Salzburg | SV Scholz Grödig

Grödig-Spieler Taboga erpresst: Sanel Kuljic bleibt in Haft

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Neue Entwicklungen im Manipulationsskandal rund um Dominique Taboga vom SV Grödig: Ex-Teamkicker Sanel Kuljic bleibt in Haft, ein Verdächtiger wurde freigelassen. Ermittelt wird wegen schwerer Erpressung.

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Dominique Taboga hat im vermeintlichen Erpressungs- und Manipulationsskandal seine ursprüngliche Aussage relativiert.  Bild: SN/gepa

Dominique Taboga hat im vermeintlichen Erpressungs- und Manipulationsskandal seine ursprüngliche Aussage relativiert.

Bild: SN/gepa

In einem Pressegespräch informierten am Mittwoch der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher. Bild: SN/ROBERT RATZER

In einem Pressegespräch informierten am Mittwoch der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher.

Bild: SN/ROBERT RATZER

Sanel Kuljic bleibt weiter in Haft. Bild: SN/EPA

Sanel Kuljic bleibt weiter in Haft.

Bild: SN/EPA

In einem Pressegespräch informierten am Mittwoch der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher. Bild: SN/ROBERT RATZER

In einem Pressegespräch informierten am Mittwoch der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher.

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In einem Pressegespräch informierten am Mittwoch der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher. Bild: SN/ROBERT RATZER

In einem Pressegespräch informierten am Mittwoch der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher.

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In einem Pressegespräch informierten am Mittwoch der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher. Bild: SN/ROBERT RATZER

In einem Pressegespräch informierten am Mittwoch der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, und der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher.

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>>> Grödig nimmt in einer Pressekonferenz zur möglichen Erpressung Stellung.

Im mutmaßlichen Erpressungs-Skandal um den SV-Grödig-Spieler Dominique Taboga informierte am Mittwoch die Polizei über den Stand der Ermittlungen. "Wir ermitteln aktuell wegen schwerer Erpressung, nicht wegen Spielmanipulation", erklärte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher. "Zwei der drei Verdächtigen sind noch in Haft. Die dritte Person war ein Mitläufer, es gibt keine Haftgründe mehr." Taboga soll erpresst worden sein, Spiele zu manipulieren. Als er sich weigerte, wurde er nach eigener Aussage bedroht und zahlte deshalb Geld an seine Erpresser. Der stellvertretende Leiter des Landeskriminalamtes Salzburg, Karl-Heinz Pracher, erzählte mehr über den Hergang: "Es hat mehrere Geldübergaben gegeben, teilweise auch am Postweg."

Polizei wurde am Montag informiert

Taboga sei am Montag mit seinem Manager zur Salzburger Polizei gegangen und habe mitgeteilt, dass es am Dienstag zu einer weiteren Geldübergabe kommen solle. Die Übergabe am Dienstag auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in Anif platzte. Drei Verdächtige, darunter Ex-Teamspieler Sanel Kuljic, wurden festgenommen.

Die Verdächtigen und das Opfer sollen am Dienstag mehrere Stunden lang einvernommen worden sein. Bislang gebe es kein Geständnis der mutmaßlichen Erpresser. "Sie behaupten, dass Taboga Schulden aus früheren Zeiten hat." Der Grödig-Verteidiger habe dies bereits eingeräumt. Woher die Schulden kommen und wie hoch sie sind, ist allerdings noch unklar. Warum Taboga erst jetzt die Polizei eingeschalten hat? "Das Limit war erreicht", sagte Pracher.

Wurde Taboga mit Schusswaffe bedroht?

Nach Angaben von Taboga soll es zu keiner Spielmanipulation gekommen sein. "Er hat sich geweigert, dann kam es zu den Erpressungen", schildert Pracher die Sichtweise des Opfers. "Im Moment sieht es so aus, als wäre das Ganze eine persönliche Angelegenheit zwischen Taboga und Kuljic." Die beiden Profis hatten im Frühjahr 2012 zusammen ein halbes Jahr in der höchsten Spielklasse für Kapfenberg gespielt.

Taboga, Profi beim Bundesligisten SV Grödig, hatte in seiner zweiten Vernehmung am Dienstag seine Aussage relativiert. Er habe insgesamt nicht über 70.000 Euro an seine Erpresser ausgehändigt, sondern "einen Betrag etwas unter 30.000 Euro", erklärte Neher. Der von dem Bundesliga-Spieler genannte Erpressungsbetrag liegt nun weit unter der bisher angegebenen Summe. Zudem habe Taboga erst angegeben, mit einer Schusswaffe bedroht worden zu sein. Später wollte er das nicht mehr bestätigen. Kuljic habe Taboga jedoch gedroht, seiner Familie etwas anzutun.

