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Rössler: Keine Lebensmittel im Müll der Märkte

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Umweltreferentin Astrid Rössler will die großen Handelsketten in die Pflicht nehmen. Essen soll nicht mehr im Abfall landen.

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Rössler will die Märkte in die Pflicht nehmen. Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

Rössler will die Märkte in die Pflicht nehmen.

Bild: SN/APA/BARBARA GINDL

<strong>Erik Schnaitl</strong> war einige Jahre als „Mülltaucher“ unterwegs in den Hinterhöfen der Supermärkte und hat sich von dem ernährt, was die Supermarktketten weggeworfen hatten, obwohl es noch gut war. Bild: SN/heidi huber

Erik Schnaitl war einige Jahre als „Mülltaucher“ unterwegs in den Hinterhöfen der Supermärkte und hat sich von dem ernährt, was die Supermarktketten weggeworfen hatten, obwohl es noch gut war.

Bild: SN/heidi huber

Rössler: „Essen soll nicht mehr im Abfall landen.“ Bild: SN/robert ratzer

Rössler: „Essen soll nicht mehr im Abfall landen.“

Bild: SN/robert ratzer




Erik Schnaitl war einige Jahre "Mülltaucher" aus Weltanschauung. Mit dem, was er des Nachts aus den Abfalltonnen großer Supermärkte barg, konnten er, seine Wohngemeinschaft und auch noch seine Tiere ganz gut leben. Denn Schnaitl und Mitstreiter fanden Lebensmittel, die - abgelaufen oder nicht - voll genießbar waren. "In den Tonnen war teilweise sehr viel drin, vor allem Brot", erzählt er. Einmal habe er aus dem Müllcontainer eines Supermarkts außerhalb der Stadt Salzburg einen schwarzen Müllsack gefischt, randvoll mit noch originalverpacktem, zum Teil noch nicht abgelaufenem Brot. Was er und seine Mitbewohner nicht selbst essen konnten, hat Schnaitl getrocknet und an seine Schweine und Hühner verfüttert.

Astrid Rössler, Landeshauptmann-Stellvertreterin und Umweltlandesrätin der Grünen, will nun die großen Handelsketten stärker in die Pflicht nehmen. "Die Umweltabteilung wird sich beispielhaft einige Abfallwirtschaftskonzepte der Firmen anschauen", sagt Rössler. Dabei soll genau darauf geachtet werden, ob die Angaben in diesen Konzepten mit der Realität in den Mülltonnen übereinstimmen. Rössler will dazu auch die "Mülltaucher" befragen. In Zweifelsfällen kann sie sich auch stichprobenartige Kontrollen vorstellen. "Mir ist es ein großes Anliegen, die Menge der Lebensmittel im Müll zu verringern", sagt sie.

Generell müssen Betriebe, die mehr als 20 Mitarbeiter beschäftigen, solche Abfallwirtschaftskonzepte vorlegen. In diesen beschreiben sie detailliert, wie sie die Entsorgung ihres Mülls organisieren. Die Meldungen gehen je nach Zuständigkeit an die Gewerbe- oder Umweltbehörden.

Wie viele Tonnen Lebensmittel landen nun wirklich in den Abfallcontainern der Supermärkte? "Wesentlich weniger, als man gemeinhin glaubt", versichert Nicole Berkmann, die Unternehmenssprecherin von Spar Österreich: "Nur ein Prozent der Produkte, die wir anbieten, wird weggeworfen. Alle unsere Systeme sind darauf ausgerichtet, Wegwerfen zu vermeiden. In den Privathaushalten liegt der Prozentsatz wesentlich höher."

Privathaushalte werfen laut einer Studie der Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien jährlich 157.000 Tonnen an Lebensmitteln in den Restmüll, manches davon noch in der Originalverpackung. In Salzburg sind es 8300 Tonnen.

Wobei es keine genauen Zahlen darüber gibt, wie viel der Handel insgesamt wegwirft oder wegwerfen muss. Spar-Sprecherin Berkmann erklärt, dies sei nach Warengruppen unterschiedlich: "Im Trockensortiment, also zum Beispiel bei Reis oder Nudeln, bleibt nichts übrig." Probleme, wenn auch geringere als noch vor wenigen Jahren, räumt sie bei Feinkost, Milchprodukten und Brot ein. "Mülltaucher" Erik Schnaitl berichtet, er habe einmal 40 Liter Milch in einem Müllcontainer entdeckt, ein anderes Mal 30 Kilogramm Käse.

