Salzburger Festspiele

Thalias Kompagnons: Mondsüchtige Puppen

Von Klemens Renoldner | 19.07.2012 - 11:36

Zwei Nürnberger Puppenspieler wagen sich ans österreichische Biedermeier. Dem außergewöhnlichen Gastspiel der Thalias Kompagnons darf man mit Neugier entgegensehen.

Thalias Kompagnons: Mondsüchtige Puppen

Zwei Nürnberger Puppenspieler wagen sich ans österreichische Biedermeier. Bild: SN/SF/Kompagnons



Wie finden sich zwei Puppenspieler aus Nürnberg im österreichischen Biedermeier zurecht? Welche Abenteuer erleben sie mit Ferdinand Raimund und seinem "Original-Zaubermärchen mit Gesang in drei Akten": "Das Mädchen aus der Feenwelt"? Wie erzählt man heute diesen Stoff, demzufolge das Wohlergehen der Menschen von skurrilen Rivalitäten in der Geisterwelt abhängt? Von einem Zwist, der dann mit dem grandiosen Sieg der Zufriedenheit gekrönt wird?

Die erste Lektüre des in Österreich so berühmten Theaterstücks, das räumt Tristan Vogt ein, habe ihn und seinen Partner Joachim Torbahn ein wenig ernüchtert. Sie hatten noch nie ein Stück Ferdinand Raimunds inszeniert. Aufführungen seiner fantastischen Dramen, die sie gesehen, und Videos, die sie sich besorgt hatten, halfen ihnen nicht weiter. Was sollte man anfangen mit dieser Feenwelt, mit einem schwäbischen Zauberer Ajaxerle, dem alles misslingt, mit den allegorischen Figuren wie Neid, Hass und Zufriedenheit? Was tun mit den Elementen des Wiener Volkstheaters? Und wie sollten sie, die beiden Deutschen, der eine in Kiel, der andere in Nürnberg gebürtig, mit dem österreichischen Idiom umgehen?

Aber dann hätten sie entdeckt, dass dieses Stück Elemente einer "abgründigen Modernität" besitze und man ihm neue Aspekte abgewinnen könne. Ja, dass das Stück zudem voller Angebote für ihre besondere Spielweise und für das Puppentheater sei. "Und diese Allegorien - das lässt sich doch mit Puppen auf ideale Weise lösen."

Tristan Vogt, der sich das Spielen mit den Puppen selbst beigebracht hat, und Joachim Torbahn, der Maler und Bühnenbildner, beschäftigen sich seit einem Jahr mit Raimunds Stück. Sie haben es auf Vorschlag der Salzburger Festspiele erarbeitet, und so wird es in Salzburg seine Premiere erleben. Vier Puppenspieler und zwei Musiker werden zum Einsatz kommen - für das Theater der Thalias Kompagnons handelt es sich damit um eine große Produktion.

Wie gehen die beiden mit Raimunds Sprache um? Es sei ihnen von Anfang an klar gewesen, sagt Tristan Vogt, dass sie als Deutsche nicht einen wienerischen Tonfall imitieren könnten. Dass das nur peinlich sein könne. Die verschiedenen Sprachebenen des Stücks seien aber wesentlich, und nun sprechen sie die umgangssprachlichen Passagen eben in ihrer Sprache. Vom Dramatiker Fitzgerald Kusz haben sie sich die entsprechenden Texte ins Fränkische übertragen lassen, um der Kunstfertigkeit Raimunds gerecht zu werden.

Das Nürnberger Ensemble Thalias Kompagnons gastiert noch mit einem zweiten Stück in Salzburg. "Kafkas Schloss" nennt sich eine ältere Produktion, nach dem gleichnamigen Roman Franz Kafkas. Im Verhältnis zum "Mädchen aus der Feenwelt" ein kleines Unternehmen, und zugleich eines der erfolgreichsten der Nürnberger Puppenspieler. Tristan Vogt spielt und erzählt die Geschichte vom Landvermesser K., der auf der Suche nach Unterkunft, Arbeit und menschlicher Anerkennung ist. Aber er verstrickt sich in einen heillosen Kampf mit der alles beherrschenden Schlossverwaltung.

Vogt inszeniert Kafkas Roman mit kleinen Holzfiguren auf einem Tisch. Und so wird aus dem Selbstbehauptungskampf des Landvermessers, der gegen die Intrigen und Machtkämpfe keine Chance hat, ein grandioser tragikomischer Theaterabend.

Nach dem großen Erfolg mit ihrer Version der "Zauberflöte" bei den Wiener Festwochen im vergangenen Jahr kommen Thalias Kompagnons nun erstmals zu den Salzburger Festspielen, und das ist ein Glücksfall. Seit 1990 gibt es dieses Theater, das jährlich ein bis zwei Produktionen erarbeitet und mit vielen renommierten Preisen ausgezeichnet worden ist. Elf Jahre lang unterhielten sie mit einem Nürnberger Kinder- und Jugendtheater sogar eine eigene Spielstätte.

Zehn Stücke hätten sie zurzeit im Repertoire, sagt Tristan Vogt. Damit reisen die Nürnberger Künstler zu allen wichtigen Figurentheater-Festivals, immer öfter gastieren sie in großen Theater- und Opernhäusern. Gastspiele führten sie in alle Länder Europas, auch nach Israel, Japan und Korea, nach Russland, Australien und in die USA.

Dass sie es auf ihren Tourneen mit dem Raimund-Stück nicht leicht haben würden, sei ihnen bewusst. Beim internationalen Publikum haben es musikalische Produktionen wie "Zauberflöte - Eine Prüfung", "Macbeth für Anfänger" oder "Wagners Ring - Ein Opernabend" weniger schwer.

 
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