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Hinterhäuser: "Ich fühlte, dass ich es tun muss"

Der 54-jährige Markus Hinterhäuser wird ab 2017 die Salzburger Festspiele leiten. Er gilt als Hoffnung. Wie also geht es jetzt weiter?

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Hinterhäuser: "Ich fühlte, dass ich es tun muss"

Blick in die Festpiel-Zukunft: Markus Hinterhäuser. Bild: SN/andreas kolarik fotografie



SN: Herr Hinterhäuser, haben Sie Angst vor Ihrer neuen Aufgabe?

Hinterhäuser: Angst wäre wohl ein schlechter Ratgeber, und Zweifel wäre auch nicht gut, aber eine aufrichtige Befragung an sich selbst hilft schon, weil solch eine Position dermaßen öffentlich ist und man sich angreifbar macht.

SN: Wie wappnet man sich denn gegen mögliche Angriffe?

Hinterhäuser: Indem man überzeugt ist von dem, was man tut, und diese Überzeugung vertritt.

SN: Sie galten bei dieser Intendantensuche als Favorit, auch weil Sie trotz vieler Fürsprecher 2009 nicht zum Zug gekommen waren. War es für Sie klar, sich zu bewerben?

Hinterhäuser: Ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich es ein drittes Mal nicht noch einmal machen würde. Ich blicke nicht mit einem Gefühl von Bitterkeit auf 2009. Es gab eben eine Möglichkeit, sich jetzt wieder dafür zu interessieren, um das grässliche Wort "bewerben" zu vermeiden. Ich überlegte lang und hatte das Gefühl, dass ich es tun muss.

SN: Warum?

Hinterhäuser: Das hat viel mit dem zu tun, was ich in Salzburg und speziell mit den Festspielen erlebt habe, mit der Zeit, die ich hier verbracht habe. Es gibt eine wirklich enge Bindung zu dieser Stadt und zu den Festspielen.

SN: Geht es Ihnen nun darum, die Salzburger Festspiele zu erneuern?

Hinterhäuser: Es liegt mir fern, eine Beurteilung der letzten Jahre vorzunehmen. Seit etwa 1990 habe ich die Festspiele genau beobachtet und auch selbst mitgemacht. Sie haben per definitionem mit Kunst zu tun. Mein Auftrag ist ein künstlerischer.

SN: Wenn Sie von "Redimensionierung", etwa einer Reduktion der Kartenmenge, sprechen, fürchten die Vermieter doch gleich, dass Zimmer leer bleiben. Es gibt also auch andere Zwänge oder Parameter als die Kunst.

Hinterhäuser: Stimmt schon, aber in letzter Konsequenz dessen, was man als Entwurf oder Erzählung für ein solches Festspiel formuliert, ist es eine Auseinandersetzung mit künstlerischen Fragen, mit gesellschaftlichen Fragen, mit philosophischen Fragen. Dafür ein Gebäude mitzuerrichten und da mitzumachen, ist etwas, womit ich mich gern beschäftige.

SN: Die Salzburger Festspiele sind aber halt auch ein wirtschaftlicher Faktor.

Hinterhäuser: Ich bin 200-prozentig davon überzeugt, dass man sich mit den Fragen der Kunst zu beschäftigen hat, und dann stimmt auch die berühmte Umwegrentabilität. Alle Blickwinkel auf die Festspiele sind berechtigt. Aber in allererster Line wird es um Qualität gehen müssen. Wenn die Qualität erfüllt ist, wird sich das andere - wie immer schon - von selbst ergeben. Aber das Pferd von der anderen Seite aufzuzäumen und ausschließlich der Vorgabe zu folgen, dass die Salzburger Festspiele sich im touristischen und wirtschaftlichen Bereich erschöpfen, das reicht nicht.

SN: Die von Ihnen angesprochene "Redimensionierung" bezieht sich auch auf die Grenzen der inneren Struktur des Unternehmens. Was ist das Problem?

