Chaostage bei Red Bull: Leonardo flog aus Kader
Von Christian Sprenger | 21.06.2012 - 10:42

Leonardo soll sich mit Co-Trainer angelegt haben. Bild: SN/apa (krug)
Trainingsbeginn für alle: 9.30 Uhr. Geplantes Trainingsende für alle: kurz vor 12 Uhr. So sah der Ablauf der Vormittagsübungseinheiten bei Fußballmeister Red Bull Salzburg am Dienstag aus.
Ein Mann machte - die SN berichteten - bereits um 10.45 Uhr Schluss. Es war der brasilianische Offensivspieler Leonardo. Der 29-Jährige musste das Training aber nicht wegen einer Verletzung oder Ähnlichem abbrechen, wie am Mittwoch durchsickerte. Co-Trainer Piet Hamberg hatte Leonardo aus disziplinären Gründen in die Kabine geschickt.
Der Grund wurde den SN so dargestellt: Die Profis waren in zwei Gruppen aufgeteilt, die eine übte mit Co-Trainer Niko Kovac. Die andere (zu der Leonardo gehörte) mit Hamberg. Dabei legte sich Leonardo verbal mit Hamberg an, Stefan Maierhofer ging dazwischen, ein Wort ergab das andere. Zuletzt soll ein Trainingszuschauer beschimpft worden sein. Hamberg verhinderte eine weitere Eskalation, indem er Leonardo wegschickte.
Am Mittwoch herrschte Ruhe, es war trainingsfrei. Heute, Donnerstag (9.30 Uhr; 15.30), wird zwei Mal trainiert - ohne Leonardo. Er ist vorläufig suspendiert.
Leonardo de Vitor Santiago gilt als hochbegabter Offensivspieler, wenngleich als wenig gefestigte Persönlichkeit. Immerhin: Bereits als Zwölfjähriger kam er aus Rio de Janeiro nach Europa (Feyenoord Rotterdam).
Noch kein Cheftrainer
In Salzburg machte er auch mit abfälligen Gesten gegenüber Teamkollegen während Ligaspielen von sich reden. Sein Heil suchte er lieber in Sololäufen anstatt abzuspielen. Seit dem Rücktritt von Trainer Ricardo Moniz in der Vorwoche hat Leonardo kaum mehr Fürsprecher im Verein.Für Red Bull Salzburg ist das Theater um Leonardo in der aktuellen Situation notwendig wie ein Kropf. Hinter den Kulissen wird unter Einflussnahme der Konzernvorstände in Fuschl um eine Trainerlösung gerungen - noch ohne Ergebnis. Und mehr als eine Woche nach dem Abgang von Moniz gab es von der öffentlich dröhnend schweigenden Clubspitze schon gar kein Bekenntnis zu den einstigen Moniz-Assistenten Hamberg bzw. Kovac.
Dieses Duo wird somit bis auf Weiteres den Kader auf den Saisonstart vorbereiten. Am Samstag (18 Uhr) steht in Mondsee gegen Union Mondsee das erste Testspiel auf dem Programm. Am Montag rückt die Mannschaft in Leogang zum Trainingslager an.
In weniger als einem Monat muss Red Bull Salzburg sein erstes Pflichtspiel absolvieren: Von 13. bis 15. Juli wird die erste Runde im ÖFB-Cup ausgetragen, am 17./18. Juli erfolgt die erste Qualifikationsrunde zur Champions League. Und am 21./22. Juli beginnt die Fußballbundesliga. Salzburg trifft dabei zum Auftakt auswärts auf Sturm Graz, wo seit wenigen Wochen Ex-Red-Bull-Juniors-Trainer Peter Hyballa im Amt ist.
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