Salzburger Festspiele

Die Rückkehr eines ganz Großen nach Salzburg

Von Derek Weber | 29.07.2012 - 15:41

Der Dirigent kam mit dem Mozart Orchestra Bologna für Mozart- und Schubert-Messen an seine ehemalige Wirkungsstätte.

Die Rückkehr eines ganz Großen nach Salzburg

Ankunft in Salzburg nach langer Abwesenheit: ein gut gelaunter Claudio Abbado. Bild: SN/Kolarik



Es gab eine Zeit, in der italienische Dirigent Claudio Abbado aus Salzburg nicht wegzudenken war. Von seinem Debüt im Jahr 1965 an bis zu seinen "Berliner" Jahren - und den Salzburger Osterfestspielen - war er immer da. Dann kam seine Krankheit, danach seine Wiederkehr in Luzern.

Nun ist die zehn Jahre lange Pause endlich auch für Salzburg zu Ende gegangen. Und wie bei seinem letzten Salzburger Konzert - mit dem von ihm gegründeten Gustav Mahler Jugendorchester - ist er jetzt auch mit einem Orchester angereist, das man man neben dem Luzerner Festival-Orchester das "Seine" nennen kann: dem Orchestra Mozart Bologna, einem wunderbaren kleinen Klangkörper, den Abbado als künstlerischer Leiter geformt hat und mit dem er vorführt, wie flexibel die Orchesterwelt geworden ist. Die Musiker spielen vibratolos bei Mozart und mit variablem Vibrato bei Franz Schubert. Und sie spielen ohne aufgesetzen Glanz und Glamour, ganz im Dienst ihrer Sache, der Musik, verwenden auch alte Instrumente und verfügen über eine Klangkultur, die sich bei den alteingeführten Orchestern erst langsam im Prozess der Generationenablöse durchzusetzen beginnt.

Das Mozart-Orchester ist jung. Das ist eines seiner Geheimnisse. Sein zweites heißt - Claudio Abbado. Selten hat man eine so perfekte Klangbalance zwischen Chor, Orchester und Gesangssolisten gehört, selten auch ein so schön aufeinander abgestimmtes, stimmlich austariertes Solistenensemble, aus dem eine Tenorstimme herausragt, die uns hoffentlich noch lang erhalten bleiben wird: Ein tenore di grazia, der das gesamte Belcanto-Fach samt Mozart abdeckt. Sein Name: Javier Camarena. Und dass er in Salzburg unter Abbado zu hören ist, mag im doppelten Sinn kein Zufall sein: Er gehört seit 2007 zum Ensemble der Zürcher Oper, das der neue Salzburger Festspielintendant aufgebaut hat.

Zu ihm gesellten sich (als zweiter Tenor bei Schubert) Paolo Fanale, der aus Pesaro und Wien bekannte Bassist Alex Esposito, die samtfarbene Altstimme von Sara Mingardo, die zwei Soprane Roberta Invernizzi und Rachel Harnisch und der Arnold Schoenberg Chor in unüberbietbarer Frische und mit einem noblen Piano.

Konnte man bei der "Waisenhaus-Messe" noch sagen: Ja, so könnte es vom Mozart der Lehrjahre gemeint gewesen sein, etwas schülerhaft noch, klassizistisch ausgewogen, ernst im Ton, durch die satzhafte Unterteilung der liturgischen Abschnitte fast ein wenig oratorienhaft, so kam bei Schuberts Es-Dur-Messe das Individuell-Gläubige mit eingängigen Melodien zu seinem Recht. Abbado aber, noch publikumsscheuer geworden, verbat sich schon zu Beginn den Wiederbegrüßungs-Jubel und unterband am Schluss die einsetzende rhythmische Klatscherei. Bescheidener geht’s nicht. Dafür muss man schon sehr groß sein.

 
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