Hinterhäuser: Es geht um die Frage, wie viel dieses Biotop Salzburg verträgt. Die Salzburger Festspiele waren immer riesig, und da kann man fragen: Verträgt es das noch, ist das noch fassbar, auch weil es ja viele andere Kunstangebote gibt in der Stadt?

Und die andere Frage ist: Wie geht sich das riesige Angebot mit der inneren Struktur aus. Wie viel kann diese Struktur bewältigen?

SN: Wie werden Sie Ihre Programme in den nächsten Jahren denn vorbereiten?

Hinterhäuser: Alles, was möglicherweise in Salzburg stattfinden wird, entsteht ja nicht am Reißbrett. Das sind Ideen, mit denen man lebt und die ständig im Kopf sind. Es ist ein bisschen wie in der Zeit, als es noch keine digitalen Kameras gab.

SN: Wieso?

Hinterhäuser: Nun, da musste man die Filme zum Entwickeln bringen. Und dann legte man das Fotopapier in den Entwickler und langsam, langsam erscheint ein Bild, taucht eine konkrete Struktur auf. Und das Bild musste man dann auch noch in einen Fixierer geben, damit das Bestand hat. Dieses Bild finde ich nicht schlecht dafür, wie ich funktioniere. Ich denke schier unentwegt über diese Dinge nach, das gehört einfach zu meinem Leben.

SN: Denken Sie auch über eine Neuorganisation nach - etwa eine andere Zusammensetzung des Direktoriums?

Hinterhäuser: Eine solche große Unternehmung wie die Salzburger Festspiele müssen sich ständig selbst befragen. Für eine Änderung braucht es eine intelligente und tiefe Analyse. Das gilt für künstlerische Belange ebenso wie für die Struktur. Ich will diese Diskussion jetzt aber nicht forcieren, weil die Salzburger Festspiele in einer historischen Situation sind. Es gibt den amtierenden Intendanten, dann Sven Eric Bechtolf, der das 2015 und 2016 machen wird, und danach mich. Das ist delikat und auch psychologisch schwierig.

SN: Aber grundsätzlich sind Änderungen denkbar?

Hinterhäuser: Es sind auch bei den Festspielen nicht alle Dinge für die Ewigkeit festgeschrieben.

SN: Wie schwierig ist es, in einer wuchernden Landschaft aus Festivals und Kultureinrichtungen, Festspiele zu konzipieren, die unverwechselbar sind?

Hinterhäuser: Unbestritten ist, dass die Festspiele immer noch das ausstrahlungskräftigste und ein bestens ausgestattetes, produzierendes Festival sind. Aber es gibt auch Publikums- und Interessensbewegungen. Es wird nicht leichter, unverwechselbar zu sein. Es geht um Konsequenz und Mut. Es geht darum, im schönsten Sinn ein Risiko einzugehen, Haltung und Willen zu formulieren, damit Salzburg nicht bloß eine Aneinanderreihung von Veranstaltungen ist. Und Salzburg hat da einen unschätzbaren Vorteil: Es geht darum, eine Dialektik zu finden zwischen Intimität und Weltoffenheit. Diese zeitlich definierte Öffnung der Welt gegenüber dieser überschaubaren und intimen Situation der Stadt unterscheidet sich völlig von sogenannten Metropolenfestivals. Hier kann ein anderer Kontakt zum Publikum entstehen.

SN: Gehört es zu Ihrer Handschrift, ein Intendant zum Anfassen zu sein?

Hinterhäuser: Ich lebe hier seit vielen Jahren, und wüsste nicht, warum sich mein Leben ändern sollte, nur weil ich dann eine Position habe, die anders ist als die des Studenten Hinterhäuser oder des Zeitfluss-Machers. Diese Form von Ansprechbarkeit ist mir sehr recht. Wir machen hier außerordentliche Programmgebilde, es sind viele, viele Veranstaltungen und es kommen viele Leute, die sich dafür interessieren. Wir sind Gastgeber. Diese Gäste wollen nicht nur wahrgenommen werden, sondern es gut haben. Sie sind das Guthaben der Festspiele, ihnen soll mit Sympathie begegnet werden. Das ist mein Umgang mit Menschen - daran wird sich nichts ändern.

 
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