240 Arbeiter bei Liebherr in Kurzarbeit
Von Martin Arbeiter | 15.09.2012 - 10:37
Die Konjunkturkrise hat das Liebherr-Werk in Bischofshofen erreicht. Der Auftragseingang bei Radladern ist um 20 bis 30 Prozent eingebrochen - und eine Trendwende ist nicht in Sicht.
Um die Kapazitäten anzupassen, setzt das Unternehmen mit 940 Mitarbeitern wieder auf Kurzarbeit. Ab 1. November sollen 240 Arbeiter vier statt fünf Tage pro Woche arbeiten. Die Maßnahme ist vorerst bis 31. Juli 2013 angesetzt. Schon einmal hat Liebherr in Bischofshofen auf Kurzarbeit gesetzt - in der Wirtschaftskrise von Ende 2008 bis Anfang 2010. Damals wie heute lautete das Ziel: "Wir wollen die Stammbelegschaft auf jeden Fall halten."
"Nach einem guten Geschäftsverlauf in den vergangenen Jahren hat sich die Auftragslage im zweiten Quartal kontinuierlich verschlechtert. Die Prognosen lassen erwarten, dass diese wirtschaftliche Abkühlung bis 2013 anhalten wird", sagt Geschäftsführer Manfred Santner. Bislang habe das Unternehmen die Entwicklung durch das Aufbrauchen der Zeitpolster und den Abbau von Leiharbeitern auffangen können. Zu Jahresbeginn waren bei Liebherr noch bis zu 100 Leiharbeitskräfte beschäftigt - ihre Verträge wurden nicht verlängert.
Der Firmeneigentümer sowie die Personalvertreter haben sich auf das Modell der Kurzarbeit geeinigt. Noch steht die Zustimmung von Arbeitsmarktservice (AMS) sowie den Sozialpartnern aus. Das Modell sieht während der Kurzarbeit Gehaltseinbußen von bis zu zehn Prozent des Bruttoeinkommens vor. Bei unterhaltspflichtigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern federt das Unternehmen die Verluste ab.
Die Investitionsgüterbranche ist regelmäßig mit großen Schwankungen bei den Aufträgen konfrontiert. "Im Vorjahr hat es einen Investitionshype gegeben. Jetzt gehen die Bestellungen spürbar zurück. Das ist in unserem Bereich aber nicht untypisch." Ersatzinvestitionen finden immer statt. Bei der Entscheidung, ob und wann ein zusätzlicher Radlader gekauft wird, spielt Psychologie eine große Rolle. Der Unternehmer trifft die Entscheidung nach den Erwartungen in die wirtschaftliche Zukunft - und diese ist im gesättigten Markt in Europa derzeit nicht allzu rosig.
Liebherr in Bischofshofen hat im Vorjahr einen Umsatz von 411 Mill. Euro erwirtschaftet. Heuer liegen die Erwartungen bei 370 Mill. Euro. Zwei Drittel des Umsatzes entfallen auf die Produktion von Radladern. Der Rest stammt aus dem Handel mit Liebherr-Baumaschinen in ganz Österreich.
Für die zweite Hälfte 2013 erwartet Liebherr, dass diverse finanz- und wirtschaftspolitische Maßnahmen in Europa wirksam werden. Insbesondere die Umsetzung bereits vergabefähiger Infrastrukturprojekte soll die Investitionsbereitschaft der Wirtschaft ankurbeln.
Neue Märkte für Radlader zu erobern gestaltet sich schwierig. "Die Produktionskapazitäten, die wir hier in Bischofshofen haben, passen für die westliche Hemisphäre. In den Schwellenländern sind einfachere und billigere Geräte gefragt. Das ist für uns in Bischofshofen keine Alternative." Liebherr will sich aber bemühen, "zukunftsträchtige Nischenmarktlösungen" in das Sortiment aufzunehmen, um die Auslastung 2013 zu erhöhen.
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