "Ja. Wer ganz konsequent sein will, kann sich Käse oder Wurst gleich ohne Verpackung in die Jausenbox legen lassen."Zum Umdenken beim Einkauf rufen auch die Grünen auf. Von allen CO2-Emissionen entfalle ein Fünftel auf die Lebensmittelproduktion, sagt LAbg. Astrid Rössler. "Hauptproblem ist der hohe Fleischkonsum." Im Schnitt konsumiere jeder Österreicher im Jahr 110 Kilogramm Fleisch. "Das ist schlecht für die Gesundheit und schlecht für das Klima."
Doch nicht nur der Konsument, auch die Politik sei gefordert. Rössler schlägt fleischfreie Tage vor, nach dem Vorbild anderer Städte wie Gent oder Bremen. Es brauche eine Kampagne zur Verringerung des Lebensmittelanteils im Abfall und die Salzburger Landwirtschaft sollte zu hundert Prozent auf Bio umgestellt werden. "Langfristig sind auch die Agrarförderungen umzustellen, weg von der konventionellen Landwirtschaft hin zur biologischen."
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