Salzburger Festspiele   Fotostrecke verfügbar

"Così fan tutte": Jetzt im Dickicht statt vor Zypresse

Von Karl Harb | 23.08.2013 - 09:35

Original oder Kopie? Regisseur Sven-Eric Bechtolf topfte und färbte seine frühere Inszenierung von Mozarts "Così fan tutte" für die Salzburger Festspiele um.

1 von
„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

„Cosi fan tutte“ im Haus für Mozart.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL




Mozarts "Così fan tutte" geht nicht gut aus. Das liegt im Werk begründet. Nach Don Alfonsos zynisch als soldatische Wette eingefädeltem und gnadenlos durchgezogenem Liebes- und Treue-Experiment bleiben fünf zerstörte, aus der Bahn geworfene Menschen übrig. Die Balance in Mozarts heikelster, zerbrechlichster und grausamster Oper fordert eine subtile Gewichtung. Wer da nur lacht, dem ist nicht zu helfen.

Mozarts "Così fan tutte" geht nicht gut aus. Auf der Bühne des Hauses für Mozart bricht am Ende Don Alfonso zusammen, weil er irrtümlich von dem Gift getrunken hat, das er für die Intrige zubereitet hatte. Das ist der einzige gravierende Unterschied, den Regisseur Sven-Eric Bechtolf in Salzburg zu seiner 2009 in Zürich herausgekommenen Inszenierung gemacht hat. Dort fällt am Ende nämlich Fiordiligi der Eifersucht zum Opfer, weil sie nicht aufpasst, dass sie Guglielmos Giftcocktail trinkt.

Mozarts "Così fan tutte" geht nicht gut aus. Nach der Salzburger Premiere musste vor allem der Dirigent, Christoph Eschenbach, deutlichen Unmut hinnehmen. In der Tat: Eine so schlampig und zerfahren, sinnfrei und neutral dahinmusizierte "Così fan tutte" hat es selbst in weniger glanzvollen Salzburger "Così"-Zeiten wohl nicht gegeben: eine Musik ohne Eigenschaften.

Eschenbach entwickelt kein Gespür für die komplexen und komplizierten Balancen im Sechseck der Beziehungen, keinen Sinn für organisch abgestufte Dynamik, Rhetorik, Klang und Tempo und ihre unerlässliche Dramaturgie, für flexible, atmende Vokalbegleitung, für kultivierte oder wenigstens handwerklich gefestigte Ensemblestruktur. Kann dem Werk Schlimmeres passieren? Wo ist die Mozart-Kompetenz der Wiener Philharmoniker?

Auch für Sven-Eric Bechtolf und sein treues Ausstatterteam Rolf und Marianne Glittenberg ging es nicht glatt ab. Sie verantworten hier ein (selbst-)gefälliges Arrangement, im Grunde genommen nur eine Umfärbelung. Äußerlich ist diese "Così fan tutte" deshalb anders als vor vier Jahren in Zürich: Schwarz statt Weiß, ein rundes Glashaus statt geometrisch abstrakter Architektur, ein Pflanzendickicht statt einer einsamen Zypresse. Ja, selbst die Nickelbrille Don Alfonsos passt sich der Wandlung an: Dunkel getönt war sie für Oliver Widmer, durchsichtiges Glas trägt jetzt Gerald Finley in Salzburg.

Vielleicht drückten ja auch das vorherrschende Schwarz und der überquellende Pflanzenwuchs auf die Stimmung. Schwere Düsternis wandelte sich jedenfalls zu öder Langeweile.

Im Inneren der Abläufe gibt es indes unzählige Details, im Einzelnen wie in den szenischen Gruppierungen, in Gesten, Gängen und Bewegungen, die dem Regisseur akkurat so schon in Zürich eingefallen sind. Wir verzichten darauf, Beckmesser zu spielen und eine Liste der Parallelen zu erstellen; wer mag, kann sich ja die im Handel erhältliche DVD der Produktion anschauen. Er wird dann übrigens, das sei noch zum Nachteil Salzburgs bemerkt, eine sehr viel stringenter durchgearbeitete, komödiantisch pointiertere, flüssiger und logischer musizierte und charakteristischer gesungene Aufführung erleben.

