Salzburg | Wirtschaft 

Bosch muss in Hallein fast 200 Arbeitsplätze abbauen

Von Karin Zauner | 25.07.2013 - 14:06

Bis zu 90 Stamm-Mitarbeiter und rund 100 Leiharbeiter müssen Bosch in Hallein verlassen. Verbleibenden Mitarbeitern werden Löhne und Gehälter gekürzt. Der Konzern hält dennoch am Standort fest.

Bosch muss in Hallein fast 200 Arbeitsplätze abbauen

Rund zehn Prozent der Jobs bei Bosch in Hallein gehen verloren. Bild: SN/sn



Eine schlechte Nachricht aus der Wirtschaft jagt derzeit die nächste. Am Mittwoch, knapp vor den Werksferien, fanden am Bosch-Standort Hallein Betriebsversammlungen statt, in denen den rund 1000 Stamm-Mitarbeitern mitgeteilt wurde, dass es künftig bis zu 90 Jobs weniger beim Stammpersonal geben werde, und rund 100 Leiharbeiter bis Ende des Jahres ihre Arbeit bei Bosch verlieren würden. Der Grund: Das Großdiesel-Geschäft wächst nicht in dem Ausmaß, das man erwartet hatte.

"Um Schlimmeres zu verhindern", wie Großdiesel-Chef Jan-Oliver Röhrl sagt, wird in Hallein das Produkt Denoxtronic zur Abgasnachbehandlung nicht wie geplant 2014, sondern erst Ende 2016 von Hallein abgezogen. Auch damit zeige der Stuttgarter Konzern sein klares Bekenntnis zum Standort Hallein, sagt Röhrl, der erst heuer den Job als weltweiter Chef des Geschäftsfelds Großdiesel mit dem Leitwerk in Hallein angetreten hat.

Betriebsrat Erwin Hillinger erklärt, dass ein Großteil dieser 90 Stamm-Mitarbeiter bereits weg sei. Die Arbeitsverhältnisse seien einvernehmlich gelöst worden, Bosch habe freiwillige Abfertigungen bezahlt. "Überrascht war am Mittwoch niemand mehr, die Mitarbeiter bei den Betriebsversammlungen wirkten gefasst." Und das, obwohl auch den verbleibenden Mitarbeitern Lohn- oder Gehaltseinbußen abverlangt werden.

Hillinger spricht von vier Prozent Einbußen, aber nur temporär. Soll heißen: Sollte es wieder besser laufen, sollen die Mitarbeiter das Geld wieder zurückbekommen. Details müssen aber erst ausverhandelt werden, denn es ist noch nicht klar, wie die vier Prozent bei Löhnen und Gehältern konkret eingespart werden, etwa bei den Verhandlungsergebnissen zum Kollektivvertrag oder bei freiwilligen Sozialleistungen. Damit finanzieren die Bosch-Mitarbeiter einschließlich der Geschäftsführung teilweise die Verzögerung der Abwanderung von Denoxtronic selbst mit.

Als es im Mai 2011 geheißen hatte, Bosch in Hallein werde umstrukturiert und sich in Zukunft auf Dieseleinspritzsysteme für Großdieselmotoren konzentrieren, wurde gesagt, keine Jobs gingen verloren. Denn man ging damals von einer Verdoppelung des Umsatzes in den nächsten fünf bis sechs Jahren aus. Großdieselmotoren finden sich etwa in Loks oder Schiffen.

Zwei Jahre später schaut die Welt anders aus. "Wir gehen nach wie vor von einem Wachstum beim Großdiesel aus, nur dieses Wachstum verlangsamt sich", sagt Röhrl. Das liege an der allgemeinen Konjunkturlage, die vor allem die Absatzmärkte in Europa betreffe. Die großen Kunden für Transport und Verkehr sind in Italien und Frankreich, in diesen Ländern wirkt sich die Wirtschaftskrise besonders stark aus. Der chinesische Markt wächst zwar noch, aber auch schwächer.

Und es fehlen laut Röhrl die Marktförderungselemente wie Verschärfungen bei Abgasregelungen. Bosch hatte auf strengere Abgasregelungen ab 2016 gehofft, weil die neue Einspritztechnologie aus Hallein den Motoren mehr Leistung bei weniger Verbrauch und Ausstoß verschafft. Da sich aber einige Länder quergelegt hatte kommen neue Normen erst 2021. "Damit fehlt der Anreiz für Investitionen", erklärt Röhrl. Nun werde man bei den Kunden stärker das Thema Einsparungen beim Kraftstoff forcieren. Denn bei Schiffen kann die Bosch-Technologie auf die Lebenszeit eines Tankers gerechnet immerhin 80 Prozent der Gesamtbetriebskosten einsparen.

Betriebsrat Hillinger, der auch im europäischen Betriebsrat von Bosch vertreten ist, meint trotz der aktuellen Entwicklung, dass der Technologieriese Bosch am Standort Hallein festhält. Dazu passt auch, dass Bosch laut Röhrl weiter hier investieren will.

In den vergangenen Jahren war das Betriebsklima in Hallein immer schlechter geworden. "Das lag am Umgang mit den Mitarbeitern, wir sind am Aufarbeiten der alten Dinge", sagt Hillinger. Und er gesteht dem neuen Chef Röhrl zu, dass er in puncto Führung einen guten Start hingelegt habe, man höre nun auch die Mitarbeiter und nehme sie zur Kenntnis.

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