Prinz von Homburg: Mit feiner Klinge an große Visionen
Von Julia Danielczyk | 29.07.2012 - 13:08
Mit einem sensationellen Erfolg startete die erste Schauspiel-Premiere der heurigen Salzburger Festspiele: Andrea Breths hochkarätig besetzte Inszenierung von Heinrich von Kleists "Prinz von Homburg" blickt gnadenlos tief in die Abgründe menschlichen Fühlens und Handelns.
August Diehl begeistert als somnambuler Visionär, der radikal seine Ziele verfolgt und letztendlich bitter daran scheitert. Mit feiner Klinge zerlegt Breth den Konflikt zwischen individuellem Streben und gemeinschaftlichen Interessen mit der entscheidenden Frage nach der jeweils eigenen Verantwortung. Somit ist Breths Homburg keineswegs Gegenspieler des Kurfürsten (Peter Simonischek): Im Gegenteil, er ist "die Pflanze", die dieser aufzog. "Bin ich nicht alles, was ich bin, durch ihn?" fragt Homburg verzweifelt, als er erfahren muss, dass ihn der Kurfürst wegen eigenmächtigen Handelns zum Tode verurteilt.
Todesfurcht und Lebenslust sind vor dem Hintergrund des Schlachtengetümmels omnipräsent.
Martin Zehetgrubers raffinierte, und doch klare, schwarzweiße Bühne schafft den idealen Rahmen für dieses Spiel zwischen den phantastischen Ideen des jungen Homburg und dem kalten Kalkül der Kriegsführer. Lang anhaltender Applaus und viele Bravos gaben der strengen Form recht.
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