Kraftwerk an Salzach soll Eintiefung beenden
Von Sn, Apa | Aktualisiert vor 119 Tagen

So könnte die Kraftwerksvariante bei Anthering aussehen. Bild: SN/ÖBK
Dieser Vorschlag kommt von der Österreichisch-Bayerische-Kraftwerke AG (ÖBK). Die Vorstände des Unternehmens, Johann Strobel und Herfried Harreiter, stellten am Mittwoch ihr Konzept bei einem Pressegespräch vor.
Man könne durch ein Flusskraftwerk im Freilassinger Becken die Salzach sanieren und gleichzeitig Energie gewinnen, betonte Harreiter, technischer Geschäftsführer der ÖBK. Der Haken dabei: Die Aulandschaft der Salzach ist in diesem Bereich Natura-2000-Gebiet und steht damit unter strengem Schutz. Deshalb plant die ÖBK kein herkömmliches Kraftwerk mit Wehrfeldern, sondern eine innovative Anlage mit acht beweglichen Energieerzeugungsmodulen, die je nach Bedarf angehoben oder abgesenkt werden können. "Wir können dadurch das Hochwasser abführen und das Geschiebe durchlassen", sagte Harreiter. Auch der Fischaufstieg sei gewährleistet. Die beweglichen Module werden vom Wasser über- und unterspült und schwimmen zwischen Stützscheiben im Fluss. Die Anlage würde die Fließgeschwindigkeit der Salzach so abbremsen, dass es zu keiner weiteren Eintiefung mehr käme.
Das Kraftwerk, das eine Fallhöhe von sechs Metern vorsieht, würde im Wesentlichen mit der Flussbreite auskommen und keine zusätzlichen Bauten in den Salzach-Auen benötigen. "Wir beschränken uns auf das Bett der Salzach", kündigte Harreiter an. Deshalb sind die Kraftwerksplaner zuversichtlich, dass das Projekt mit dem Naturschutz vereinbar ist. Der Auwald würde nicht beeinträchtigt, sondern durch eine mit dem Kraftwerk einhergehende Anhebung des Grundwasserspiegels sogar profitieren, argumentierte der kaufmännische Geschäftsführer Strobel. Die Salzacheintiefung bzw. der drohende Sohledurchbruch bewirken unter anderem ein Absinken des Grundwassers und damit ein Austrocknen der Au.
Die Anlage an der unteren Salzach könnte rund 90 GWh Strom pro Jahr erzeugen. Der Strom würde je zur Hälfte an Österreich und Bayern gehen. Die ÖBK ist eine gemeinsame Tochter der österreichischen Verbund AG und der deutschen E.ON Wasserkraft, die am Inn schon mehrere Anlagen betreibt. Ein Staatsvertrag zwischen Österreich und Bayern regelt die gemeinsame Nutzung der Grenzflüsse. Das Kraftwerk bei Anthering müsste in beiden Ländern die Behördenverfahren durchlaufen. Über die Kosten und den Zeitplan für das Kraftwerk hüllten sich die beiden Vorstände in Schweigen. Dafür sei es noch zu früh, man habe nur ein Konzept, aber noch kein konkretes Projekt. Eines jedenfalls sei sichergestellt: Dass die Anlage wirtschaftlich rentabel wäre.
Keine Freude mit den Ideen hat der Österreichische Naturschutzbund: Es handle sich beim geplanten Standort um eine der wenigen naturnahen Fließstrecken der Salzach. Es müsse auf weitere Kraftwerke an der Salzach verzichtet werden, forderte Hans Kutil, Vorsitzender des Salzburger Naturschutzbundes. Man sollte an einer Sanierung und Aufweitung der unteren Salzach ohne Kraftwerke festhalten.
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