Berkmann sagt, bei Milchprodukten könne das Ablaufdatum vor allem über das Wochenende dazu zwingen, die Produkte aus den Regalen zu nehmen. Beim Brot habe man mit der Errichtung von Backstationen im Geschäft erreicht, "dass ziemlich bedarfsgerecht gebacken werden kann". Was bei Spar dennoch übrig bleibe, gehe großteils an die Sozialmärkte: "70 Prozent unserer Standorte haben Kooperationsverträge mit den Sozialmärkten. Bis Jahresende wollen wir 100 Prozent erreicht haben." Für Spar sei es jedenfalls ein "Riesenthema", dass Essen nicht im Müll lande.

Für Rössler ist es das auch. Sie will nicht locker lassen. Über das Instrument der Abfallwirtschaftskonzepte sind sie und die Umweltabteilung direkt zuständig und können Druck erzeugen. Vorschreiben, wie hoch die Menge an Lebensmitteln im Abfall sein darf, kann das Land freilich nicht.

 
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KOMMENTARE (8)
 

Verschwendung pur

25.07.2013 
13:32 Uhr

Das ist doch wirklich eine Blöde Wurschtlerei um sich wichtig zu machen. Die Grüne Rösslerin sollte zu Mc.Donalds , Restaurants und Gastronomieketten oder zu den Lebensmittelbetrieben gehen. Was da am Tag alles Weggeworfen wird das ist der absolute Wahnsinn. Ich selber habe bei Lebensmittel Herstellern gearbeitet und weiß von was ich spreche.MHD das kurz abgelaufen oder darunter ist und noch genießbar wird entsorgt.Verschenken an die Armen und die Tafel. Fehlanzeige.Obst Gemüse alles weg.

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Wolfgang Hoffmann

25.07.2013 
12:43 Uhr

Die Wiener werfen also fast 90 kg Lebensmittel pro Einwohner pro Jahr weg. Die 8300 T für Salzburg beziehen sich wohl auf Salzburg Stadt, wo dann etwa zwei Drittel dessen anfallen. Nun verhungern auf dieser Welt jedes Jahr mehr als 9 Millionen Menschen, also darf man den Gegensatz nicht einfach als Gschaftelhuberei abtun. Einfache Lösungen gibt es trotzdem nicht.

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Peter Hofmueller

25.07.2013 
12:43 Uhr

Bitte in ganz Österreich "aktiv" werden!Ein wahrer Skandal!Hoffentlich werden die "Ösi" Medien, diesbezüglich "wacher"!?Auch das "Boulevard"?

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Wolfgang Hoffmann

25.07.2013 
12:42 Uhr

Das Grundproblem liegt darin, dass Menschen in Hungergebieten ungezügelt vermehren, obwohl sie wissen könnten, dass ihre Kinder nicht genug Nahrung haben werden. Eskaliert ist das, als die Europäer ihre Medizin in die Kolonien exportiert haben. Unsere europäisch-aufklärerische Weltsicht ist letztlich inkompatibel mit der Wirklichkeit Afrikas, Lateinamerikas und Asiens. Trotzdem weigern wir uns, die Realität zu sehen. Wir werden also wenig erreichen, wenn wir "in ganz Österreich aktiv werden".

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joy melidron

25.07.2013 
16:55 Uhr

unsinn.. die sogenannten dritten welt länder schicken als "bezahlung" ihrer überhöhten kredite aus der EU und USA ihre dringend benötigten lebensmittel zu uns. bzw. kosten die dort lebensmittel mehr für die einheimischen als bei uns im supermarkt.. wir tragen die verantwortung. lösung gibts nur über eine globale entschuldung, egal ob privat oder staatlich. ein tag null. essen gibt es mehr als genug. derzeit könnte man 12 mrd menschen ernähren, bei richtiger verteilung. ohne fleischkonsum mehr.

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Wolfgang Hoffmann

25.07.2013 
16:56 Uhr

So einfach ist das also: alle Schulden werden auf NULL gesetzt und alles wird gut. Die soeben beraubten Kreditgeber geben den korrupten Eliten Afrikas sofort neue, zinsenfreie Kredite. Diese Eliten schaffen in ihren Ländern eine Infrastruktur zu minimalen Kosten. Die Nahrungsmittelproduzenten schenken den Fracht- und Transportunternehmern dieser Welt ihre Überschüsse und diese bringen sie gratis zu den Hungernden. Diese dürfen sich dann ohne schlechtes Gewissen weiter exponentiell vermehren.

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Qualtinger

25.07.2013 
12:41 Uhr

Grüne Gschaftelhuberei und Erbsenzählerei!

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Peter Hofmueller

25.07.2013 
12:43 Uhr

"Erbsenzählerei"?Kaum zu glauben,welche "geistigen Ergüsse" von so manchen "Qualtinger" "ausgepostet" werden!?

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