Sanel Kuljic weiter in Haft

Bei der Person, die mittlerweile wieder auf freien Fuß gesetzt worden ist, soll es sich um Zelinhan S. handeln. Die zwei anderen, Ex-Teamspieler Sanel Kuljic sowie Sulim D., befinden sich noch in Polizeigewahrsam. Für diese beiden Personen sei nun eine Überstellung in die Justizanstalt Salzburg angeordnet worden, erklärte Neher.

Sobald die Festgenommenen in der Justizanstalt eingetroffen sind, stellt die Staatsanwaltschaft im Regelfall bei Gericht einen Antrag auf Untersuchungshaft. Sanel Kuljic und Sulim D. haben sich zum Vorwurf der Erpressung bisher offenbar nicht geständig gezeigt.

Heimische Kicker-Welt unter Schock

Indes ist in der rot-weiß-roten Fußballwelt die Bestürzung ob der Ereignisse groß. Grödig-Sportchef Christian Haas zeigte sich schockiert, ÖFB-Präsident Leo Windtner forderte eine rasche Aufklärung der Vorfälle: "Allfällige Vergehen müssen hart bestraft werden." Bundesliga-Präsident Hans Rinner versprach: "Sollten Verfehlungen begangen worden sein, werden die zuständigen Verbandsgremien umgehend entsprechende Verfahren einleiten. Überdies werden wir die Behörden bei ihren Ermittlungstätigkeiten vorbehaltlos unterstützen, um die Integrität unseres Sports zu bewahren."

Teamkapitän Fuchs: "Schadet dem Fußball"

Der "Fall Taboga" hat natürlich auch im Teamcamp der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft in Spanien für Aufsehen gesorgt. Öffentlich äußern wollte sich aus dem ÖFB-Lager zwar kaum jemand, Teamkapitän Christian Fuchs gab aber ein kurzes Statement zum Skandal in der Heimat ab: "Natürlich ist das eine Sache, die dem Fußball allgemein schadet. Aber das ist nicht eine Angelegenheit für uns als Nationalteam, da sind andere Leute gefragt."

Vom aktuellen ÖFB-Aufgebot haben neben Fuchs auch einige weitere Kicker wie Andreas Ivanschitz, Christoph Leitgeb, György Garics, Veli Kavlak oder Martin Harnik gemeinsam mit dem verhafteten Sanel Kuljic fürs Nationalteam gespielt. Auch Superstar David Alaba kennt Kuljic aus seiner gemeinsamen Zeit bei der Austria sehr gut. "Man kann in einen Menschen nicht reinschauen. Aber es gilt ja nach wie vor die Unschuldsvermutung, wir halten uns da raus", meinte Fuchs.

"Die Spitze des Eisbergs"

Für den tipp3-Vorstandsvorsitzenden Philip Newald seien die Skandale natürlich pures Gift, im Fußball könnte eine ähnliche Entwicklung wie jene im von Dopingskandalen erschütterten Radsport drohen. "Wenn der Fan das Gefühl hat, dass das da auf dem Rasen eh alles geschoben ist, dann wendet er sich ab. Die Gefahr, dass jedes knappe Abseits, jedes Eigentor oder jeder Elferpfiff in ein schiefes Licht rückt, ist riesig groß", gab Newald zu bedenken. Auch mögliche Engagements von potenziellen Werbepartnern und Sponsoren im Fußballbereich könnten dadurch platzen. Die Vermutung, dass der "Fall Taboga" nur die Spitze des Eisbergs ist, befindet Newald zwar als "überspitzt". "Aber es ist ein Fall von besonders extremer Ausprägung. Und es ist davon auszugehen, dass es in Europa und weltweit zahlreiche Manipulationen gibt. Und Österreich ist ganz sicher nicht die Insel der Seligen. Die Bedrohung ist massiv und dieser müssen wir uns stellen."

Wettmarkt in Asien als größtes Problem

Der völlig außer Kontrolle geratene Wettmarkt in Asien ist für den tipp3-Vorstandsvorsitzenden Philip Newald nach wie vor die Wurzel des Übels im Fußballgeschäft. Auch im aktuellen Fall rund um Ex-Teamkicker Sanel Kuljic und SV-Grödig-Spieler Dominique Taboga sei davon auszugehen, dass die betroffenen Wetten bei Buchmachern im asiatischen Raum abgewickelt worden sind.

"Wenn dort 100.000 Euro auf ein Spiel wie Kapfenberg gegen Grödig gesetzt werden, dann fällt das angesichts der dortigen Umsätze nicht einmal auf. Da ist der Handlungsbedarf besonders groß", meinte Newald im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. In Österreich sind solche Wetten bei den offiziellen Buchmachern aufgrund von strikten Einsatz- und Gewinnlimits nicht möglich.

 
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