Die Mode-Festspiele treiben’s schön bunt
Von Herwig Steinkellner | 13.07.2012 - 19:06

Andreas Enzenhofer: Er befreit seine Kunden vom Einheitsbrei der Massenkollektionen. Bild: SN
Eines vorweg: Sie müssen weder reich noch schön sein, um bei den Salzburger Festspielen eine hervorragende Figur aufs Parkett zu legen. Im schummrigen Foyer ist der Unterschied zwischen H&M und Chanel oft nur für Profis erkennbar. Aber was wären die Salzburger Festspiele ohne Glanz und Glamour? Ohne die Auffahrten, ohne Blitzlichtgewitter der Paparazzi sowie den Kiebitzen und Adabeis, die genau beobachten, wer neu gewandet nach Salzburg kommt oder mit dem Kleid vom Vorjahr Bescheidenheit signalisiert.
Eine Frage wird aber zunehmend diskutiert: Ist Tracht bei Oper, Konzert oder Theaterbesuch erlaubt? "Ja klar", betont Sylvia Hägele, Inhaberin von Trachten Stassny, und schwärmt vom einzigartigen Lebensgefühl, das Salzburg im Sommer verströmt, von der neuen Buntheit der aktuellen Tracht, dem von Staub und Fadesse befreiten Look ihrer Kollektionen, dem Qualitätsbewusstsein der Kundinnen, den kleidsamen Schnitten, die jeder Dame schmeicheln, und der "Studentengasse", die ab und zu tiefe Einblicke bietet. Pink, Orange, Blau. Blasse Farben oder Schwarz sind für die Trachten-Trendsetterin out, Buntheit ist angesagt: Accessoires treten in den Hintergrund und sind Beiwerk.
Auch für den Maßschneider Andreas Enzenhofer ist ein Festspielauftritt in Tracht "völlig okay". Seine Kundschaft verwöhnt der Salzburger mit Atelier im vornehmen Stadtteil Riedenburg jedoch mit klassischen Roben. Seit 25 Jahren prägt der Absolvent der Modeschule Hetzendorf auf erfolgreiche Art und Weise die Couture-Szene. Die Inspiration für sein kreatives Schaffen holt sich der Kosmopolit aus den Opern- und Theaterbühnen sowie auf seinen internationalen Modereisen: "Alles, was ich sehe, entzündet Ideen in mir: Musik, Kunst, Theater, Spaziergänge, die Menschen auf den Straßen, fremde Länder und Kulturen. Meine Augen und Gedanken empfinde ich dabei wie eine Kamera", so Enzenhofer. Ob kräftige Farben oder klassisches Mitternachtsblau: Auf die Wünsche der Kundinnen geht der kreative Edel- schneider mit viel Einfühlungsvermögen und Erfahrung ein. "Ich mache Kleider für Menschen, die sich hinter Bekleidung nicht verstecken, sondern sich dem Einheitsbrei von Massenkollektionen entziehen wol-len", betont Andreas Enzenhofer. Seiner Ideologie als Kleidermacher ist er über all die Jahre treu geblieben. "Kleidung ist für mich wie ein Haus: Man wohnt in ihr und muss sich wohlfühlen." - Und auch er freut sich auf eine spannende, von Klasse und Glamour begleitete Saison 2012.
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