Jedermann bei den Salzburger Festspielen

Seit schon mehr als 90 Jahren dringen jeden Sommer erneut die weltberühmten "Jedermann" Schreie durch Mark und Bein. Hugo von Hofmannsthals Spiel vom Sterben des Reichen Mannes zählt zu den absoluten Highlights der Salzburger Festspiele und daran teilzunehmen als Ehre in der Theaterwelt. Die Uraufführung fand am 22. August 1920 statt, bereits damals und bis heute auf dem Platz vor dem Salzburger Dom. Wohl kein anderer Ort wird der Monumentalität des Stückes gerecht wie dieser.
Was aber macht den Jedermann derart zeitlos? Handelt es sich bei diesem Stück doch um eine Holzhammerallegorie – subtil ist anders. Gott schickt Jedermann den Tod, um ihn an seine göttliche Macht und die Verpflichtungen des Menschen ihm gegenüber zu erinnern. Zuvor hatte Jedermann Geld über alles gestellt, jetzt erst, im Angesicht des Todes, erkennt Jedermann seine Schuld. Vergeblich bittet er seine Gefährten um Unterstützung und auch der Teufel ist sich seiner Seele schon sicher. Doch dann treten seine guten Taten in Gestalt einer alten, zerbrechlichen Frau auf und erinnern ihn an seinen – im Stück ebenfalls personifizierten – Glauben. Zu dritt schreiten sie dann zuversichtlich dem göttlichen Richterstuhl entgegen.
Es gibt keine versteckten Anspielungen, keine subtilen Metaphern. Aber vielleicht macht gerade das den Jedermann aus. Durch diese Direktheit wird er universell und löst sich damit von Epoche und Kultur. Das sieht man auch an der Geschichte des Dramas. Ursprünglich geht es auf alte englische Mysterienspiele aus dem 16. Jahrhundert zurück. Und man weiß nicht, ob das englische Wort „everyman“ vom Stück kommt, oder ob der Name des Stückes gar in den alltäglichen Sprachgebrauch übergegangen ist.
Fest steht jedenfalls, dass das Stück schon vor langer Zeit zum Selbstläufer geworden ist. Sogar relativ unabhängig von der oft überragenden Qualität ist es mittlerweile ein Erlebnis geworden, Hofmannsthals Drama in Salzburg zu sehen. Jahr für Jahr wieder werden die Massen kommen um die Schauspieler bei ihrer Interpretation des Stückes zusehen. Und immer wieder werden die Schreie durch Mark und Bein dringen – bei jedermann.
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