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Finanzskandal: Millionen für Geldgeschäfte

98,6 Mill. Euro "Gebühr" für 156 Derivate. Eine Hochrechnung auf alle Geschäfte des Landes ist nicht möglich. Zum Vergleich: Die Lohnerhöhung für Landesbedienstete kostet 5,9 Mill. Euro.

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Finanzskandal: Millionen für Geldgeschäfte

Die Akten bergen noch einige Geheimnisse. Bild: SN/Ratzer



Bei den Finanzgeschäften mit dem Land Salzburg haben die Banken 98,6 Mill. Euro als Gewinn eingestreift. Diese Marge für 156 Derivate lasse sich aber nicht auf alle 245 Geschäfte des sogenannten Schattenportfolios hochrechnen, sagt Sascha Stadnikow.

"Das geht nicht. Je komplexer so eine Wette ist, desto höher der Ertrag der Bank. Salzburg hatte einige sehr, sehr strukturierte Derivate. Unter anderem gab es ein Geschäft über das Verhältnis von Brasilianischem Real zu Japanischem Yen in einem Knock-out-Quanto-Swap." Solche Geschäfte seien schwer nachzuvollziehen. Die Banken könnten hier hohe Erträge verpacken, ohne dass der Kunde das beim Abschluss merke. "Ein einfacher Zinsswap ist relativ transparent, das kann man am Markt nachvollziehen. Je mehr Bedingungen dazukommen, umso schwerer ist das Geschäft zu verstehen. Das ist dann zocken." Stadnikow geht davon aus, dass bei den Geschäften, die das Land vor dem Jahr 2010 getätigt hat, noch weit mehr Geld an die Banken geflossen ist.

Das Büro von Noch-Finanzreferent David Brenner (SPÖ) wollte die Zahlen am Dienstag weder bestätigen noch dementieren. "Wir kommentieren den Herrn Stadnikow nicht", sagte Sprecher Roland Graffius.

Das Thema dürfte freilich noch von großem Interesse für das Land Salzburg sein. Sollten die Margen der Banken zu hoch ausgefallen sein, wäre das ein Hebel für die Verhandlungen mit den Geldinstituten.

Sascha Stadnikow, gerichtlich zertifizierter Sachverständiger für derivative Finanzprodukte, hat in der Vorwoche für das Nachrichtenmagazin Profil das "Schattenportfolio" des Landes Salzburg mit insgesamt 245 Geschäften durchleuchtet.

Wie berichtet, hatten die Derivatgeschäfte ein Nominale von 6,9 Milliarden Euro. Dabei handelt es sich nicht um eingesetztes Kapital, sondern um einen Betrag, auf dessen Basis die Swaps berechnet werden.

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KOMMENTARE (10)
 

Kurt Baumgartner

23.01.2013 
14:12 Uhr

ganz egal ob SPÖ, ÖVP, ÖGB, etc... das was hier mit abgeht ist KRANK! ZOCKEREI MIT STEUERGELDERN! Keiner weis was hier tatsächlich mit diesen kranken Finanz-, bankensysteme abgeht. Die Medien liefern täglich divergierende Informationen (zwecks Verwirrung?). Wenn dann die Banken "miese" Bilanzen abliefern, geht dann die "BETTLEREI" um Steuergeldern wieder los. Wann wacht der Bürger endlich auf und stemmt sich gegen diese "Systemzocker"?

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Robert Hutya

23.01.2013 
13:29 Uhr

Man kann ueber das, den Zustand von Stadt und Land und ueber die Proponenten eben dort nur lachen. Details glaubt sowieso niemand und werden auch nicht veroeffentlicht!

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Christian Strohmayer

23.01.2013 
11:40 Uhr

Die Tage der LH B. sowie einiger anderer Würdenträger sind sicherlich gezählt. Das mit der U-Haft ist längst überfällig, auch wenn sie nur die "Verantwortung" getragen haben und ad Persona keine Gelder verschoben haben. Tatsache ist, jeder kleine Bürger wäre bereits in Haft, wenn er seine 20 Euro Verkehrsstrafe nicht zahlen kann. Gerüchten zufolge soll der Brenner ja in den Vorstand der Salzburg AG einziehen und die Gabi in den Vorstand einer heimischen Bausparkasse...gratuliere !

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Gerhard Storm

23.01.2013 
13:53 Uhr

Hallo, Christian Srohmayer, ein bekanntes Sprichwort besagt, dass der Fisch immer vom Kopf her stinkt. Im Salzburger Finanzskandal ist es auch so. Denn nur dumme, unfähige Spitzenpolitiker - ohne Hirn und Verstand - lassen für die Landesbuchhaltung eine katastrophal mangelhafte Organisation zu. Ohne wirksame Mindestanforderungen an die personelle Funktionstrennung, angemessene interne Kontrollen u. Kontrollen durch den Landesrechnungshof. Bitte, Blindgänger ersetzen durch Fachkräfte!

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