"Die schöne Magelone": Der Ritter und die Königstochter
Von Karl Harb | 20.08.2012 - 15:50

Romantik mit Michael Volle und Thomas Quasthoff. Bild: SN/FS/LIENBACHER
Die Romanzen, die Johannes Brahms zwischen 1861 und 1869 unter dem Titel "Die schöne Magelone" vertont hat, bilden einen raren Liederzyklus, der nicht oft in Konzertprogrammen aufscheint. Losgelöst von ihrer inhaltlichen Einbettung in einen romantischen Ritterroman von Ludwig Tieck entfalten sie ohnedies nur quasi fragmentierte Qualität. Will heißen: Nur innerhalb der ganzen Geschichte werden die nach dem Vorbild des "Wilhelm Meister" von Goethe eingeschobenen lyrischen Binnenerzählungen verständlich(er).
Insofern war es auch ein rarer Abend, als am Samstag im für solche eher intimen Veranstaltungen immer zu großen ehemaligen "Kleinen" Festspielhaus der Bariton Michael Volle, am Klavier begleitet von Helmut Deutsch, und Thomas Quasthoff zu ihrer besonderen "Märchenstunde" auftraten. Bekanntlich hatte Quasthoff vor Kurzem angekündigt, seine Sängerkarriere zu beenden, was denn auch die Umbesetzung dieses Festspielliederabends nötig machte. Die Tugend, die aus dieser Not entstand, konnte sich aber wirklich hören lassen. Denn so kam das Publikum eben in den Genuss eines Gesamtkunstwerks.
Als Rezitator, dem man die wohltönend angenehme, sonore Baritonstimme derart anmerkte, dass man glauben mochte, er sänge noch als Sprecher die Romanerzählung, griff Quasthoff auf eine Fassung von Brigitte Fassbaender zurück. Sie verbindet die von Brahms vertonten, in die Geschichte von Tieck integrierten Romanzen mit dem ritterlichen "Stationendrama" von Peter, der aus der Provence auszieht, um Abenteuer zu bestehen und die Liebe zu finden. In der tugendhaften, schönen Tochter des Königs von Neapel, Magelone, gewinnt er die Angebetete, verliert sie aber (wie sie ihn) wieder, was ihn aufs Meer und in die Welt hinaustreibt, ehe seine unverbrüchlich ritterliche Treue ihn doch nach vielen bunten Abenteuern in den Hafen der Ehe führt: "Treue Liebe dauert lange" heißt die Conclusio der letzten Romanze.
Bis dahin folgt das Publikum den rhetorischen und gesanglichen Wegen über gut zwei Stunden. Man lässt sich gern davon erzählen, zumal Quasthoff einen wunderbar natürlichen, unpathetischen Ton zwischen Sachlichkeit und leiser Ironie anschlägt und Michael Volle mit seinem hellen, beweglichen Bariton auch im Singen eine famose "Erzählhaltung" einnimmt. Als "Sänger" spielt er virtuos mit den Elementen des Rhapsodischen und Balladesken, und er kann sich da auch gestützt und getragen fühlen von der souveränen Klavierbegleitung.
Und so entstand ein literarisch-musikalischer Abend von romantischem Reiz, von den Zuhörern zu Recht herzlich bedankt.
Mitteilungen





KOMMENTARE (0)