Video: WM keine "g’mahte Wies’n" für Patschg
Von Gerhard Öhlinger | Aktualisiert vor 101 Tagen
Man müsste die Kraft, die Bernhard Patschg in seine Stockschüsse steckt, in Energie umwandeln können. Er würde wohl locker den Strom für ein paar Haushalte produzieren können. Oder zumindest etwas Wärme, damit es an seiner Trainingsstätte nicht gar so kalt ist.
Der Dominator der Szene im Eisstock-Weitschießen übt auf einer überdachten Asphaltfläche in einem sehr schattigen Eck am Rand der St. Johanner Kaserne. Wer dem 30-Jährigen gegenübersteht, dem fällt zuerst der Begriff "Naturgewalt" ein. Ein Oberkörper wie ein Schrank, dazu furchteinflößende Oberarme.
Seit Bernhard Patschg als 16-Jähriger zum Weitschießen kam, kämpfen die Konkurrenten hauptsächlich um zweite Plätze. Er zählt auf: "Bei drei Weltmeisterschaften war ich dabei, die habe ich alle gewonnen. Europameistertitel waren es fünf, und bei Staatsmeisterschaften habe ich jetzt die 20 voll."
Mitte März steht wieder eine Weltmeisterschaft an, diesmal in Waldkraiburg in Bayern. Dann will Patschg die Früchte seiner harten Arbeit ernten: "Darauf trainiere ich jetzt seit eineinhalb Jahren hin, fast jeden Tag, beinahe ohne eine Pause."
Tagsüber ist der Maurer meistens auf Baustellen im Einsatz. Gelegenheit, die Muskeln sozusagen im Vorbeigehen zu stählen? "Zementsackeln haben ja nur noch 25 Kilo", scherzt er. Das Training findet abends in der Kraftkammer statt, dafür aber so richtig: "Mit Hobbysport hat das nicht mehr viel zu tun. Viele schwere Gewichte, und das für den ganzen Körper. Es geht um Maximalkraft", erklärt der Athlet. Ein Kollege habe einmal versucht, sein Pensum mitzumachen: "Der hat danach eine Woche Krankenstand gebraucht."
Patschg hingegen fühlt sich für die WM optimal vorbereitet: "Körperlich bin ich noch nie so in Form gewesen wie jetzt", sagt er. Schlechte Aussichten also für die Konkurrenz auch diesmal. Der Pongauer will davon aber nichts hören, zumal bei einem Freiluftsport auch die Launen der Natur eine Rolle spielen können: "Eine g’mahte Wies’n gibts nicht. Es reicht, dass die Bahnverhältnisse bei einem anderen ein bissl besser sind, wenn er gerade seinen besten Schuss rauslässt."
Ob es auch bei der nächsten WM wieder "Alle gegen Patschg" heißt, lässt der Seriensieger offen. Der Wechsel von Vierjahresabstand zu zwei Jahren bei den Titelkämpfen spielt da mit. "In zwei Jahren gäbe es in Innsbruck eine Heim-WM. Wenn Verletzungen ausbleiben, wäre das natürlich schon noch mal was." Bis ins hohe Alter werde er jedenfalls nicht schießen: "An Deppen runterhaun’ werd’ ich mir sicher nicht. Wenn ich keine Chance mehr habe, höre ich auf."
Er sei "extrem ehrgeizig", dazu steht Bernhard Patschg. "Ohne das kommen im Sport keine Superleistungen heraus. Wenn ichs mach’, dann mach ich’s gscheit. Deshalb trainiere ich auf Biegen und Brechen. Und Schmerzen gehören eben auch dazu."
Den Lohn dafür gibt es für einen "Randsport-Weltmeister" zwar nicht finanziell, dafür aber beim Feiern: "Der Fanclub ist bei den Großereignissen immer dabei. Da trink’ ich nachher auch ein paar Bier. Wenn ich mir nie was vergönnen täte, wäre ich doch ein Depp."
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