Salzburg | Salzburger Festspiele 

Kitsch aus St. Petersburg bei den Pfingstfestspielen

Am Samstagabend haben der Chor, das Orchester und das Ballett des St. Petersburger Mariinski-Theaters das Publikum im Großen Festspielhaus mit einem Stück Tanzgeschichte konfrontiert.

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Russisches Flair im Festspielhaus. Bild: SN/festspiele/natasha razina

Russisches Flair im Festspielhaus.

Bild: SN/festspiele/natasha razina

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Russisches Flair im Festspielhaus.

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Russisches Flair im Festspielhaus. Bild: SN/festspiele/natasha razina

Russisches Flair im Festspielhaus.

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Russisches Flair im Festspielhaus. Bild: SN/festspiele/natasha razina

Russisches Flair im Festspielhaus.

Bild: SN/festspiele/natasha razina


Neugierig war man da schon. Drei der großen Ballette von Igor Strawinsky an einem Abend nicht nur - wie üblich - konzertant, sondern getanzt. Und das in den Original-Choreografien der Uraufführungen der Jahre 1910, 1913 und 1923. Am Samstagabend haben der Chor, das Orchester und das Ballett des St. Petersburger Mariinski-Theaters das Publikum im Großen Festspielhaus mit einem Stück Tanzgeschichte konfrontiert. Jubel für Kraft und Kitsch im Original bei den Salzburger Pfingstfestspielen.

Wer sich atemberaubende Virtuosität oder disziplinierte Synchronität der bis zu 52 Tänzer großen Tanztruppe des geschichtsträchtigen Mariinski-Balletts erwartet hatte, wurde enttäuscht. Die großformatig inszenierten Tänze funktionieren auf der Bühne des Festspielhauses vor allem durch schiere Größe und Masse. Im Detail wirkt vieles schludrig und ungenau, aber man sieht es gerne, dieses gewaltige Menschen-Gewusel im historischen Design auf der Breitwandbühne des Großen Festspielhauses.

"Les Noces" (die Hochzeitsfeier, Übers.) aus dem Jahr 1923 wirkte wie eine real-kommunistische Arbeiteridylle. Choreografin Bronislava Nijinska hat ihre Tänzer in braune Einheitskostüme gesteckt mit diesem Stück für Chor, Orchester und vier Gesangssolisten eher das Gefühl von kollektiver (Unter-)Ordnung erzeugt, als Sinnlichkeit und Poesie. Erdig und zeitlos-kraftvoll hingegen kam "Le Sacre du Printemps" von Vaslav Nijinski über die 30-Meter-Rampe. Auch exakt hundert Jahre nach der Uraufführung überzeugte diese Choreografie mit ihrer gestampften Wucht und archaischen Klarheit. Dirigent und Mariinski-Chef Valery Gergiey half den Tänzern mit langsamen, auf rhythmische Transparenz fokussierten Tempi. Die Musiker holten viele der in der konzertanten Tempobolzerei sonst häufig verwischten Klangfarben aus der Partitur und trugen ihren Teil bei zu einer mitreißenden Begegnung mit "skandalöser" Avantgarde des Jahres 1913.

Nur noch kitschig - und noch schlimmer - langatmig wirkte dann "L'Oisseau de feu" ("Der Feuervogel") aus dem Jahr 1910. Zauberwald, bunte Märchenkulisse, ein Tutu in rot, ein Held mit Pfeil und Bogen, lächerliche Fransenkostüme und haufenweise äußerst reine Jungfrauen auf Spitze machten schmunzeln ohne zu verzaubern. Diese Michel Fokine-Choreografie ist wie Poesie mit dem Holzhammer, ein Klischee von einem Tanz. Aber trotzdem, ein guter Abend. Interessant und zum Teil auch bewegend, diesen Aspekt der Tanzgeschichte einmal gesehen zu haben - das Wort "einmal" sei hier ausdrücklich betont.

 
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