Salzburg | Politik 

Poker um Rainerkaserne: Red Bull hat die besseren Karten

Von Susanna Berger, Christian Resch | 15.07.2013 - 18:50

Wer darf in der Rainerkaserne einen ganzen Stadtteil erschaffen - Red Bull oder Franz Fürst? Vorerst hat das Dosen-Reich die Nase vorn. Die Gemeinde will, dass Dietrich Mateschitz baut.

Poker um Rainerkaserne: Red Bull hat die besseren Karten

Die ehemalige Rainerkaserne in Elsbethen erstreckt sich auf einer Fläche von 17,8 Hektar. Bild: SN/bundesheer

Sollte es nur ein PR-Gag gewesen sein, dann wäre er gelungen. Doch Franz Fürst, der Salzburger Immobilienentwickler, meint es ernst: Er will dem Großkonzern Red Bull die knapp 18 Hektar große Rainerkaserne wegschnappen. Und statt gut 100 Wohnungen, welche Elsbethen sich wünscht, gleich 450 errichten. Red Bull, sagt Fürst, habe auf dem Gelände dann auch noch Platz.

In Elsbethen stoßen Fürsts Pläne auf breite Ablehnung. Bürgermeister Franz Tiefenbacher (ÖVP): "Wir brauchen keine 450 neuen Wohnungen. Bei uns liegt der Bedarf bei 100 Wohnungen für die jungen Gemeindebürger und die werden wir in den kommenden Jahren Schritt für Schritt schaffen."

Schließlich gelange der Ort langsam an seine Grenzen. Derzeit leben 5350 Menschen in Elsbethen, bei 6000 Gemeindebürgern soll Schluss ein.

Ähnlich sieht es Vize-Bgm. Eduard Knoblechner (SPÖ): "So viele Wohnungen in unserem Ort sind nicht gut. Die Auswirkungen wären katastrophal, angefangen beim Verkehr bis hin zu den Schulen und Kindergärten." Gemeindevertreter Roman Lindner (FPÖ): "Wo war der Herr Fürst, als das Projekt spruchreif war? Dass er sich nun eine Gesetzeslücke sucht, um zum Zug zu kommen, finde ich nicht gut."

Diese Ansicht teilt auch Gemeinderat Norbert Hechenblaickner von der Unabhängigen Liste Elsbethen (ULE). Denn es sei sicherlich nicht die Aufgabe von Elsbethen, Wohnungen für die Stadt Salzburg zu bauen. "Die Gemeinde wird dem Herrn Fürst sicherlich nicht die nötige Widmung geben."

Gertrude Wintersteller, Wirtin des Gasthofs Überfuhr in Elsbethen, hofft, dass die Rainerkaserne an Red Bull geht. "Das wäre für den Bekanntheitsgrad des Ortes schon sehr gut." Das Projekt von Immobilienentwickler Fürst mit den vielen Wohnungen wäre für den Ort eine enorme Herausforderung. "Das würde bedeuten, dass wir neue Schulen und Kindergärten brauchen."

Doch wer entscheidet nun, welcher Bieter zum Zug kommt? Antwort: Die Agrarbehörde des Landes. Genauer gesagt zuständig: Fachabteilungsleiter Franz Hauthaler und seine Experten.

Sie werden keinen leichten Job haben. Sie müssen das Grundverkehrsgesetz exekutieren, und das macht es ihnen nicht leicht. Vorgeschrieben ist, dass Ausländer gewisse Hürden überspringen müssen, wenn sie Grund in Salzburg kaufen wollen. Red Bull ist zu 51 Prozent im Besitz der thailändischen Unternehmerfamilie Yoovidhya - vor allem im Wege der in Hongkong ansässigen TC Agrotrading. Deshalb ist der Getränkehersteller aus Fuschl von der "Ausländerregelung" betroffen.

Diese ist aber nicht sehr eindeutig formuliert. Grob gesagt, muss ein Österreicher - oder EU-Bürger - den Vorrang bekommen, wenn er ein höheres überwiegend öffentliches Interesse glaubhaft machen kann als sein ausländischer Konkurrent. Doch was ist "öffentliches Interesse"? Im Gesetz ist davon die Rede, dass dieses von "staatspolitischer, volks- oder regionalwirtschaftlicher, sozialpolitischer oder kultureller Art" sein könne. Konkreteres wird nicht formuliert.

Für den Fachabteilungsleiter Hauthaler heißt das: Man wird die Gemeinde fragen, wahrscheinlich die Raumordnungsabteilung des Landes. "Stellungnahmen" müssten eingeholt werden. Großer Aufwand wie etwa bei einer Umweltverträglichkeitsprüfung ist nicht vorgesehen, es werden auch keine Gutachten eingeholt. Es läuft darauf hinaus, dass ein Fachbeamter entscheidet: Zwischen Mateschitz und Fürst.

