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"Giovanna d' Arco": Kammerspiel mit intensiver Wirkung

Von Karl Harb | 06.08.2013 - 19:57

Anna Netrebko sucht mit neuen Rollen neues Profil. Verdis "Giovanna d' Arco" gibt dafĂĽr ein Beispiel.

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Anna Netrebko in „Giovanna d’ Arco“. Bild: SN/EPA

Anna Netrebko in „Giovanna d’ Arco“.

Bild: SN/EPA

Anna Netrebko und der wieder genesene Plácido Domingo in „Giovanna d’ Arco“. Bild: SN/EPA

Anna Netrebko und der wieder genesene Plácido Domingo in „Giovanna d’ Arco“.

Bild: SN/EPA

Anna Netrebko und der wieder genesene Plácido Domingo in „Giovanna d’ Arco“. Bild: SN/EPA

Anna Netrebko und der wieder genesene Plácido Domingo in „Giovanna d’ Arco“.

Bild: SN/EPA

Der wieder genesene Plácido Domingo. Bild: SN/EPA

Der wieder genesene Plácido Domingo.

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Anna Netrebko und der wieder genesene Plácido Domingo in „Giovanna d’ Arco“. Bild: SN/salzburger festspiele/lelli

Anna Netrebko und der wieder genesene Plácido Domingo in „Giovanna d’ Arco“.

Bild: SN/salzburger festspiele/lelli

Anna Netrebko in „Giovanna d’ Arco“. Bild: SN/APA/NEUMAYR/MMV

Anna Netrebko in „Giovanna d’ Arco“.

Bild: SN/APA/NEUMAYR/MMV

Anna Netrebko in „Giovanna d’ Arco“. Bild: SN/APA/NEUMAYR/MMV

Anna Netrebko in „Giovanna d’ Arco“.

Bild: SN/APA/NEUMAYR/MMV

Anna Netrebko nach der Premiere von „Giovanna d’ Arco“. Bild: SN/APA/NEUMAYR/MMV

Anna Netrebko nach der Premiere von „Giovanna d’ Arco“.

Bild: SN/APA/NEUMAYR/MMV

Der wieder genesene Plácido Domingo. Bild: SN/Andreas Kolarik

Der wieder genesene Plácido Domingo.

Bild: SN/Andreas Kolarik




Jetzt erst ist der Festspielsommer das, was er immer sein will. Jetzt ist sie da. Die Königin. Die Diva. Die Primadonna. Aber sie trägt heuer keinen billigen Hut und keine abgewetzte Strickjacke wie vor einem Jahr als Mimi in "La Bohème". Sie tritt, auch wenn es erst 16 Uhr nachmittags ist, in goldglänzender Robe auf. Und sie singt, was sie sich neuerdings öfter vorgenommen hat, keinen Repertoirehit, sondern eine so gut wie unbekannte Oper: "Giovanna d' Arco" von Giuseppe Verdi. Diese Version der Geschichte der Johanna, dem Hirtenmädchen, das den Franzosen zum Sieg über die Engländer verhalf, Karl VII. zur Krönung nach Reims führte und das als Hexe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde, wurde 1845 in der Mailänder Scala uraufgeführt.

Verdi hatte damals in seinen "Galeerenjahren" schon die Erfahrung des "Nabucco" hinter sich, den "Macbeth" in zwei Jahren noch vor sich (der im Prolog der "Johanna" schon deutlich vorausspukt). Er war sich der Wirkungen, die er mit der Oper erzielen kann, sehr wohl bewusst, schuf eine Partitur voll feuriger Energie, austariert zwischen dramatischen Situationen und intensiven persönlichen Momenten: Johannas Träume und Visionen begeben sich vor effektvollen Dämonen-, Geister- und Engelschören und schüren auf fatale Art die persönlichen Missverständnisse, denen sowohl Karl als auch Johannas Vater Giacomo erliegen.

Verdi und sein Textdichter Temistocle Solera haben das Geschehen auf eine Dreierkonstellation ausgerichtet. Im Zentrum steht Johanna als visionäre Gotteskriegerin. Sie ist flankiert vom König, der der Last der Verantwortung überdrüssig, aber der Lust zur Liebe gewärtig ist, als er ihr begegnet, und von ihrem Vater Giacomo, der glaubt, seine Tochter sei mit dem Bösen im Bunde und sie verrät. Aus diesem Beziehungsgeflecht entwickelt sich ein dramatisches Kammerspiel, das an die drei Protagonisten große Anforderungen stellt.

Anna Netrebko gestaltet die Titelrolle nicht nur mit Bravour, sondern auch mit beseelter Empfindung. Ihre Stimme besitzt jetzt eine großartig fokussierte Energie und Fülle und neue, leuchtende Facetten in allen Lagen, eine dunkle Glut der Leidenschaft, Geschmeidigkeit in den Phrasen, bruchlose Registerwechsel zwischen dramatischer Attacke und herrlich intimem Piano. Sie ist zu einer bedeutenden Charakterdarstellerin gereift, die mit kleinen Gesten und zurückhaltender Auftrittschoreografie auch konzertant starke szenische Präsenz entwickelt.

Zu einer bewegenden Begegnung wurde der Auftritt Plácido Domingos, der Johannas Vater Giacomo mit allen Fasern seiner unvergleichlichen Charakterisierungskunst ausstattete. Domingo hatte ja erst vor Kurzem eine Lungenembolie erlitten und sich trotzdem der kräftezehrenden Baritonpartie ausgesetzt, die vor allem im zweiten Teil enormen Einsatz verlangt. Man spürte und sah: Er ging an die Grenzen, erreichte aber einen Grad an Wahrhaftigkeit, der schlichtweg überwältigte. Diese Disziplin! Diese Glut! Diese Gestaltungsintensität! Vor vierzig Jahren sang Domingo unter James Levine mit strahlender Kraft die Tenorrolle des Carlo. Und noch immer schimmert, nun sozusagen "väterlich" grundiert, dieses unvergleichliche Jahrhunderttimbre durch. Vor einer solchen Kunst mag man sich nur verneigen.

Kraftstrotzend agierte als Dritter im Bunde Francesco Meli, robust und gesund, aber gelegentlich auch recht laut und derb im tenoralen Ausdruck, aber da war er ja nahe am Dirigenten Paolo Carignani, der den Überschwang der Partitur in schneidige, zackige, auch ruppige Töne übersetzte und dabei modulierende (und bei allem Stereotyp mögliche) Klangflexibilität hintanstellte.

Das Münchener Rundfunkorchester spielte verlässlich, in den Bläsersoli klangschön aufgestellt, der Philharmonia Chor (Walter Zeh) erfüllte die vielen kollektiven Charakterzüge von Engeln bis Dämonen mit sicherem Einsatz und engagiertem Können.

Was anderes hätte es nach einer solchen Aufführung (sie ist noch zwei Mal zu hören) geben können als Jubel?

 
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