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Wer ersetzt Paulus und Rathgeber? 37 Bewerber für Job

Von Christian Resch | 27.07.2013 - 09:19

350 Millionen Euro Verlust, Chaos in der Buchhaltung und eine Abteilung in Auflösung: Wer will gerne Finanzdirektor werden? Offenbar einige - 32 Männer und fünf Frauen bewarben sich.

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Wer folgt Monika Rathgeber . . . Bild: SN/robert ratzer

Wer folgt Monika Rathgeber . . .

Bild: SN/robert ratzer

. . . und Eduard Paulus nach? Bild: SN/robert ratzer

. . . und Eduard Paulus nach?

Bild: SN/robert ratzer


Am Dienstag war sie aus, die zugebilligte Frist. Bis dahin konnten sich jene melden, welche sich für einen der härtesten und arbeitsreichsten Jobs im Land Salzburg interessieren: Jenen des Chefs der Finanzabteilung im Amt der Landesregierung.

Momentan liegt der Posten in Händen eines herbeigeholten Experten: Clemens Mungenast wurde aus dem Finanzministerium in Wien "ausgeborgt", im Herbst endet sein Vertrag. Der letzte "richtige" Finanzdirektor war Eduard Paulus, unfreiwillig berühmt geworden durch den Salzburger Finanzskandal und mittlerweile in den Ruhestand versetzt.

Nun teilt das Personalressort der Landesregierung offiziell mit: 32 Männer und fünf Frauen haben sich beworben. Sie kommen aus Salzburg, aber auch aus Wien und München. Ob aus der Landesverwaltung selbst Bewerbungen eingetroffen sind, wird geheim gehalten - um "keine Unruhe im Amt zu verursachen", wie es im Büro des zuständigen Landesrats Josef Schwaiger (ÖVP) heißt.

Herr über zweieinhalb Milliarden Euro

Die Herausforderung ist freilich groß: Zweieinhalb Milliarden Euro groß ist das Landesbudget, das es zu verwalten gilt. Hinzu kommt: Es gibt keinen Leiter des Budgetreferats, der stellvertretende Abteilungschef wechselt demnächst zum Landesverwaltungsgericht. Aufgrund von Burnout- und Krankheitsfällen ist die Abteilung 8 geschwächt. Hinzu kommt: Die jahrelang als Finanzgenie gehandelte Monika Rathgeber war Dreh- und Angelpunkt des Finanzskandals, sie wurde entlassen. Wie hoch die Schulden des Landes sind, lässt sich immer noch nicht genau sagen, Korruptionsstaatsanwälte ermitteln ebenso wie die Finanzbehörden.

Im Hintergrund hat allerdings schon Rumoren um den Finanzdirektor eingesetzt, noch bevor dieser überhaupt bestellt wurde: Romana Rotschopf vom Frauenbüro des Landes äußerte herbe Kritik am Ausschreibungstext, weil dieser Behinderte und Frauen benachteiligen könne. So wurde als Voraussetzung etwa eine "konstante berufliche Entwicklung" genannt - was laut Gleichbehandlungsstelle Frauen nach einer Karenzierung ausschließen könne. Ebenso fehlten Hinweise auf eine Bevorzugung körperbehinderter Bewerber sowie den geltenden Frauenförderplan. Enthalten war dagegen der Wunsch nach "besonders guten Umgangsformen". Eine Qualität, die kaum zu objektivieren sei, so die Kritik. Die Befristung des Dienstverhältnisses sei ohne rechtliche Grundlage. Hinzu komme, dass Landesbeamte nur schwerlich die Forderung erfüllen könnten, es in der Privatwirtschaft zum Abteilungsleiter gebracht zu haben.

"Rotschopf hat einen guten Job gemacht"

Rotschopf war Freitag nicht erreichbar. Die für Gleichbehandlung zuständige Landesrätin Martina Berthold (Grüne) sagt: "Rotschopf hat einen guten Job gemacht und Kritikpunkte aufgezeigt. Ich habe festgehalten, dass etwaige Benachteiligungen zu korrigieren sind, falls es welche gibt."

Damit lag der Ball bei Personallandesrat Josef Schwaiger (ÖVP). Dessen Sprecher sagt, man habe festgestellt, dass keine Diskriminierung vorliege. Behinderte seien ebenso wenig benachteiligt wie Frauen nach einer Karenz oder Landesbedienstete.

Übrigens: Der ehemalige Wohnbaulandesrat Walter Blachfellner (SPÖ) sagte am Freitag, er und seine Abteilung hätten nicht wissen können, dass mit dem Geld, das der Wohnbaufonds 2009 dem Land als Kredit gegeben hatte, spekuliert worden sei. Dass dem Land diese 247,5 Mill. Euro, die aus vorzeitig zurückgezahlten Mitteln der gemeinnützigen Bauvereinigungen stammten, überlassen worden sind, sei der einstimmige Beschluss der Landesregierung gewesen, betont Blachfellner. Er habe zugestimmt, um Begehrlichkeiten gegenüber Wohnbaugeld abzuwehren.

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KOMMENTARE (6)
 

Walter Steinbrecher

27.07.2013
13:05 Uhr

Dr. Haslauer wird schon wissen warum er den Eisl in die Wüste geschickt hat!!! Der Fischbeginnt am Kopf zu stinken, oder?

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Erik Hümer

27.07.2013
11:40 Uhr

man hat den Eindruck, dass der EX-LR. Blachfellner in seinem Ressort einfach überfordert war, ansonsten hätte er doch wissen müssen, wo die 247 Mill.Euro wirklich "hingewandert" sind, oder? einfach damit ab ins Finanz-Casino ist doch unglaublich!

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derkritiker

27.07.2013
11:39 Uhr

... achso. Hat der EX-LR. Blachfellner die Mill.Euro verteilt, investiert oder einfach nicht bekommen? ... und was war dann mit Brenner, Paulus & Rathgeber und hätte Burgstaller das nicht "alles wissen müssen"?

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Flymike One

27.07.2013
11:39 Uhr

Rsthgeber wiefer einstellrn Das Bedte waere, Frau Rathgeber wieder einzustellen. Sie könnte wohl zur Aufklärung des Finanzskandals beitragen. Dann käme endlich raus, was Burgstaller & CO wirklich wussten.

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Peter Mag. Holzgethan

27.07.2013
11:39 Uhr

Da bin ich ganz Ihrer Meinung. Anstatt Frau Rathgeber zu entlassen hätte man sie weiterarbeiten lassen müssen. Der Auftrag "Ab sofort keine neuen Risikogeschäfte mehr abschließen und die bestehenden Anlagen so gut wie möglich abarbeiten", wäre uns billiger gekommen, als die vielen Experten mit ihren exorbitanten Honoraren, die dann eh nur Verluste gebaut haben.

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Siegfried Sommer

27.07.2013
11:39 Uhr

Wenn hier Parteibuchwirttschaft bei der Neubesetzung betrieben wird ,kann man zu recht behaupten : Wieder nichts aus Fehlern gelernt ! Bei neuen Skandalen blecht sowieso wieder der Steuerzahler !

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