Wobei Hauthaler schon andeutet: Franz Fürst könnte ein Problem haben, das dem Land die Entscheidung leichter macht. Die Gemeindevertretung in Elsbethen tritt geschlossen gegen sein Nutzungskonzept auf. Und dürfte damit auch den nötigen Umwidmungen nicht zustimmen. Damit könnte Fürsts Plan juristisch undurchführbar sein - womit auch jedes öffentliche Interesse daran entfiele. "Aber", sagt Hauthaler, "zu einem laufenden Verfahren können wir uns nicht äußern".

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KOMMENTARE (12)
 

ich sage immer die Wahrheit

17.07.2013
18:39 Uhr

der rote Bulle zieht wohl an den besseren Fäden.Kontake und Geld muss man haben.

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koli bri

17.07.2013
12:01 Uhr

Die Profitgier der "immobilienentwickler" kennt keine Grenzen. Das öffentliche Interesse klingt etwas unglaubwürdig. Wenn die Provisionen bei Kauf/Miete von den Verkäufern/Vermietern zu bezahlen sind, dann ändert sich sicher auch einiges an den hohen Wohnkosten. Aber diesbezüglich scheint zuviel Vernetzung mit der Politik zu bestehen....

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richard wurzrainer

16.07.2013
21:01 Uhr

der fürst würde mit der rainer kaserne warscheinlich das selbe machen wie der duval mit badgastei.

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Mark Vogl

16.07.2013
11:36 Uhr

Nachhaltigkeit wäre wichtig und wer will schon glauben, daß die Aufputschlimo mehr ist als ein Modegetränk, das sich im Zeitgeist bald auflösen wird... Also - lasst Wohnungen zu!

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christian kulitz

16.07.2013
08:21 Uhr

dann sollen die aber auch in zukunft der stadt fernbleiben asoziale haben wir selbst genug

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KÄUFER SEPP

16.07.2013
08:19 Uhr

Naja, ich würde sagen, der Käufer soll die Gebäude entkernen (erneuern. Das bedeutet auch, daß giftstoffhaltige Materialien (wie Eternit, etc. ) zu entfernen sind. Man muß da einen Sack voll Euros in die Hnad nehmen). Sonst würde ich alles (nur geringe änderungen außen aus stat. Gründen und dgl.) so lassen, wie es ist. Das wär doch was, oder??

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Die Salzburgerin

16.07.2013
08:19 Uhr

18 Hektar - 100 Wohnungen oder 450 Wohnungen. Sind die 100 Wohnungen dann je 120m² oder wie? Oder sind die 450 Wohnungen alle unter 50m²? Man muss Wohnungen bauen, die man sich leisten kann, die gebraucht werden und vor allem so, dass kein "Ghetto" entsteht. Denn wenn ich mir vorstelle, 450 Familien auf engen Platz - das kann doch nur konflikte geben?

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enricodalvero

16.07.2013
20:59 Uhr

Wenn Sie nachrechnen, unter der Annahme es werden 2 Stockwerke gebaut bleiben pro Wohnung 1200 Quadratmeter (450 Wohnungen). Sollte sich auch locker für die 120 Qum/Wohnung ausgehen, vorausgesetzt jemand kann die bezahlen. Dann kommt noch die Frage: Kann Fürst das überhaupt stemmen? Oder sucht er auch schon einen "Investor", wie bei Dalli + Schwedenbombe.

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Ilse Ute Augustin

15.07.2013
21:09 Uhr

Dank der von den SN präsentierten Luftaufnahme hat der interessierte Betrachter einen guten Überblick über die "Rainerkaserne" in Elsbethen. Die Bebauung, teilweise unter Denkmalschutz, ist locker angeordnet mit viel Grünflächen dazwischen und reichlichem Baumbestand. Ein ideales Gelände für den Firmensitz von Red Bull, eines Konzerns mit internationalem Auftritt. Ich denke, dass der neue Besitzer Red Bull an der Bebauungsdichte der vorhandenen Anlage nicht bedeutend viel verändern wird.

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Ilse Ute Augustin

15.07.2013
21:09 Uhr

Also die prognostizierten 450 Wohnungen auf dem Gelände der Rainerkaserne weisen auf eine eklatante Nachverdichtung der bebauten Fläche hin, mit allen Begleitumständen der kommunalen Infrastruktur, die jedoch von der Gemeinde Elsbethen ausdrücklich nicht erwünscht ist. Das ist verständlich und auch zu respektieren.

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christian kulitz

15.07.2013
21:08 Uhr

red bullshit mit geld kann man alle kaufen und wie immer bleiben die bürger die dummen

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A B

16.07.2013
21:01 Uhr

Intelligenz offensichtlich nicht...

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