Salzburg | Politik 

Kampf um gesunde Kost für die Kleinen

Von Susanna Berger | 17.07.2013 - 06:49

Tiefkühlkost statt frische Biokost - das könnte für die Kinder im Kindergarten Gnigl künftig auf den Tisch kommen.

Kampf um gesunde Kost für die Kleinen

Frisches Obst und Gemüse statt Tiefkühlkost für die Kleinsten. Darüber wird im Salzburger Gemeinderat heftig debattiert. Bild: SN/robert ratzer



Noch bekommen die Kindergartenkinder im Salzburger Stadtteil Gnigl jeden Tag ein frisch zu bereitetes Mittagsessen aus der hauseigenen Küche. Doch damit könnte in einigen Jahren Schluss sein, nämlich dann, wenn der Bildungscampus Gnigl fertiggestellt ist und damit Kindergarten, Volksschule sowie die Nachmittagsbetreuung von Schul- und Kindergartenkindern in einer Einheit zusammengefasst werden.

Bei der letzten Gemeinderatssitzung im Juli wurde heftig darüber debattiert. Vor allem für die Bürgerliste ist Tiefkühlkost - sie wird von einem Hersteller aus St. Pölten ein Mal pro Woche angeliefert - ein absolutes Tabu. Ulrike Saghi, stellvertretende Klubobfrau: "Die Bürgerliste hat lang darum gekämpft, dass alle Kindergartenkinder und alle Senioren in der Stadt Salzburg frische Biokost bekommen. Seit Kurzem ist das Realität. Nun will man das in Gnigl wieder abschaffen."

Zum Hintergrund: 2014 soll das Projekt "Bildungscampus Gnigl" starten. Bis zur Fertigstellung der neuen Volksschule - sie ist derzeit mit 18 Klassen die größte in Salzburg - und des neuen Kindergartens wird es zwar noch einige Jahre dauern, dann aber soll die Nachmittagsbetreuung von Schülern und Kindergartenkindern zusammengelegt werden, genauso wie die Verköstigung. "Und da die Ganztagesschüler schon jetzt Tiefkühlkost vorgesetzt bekommen, sollen auch die Kindergartenkinder in Gnigl sie bekommen", ärgert sich Saghi. Einwände der Bürgerliste seien bei der Gemeinderatssitzung von Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) abgeschmettert worden. "Er meinte nur, man könne keinen Unterschied machen. Schließlich handle es sich ja nicht um Fastfood."

Davon will Schaden beim SN-Gespräch nichts wissen. Man werde in der nächsten Sitzung im Herbst noch einmal diskutieren. Die Kosten würden klar für die Tiefkühlkost sprechen. Bei der Errichtung einer Küche und den Personalkosten müsse man mit einem Vielfachen rechnen. So koste die Errichtung einer Küche, in der tatsächlich gekocht wird, rund 650.000 Euro, eine Küche, in der die Tiefkühlkost gelagert und aufgewärmt werde, 40.000 Euro. Bei den laufenden Kosten schlage sich eine frische Mahlzeit mit sieben Euro nieder, eine Tiefkühl-Mahlzeit mit 3,55 Euro. Man werde aber darüber nachdenken, ob die Kinder nicht von der Küche eines städtischen Seniorenheims mitversorgt werden könnten.

Bgm-Stv. Martin Panosch (SPÖ) geht einen Schritt weiter und spricht damit Saghi aus dem Herzen: "Wir sollten uns dazu entschließen, nicht nur alle Kindergartenkinder mit Biokost zu versorgen, sondern auch alle Ganztagsschüler."

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KOMMENTARE (4)
 

Die Salzburgerin

17.07.2013
12:01 Uhr

Also in unserem Kindergarten und der Volksschule haben wir nen "Packt" mit dem Gemeinde-Wirtshaus - die Kochen jeden Tag, außer Freitags, frisch für die Kleinen (2-3 Menüs). Freitags kochen die Kinder in Gruppen füreinander.

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walkner heidi

17.07.2013
12:01 Uhr

ich finde das in höchstem maß übertrieben-die lebensmittelgesetze in österreich sind so streng, dass mit sicherheit keine gesundheitsschädlichen essen ausgeliefert werden, und die tiefkühlkost wird unter strengsten hygienischen bedingungen hergestellt. wenn sich jemand den luxus bio leisten will, soll er den aus eigener tasche bezahlen, nicht die allgemeinheit damit belasten. die firma in st. pölten versorgt auch die tagesheimkinder der schule, an der ich arbeite, das essen ist ausgezeichnet.

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Gerhard Storm

17.07.2013
12:00 Uhr

Bravo, Bgm-Stv. Martin Panosch (SPÖ). Sein Vorschlag, nicht nur alle Kindergartenkinder mit Biokost zu versorgen, sondern auch alle Ganztagsschüler ist die angemessene Lösung. Erfreulich, dass wenigstens einer sich nicht durch hanebüchene Kostenrechnung hat verleiten ließ, schon im Kinder- bzw. Jugendalter eine 2-Klassengesellschaft einzuführen. Das Leben unserer Nachkommen muss uns die 1. Klasse wert sein, wie die Qualität der Salzburger Festspiele!

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walkner heidi

17.07.2013
12:56 Uhr

warum 2-klassen-gesellschaft? es ist ja nicht geplant, dass die kinder von "besser gestellten" im kindergarten bio-essen bekommen und die anderen tiefkühlkost. wer unbedingt glaubt, bio essen zu müssen, soll das selbst bezahlen, nicht die öffentliche hand.

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