Salzburger Festspiele

Verzweiflungssymphonie mit dem großen Hammer

Von Ernst P. Strobl | 23.08.2013 - 09:42

Vor dem Großen Festspielhaus tat sich am Mittwoch Ungewöhnliches. Ein Orchester hatte in der Hofstallgasse Aufstellung genommen, darüber spannte sich ein Transparent. "Erhaltet das SWR Sinfonieorchester".

Verzweiflungssymphonie mit dem großen Hammer

Aufruf zur Rettung des SWR Sinfonieorchesters in der Hofstallgasse. Bild: SN/sn



Den Notruf griff auch Festspielintendant Alexander Pereira auf, der vor Konzertbeginn das Podium erklomm, sich leidenschaftlich für den Erhalt des Orchesters einsetzte und "im Namen der Salzburger Festspiele Protest" einlegte. Eine von regionalen Politikern geplante Fusion des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg mit dem Radiosinfonieorchester Stuttgart wäre eine "Katastrophe", sagte Pereira. Wenn das SWR Orchester, das in den Jahrzehnten seines Bestehens an die 400 Kompositionen uraufgeführt hat, kaputtgespart würde, wäre "ein wesentlicher Teil der Kultur zerstört". Der Appell Pereiras stieß auf große Zustimmung im Saal. Denn eines ist klar, das SWR Sinfonieorchester ist nicht nur wegen seiner Verbindung mit den Donaueschinger Musiktagen ein immens wichtiger Klangkörper, was die zeitgenössische Musik betrifft, auch für Mahler hat man viel getan.

Pereira lobte die Mahler-CDs, die ihn zur Einladung an das SWR Sinfonieorchester veranlasst hätten, sich am Zyklus der gesamten Sinfonien in diesem Festspielsommer zu beteiligen. Als Dirigent wurde Michael Gielen engagiert, der schon 1992 die Symphonie Nr.6, a-Moll, im Festspielhaus aufgeführt hatte, damals mit dem Gustav-Mahler-Jugendorchester, und im Jahr darauf auch Mahlers 7. Symphonie mit dem SWR.

Nun also wieder die Sechste. Michael Gielen, 85 Jahre alt, hat unendlich viel für die Moderne, darunter Lachenmann oder Zimmermann, getan, gilt aber auch als herausragender Mahler-Interpret. Als solcher setzte er einst gleich zu Beginn seiner Professur für Dirigieren am Salzburger Mozarteum Mahler aufs Programm. Die pädagogische Strenge ist ihm nicht abhanden gekommen, auch wenn er nun sitzt, hat Gielen eine phänomenale Schlagtechnik. Und Kampfesgeist, den er schon im Eingangssatz mit fast martialischer Entschlossenheit entfesselte. Die Brillanz quer durch alle Sektionen des SWR Sinfonieorchesters fiel auf, nicht alles gelang in Perfektion. Der von Mahler nur durch ein eingeschränkt idyllisches Andante gebremste Marsch in den Untergang zog sich durch bis zum - auch optischen - Höhepunkt: Wenn der Schlagzeuger zum großen Hammer greift und ihn auf die Holzkiste sausen lässt, darf man erschüttert sein. Der Jubel über diese Art der "Übertreibungssymphonie" war groß und nicht der Solidarität geschuldet.

 
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