Salzburg | Salzburger Festspiele 

Edita Gruberova: Mit Würd" und Hoheit angetan

Von Karl Harb | 24.07.2013 - 20:22

Die Grande Dame kehrte für einen Liederabend an den Ort legendärer Erfolge zurück. Noch immer ist Richard Strauss eine Domäne ihrer reifen Kunst.

Edita Gruberova: Mit Würd" und Hoheit angetan

Edita Gruberova kehrte nach Salzburg zurück. Bild: SN/APA/HERBERT PFARRHOFER



Vor 35 Festspielsommern sang sie sich am selben Ort in die Herzen der Festspielbesucher. Als Zerbinetta in "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss wurde sie zur Personifikation der Rolle. Nun kam sie wieder, längst Grande Dame der Sopranistinnen: Edita Gruberova. Und es war dieses Glitzern und Leuchten wiederum von Richard Strauss, das sie im regulären Teil ihres Konzertabends am Dienstag in acht ausgewählten Liedern vollgültig zu feiner Entfaltung brachte. Was Wunder, dass Alexander Pereira, der Intendant, höchstpersönlich den obligaten Blumenstrauß überreichte - selbstverständlich unter Anwendung seines berühmt-berüchtigten Verehrungszeichens: des Kniefalls.

Überglänzt hatte Edita Gruberova mit dieser erlesenen Strauss-Abteilung ihren knappen, aber nicht ungefährlichen (und nicht ungefährdeten) Abend. Denn nirgends ist ein Sänger so einsam, so sehr auf sich gestellt wie auf dem Liedpodium. Aber als sie zum Schluss, vor den Zugaben-Perlen, vom "Stern" sang, mit dem sie "von Ruh"" träumen will und, während "die andern sich deuten / Die Zukunft daraus", für sie "Vergangene Zeiten / . . . leuchten ins Haus", da war Zerbinetta ganz selbstverständlich zu Ariadne herangereift: mit allem Raffinement des vokalen Glanzes in Tonbildung, Fokussierung des Klangs, im Spannen elastischer, weiter Bögen, schmieg- und biegsam. Es herrschte, wenn man so will, ein herbstliches Glühen.

Seit je ist Edita Gruberova ein Bühnentier. Erst jüngst hatte sie in Zürich die neu studierte Rolle von Bellinis rätselhafter "Straniera" mit zwingender Präsenz erfüllt. Sie braucht die Szene (und wo sie fehlt, etwa in konzertanten Opernaufführungen, schafft sie sie sich selbst) und so sind natürlich auch jene Lieder, die für sich genommen kleine "Szenen" sind, die stärksten im Programm.

Neben Strauss, bei dem Gruberovas Sopran aufstrahlt, dessen lyrischen Empfindsamkeiten sie spürbar nahe ist ("Die Nacht", "Breit" über mein Haupt dein schwarzes Haar", "Glückes genug", "Einkehr"), waren es drei ausgewählte Lieder von Sergej Rachmaninow, darunter das schwungvolle "Frühlingslied", deren gewissermaßen frei strömender, plastisch artikulierter Vortrag für sicheren Effekt sorgte. Da kam Edita Gruberova letztlich auch das heimatliche slawische Idiom entgegen, das sie differenziert für die Gestaltung der Stimmungen nutzte.

Mit Würd" und Hoheit angetan: Wie in Haydns Oratorium "Die Schöpfung" Uriel den Menschen vorstellt, so trat Edita Gruberova auf: eine edle Erscheinung. Freilich blieb sie im klassischsten Bereich des Lieds, bei Franz Schubert, dem die Sopranistin den ersten Teil ihres Abends widmete, Essenzielles schuldig. Sie ist indessen klug genug, die Lieder so bedachtsam zu staffeln, dass sie sich zunächst eher im nicht zu ausufernden Tonumfang, im ruhig fließenden Legato bewegen. Da herrschte aber eine zu indifferente, zu zaghaft zurückhaltende Gestaltung, als dass sie Schubert"sche Tiefenschichten je hätte berühren können. Da fehlte also die entscheidende Dimension. Mit "Suleika II" und dem seltenen "Lied der Delphine" ging Edita Gruberova dann erstmals stärker aus sich heraus. Aber das sind ja schon wieder kleine "Szenen".

Bei Schubert war freilich auch der brav und ordentlich agierende Begleiter Alexander Schmalcz weit davon entfernt, mit notwendigen pianistischen Ideen zu irritieren. Das Podium gehörte so und so der Primadonna.

 
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