Denn auch da geht Mozarts "Così fan tutte" diesmal nicht gut aus. Erfreulich, dass Malin Hartelius, schon in Zürich als Fiordiligi dabei, wieder zu achtbarer Form gefunden hat. Erfreulich in jedem Fall, wie lebendig Martina Jankova, bei durchaus schwerer gewordener Stimme, der Despina, die auch sie schon in der früheren Inszenierung gesungen hat, Figur gibt. Und souverän, wie Gerald Finley mit noblem, flexiblem Bariton die Don-Alfonso-Fäden zieht, bei punktuell zu viel Bewegungsaufwand, der sich durch die gesamte Aufführung zieht. Bechtolf kehrt offenbar gerne den Komödianten heraus und setzt auf zappeligen Aktionismus.

Nicht in Balance sind (im Gegensatz zu Ruben Drole und Javier Camarena an der Limmat) Luca Pisaroni (Guglielmo) und Martin Mitterrutzner (Ferrando). Der eine, seit Langem ein brillanter, wendiger, kraft- und charaktervoller, viriler Bariton, der auf intelligente Art immer auch spielwütig ist, wirkte am Mittwoch seltsam verhalten und gebremst, also unterfordert. Der andere, ein junger, freilich arg schmaler, wenig ausdrucksintensiver Tenor, kam, aus welchen Gründen immer, zunehmend aus der Spur, machte also den Eindruck, überfordert zu sein. Vielleicht legt sich das ja noch. Marie-Claude Chappuis schließlich blieb als Fiordiligis Schwester Dorabella zu indifferent in der vokalen Spannkraft, findet nicht zu gerundeten, womöglich gar fraulich-samtenen Tönen, sondern neigte immer wieder zu stimmlichen Verschärfungen.

Was müsste den Salzburger Festspielen bei Mozart, dem schwierigsten und aufregendsten aller Komponisten, unbedingt gelingen? Eine musikalische Deutung, die weder routiniert noch orientierungslos ist, sondern die Sprengkraft der Musik zündet, mit Tönen und Klängen in die Tiefen der Seele zielt, dorthin, wo sich Mozart am besten auskannte. Dazu eine Regie, die mit Verstand, Spürsinn und forschender Neugier Fragen an das Stück stellt statt Bestehendes zu reproduzieren, und eine Szene, die zwingende Bilder findet statt Beliebigkeiten zu arrangieren. Die Perspektive auf den weiteren Verlauf dieses neuen Salzburger da-Ponte-Zyklus, der von Christoph Eschenbach dirigiert und von Sven-Eric Bechtolf inszeniert werden wird, gibt nach diesem Start mit "Così fan tutte" nicht unbedingt zu gesteigerten Erwartungen Anlass.

 
Teilen
Facebook Twittern Google+ Versenden Drucken
1
 
ANZEIGEN
 
KOMMENTARE (1)
 

Stiller Beobachter

25.08.2013
15:25 Uhr

Endlich kommt auch die versammelte, Kritikerschar drauf, dass Herrn Bechtolfs Arbeiten fast ausschliesslich aus routinerten, mehr oder weniger gefälligen Arrangements vor einem Hintergrund Herrn Glittenbergs (meistens eine Fensterfront) bestehen. Seit Jahren wird man an der Wiener Staatsoper mit diesen Inszenierungen gelangweilt, der seltsamerweise immer wieder als "psychologisch brillant gezeichnete" Ring des Nibelungen stellt dabei wohl den absoluten Tiefpunkt dar....

Kommentar melden!

 

schließen (x)

 

 

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken oder hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse.

Benutzername
Passwort
 

Passwort vergessen ›      Jetzt registrieren ›