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Burgstallers Neujahrsrede: "Das Vertrauen wieder herstellen"

"Salzburg hat die Häme nicht verdient, mit der es seit Tagen überschüttet wird", erklärt Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller in ihrer Neujahrsbotschaft. Die gesamte Rede zum Nachlesen.

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Burgstallers Neujahrsrede: "Das Vertrauen wieder herstellen"

Gabi Burgstallers Neujahrsrede. Bild: SN/APA

Liebe Salzburgerinnen und Salzburger,

ich wende mich heute an Sie, weil Tausende von Ihnen sich in den letzten Wochen mit vielen Fragen per E-Mail, per Brief an mich gewendet haben. Sie wollten wissen, wie schaut’s aus um unsere Finanzen. Sie möchten wissen: Wer hat die Verantwortung für all das, was möglicher Weise an Schaden dem Land entstanden ist. Sie können sich sicher sein, dass ich mir diese Fragen genauso stelle und dass es vor allem meine Aufgabe sein wird, diese Fragen zu beantworten.

Aber ich erinnere mich in diesen Tagen auch an viele Gespräche mit Menschen, die in der Finanzkrise vieles, manche alles, verloren haben. Ich erinnere mich an einen alten Mann, der seine Ersparnisse für seine Enkel gut anlegen wollte, sich an einem Investmentfonds beteiligt hat, mit dem Glauben, das seien alles Immobilien dahinter, mit der Versicherung der Bank, das sei beste Verzinsung für die Zukunft und dann große Verluste hinnehmen musste. Die Ausbildung seiner Enkelkinder damit nicht wird finanzieren können.

Ich erinnere mich an eine Familie, die sich den Traum vom eigenen Haus verwirklichen wollte und mit der vermeintlichen Sicherheit von Fremdwährungskrediten eine Finanzierung begonnen hat. Jetzt sitzt sie auf einem Schuldenberg. Auch ihr wurde gesagt, das sei alles sicher für die Zukunft.

Der Salzburger Landesregierung, meinen Kollegen und mir, ist das nicht viel anders gegangen. Über die Jahre wurde uns immer versichert, es sei alles in Ordnung mit den Finanzveranlagungen des Landes, wir seien immer im Plus. Umso größer war die Enttäuschung, aber auch die Entsetzung, als wir vor wenigen Wochen erfahren mussten, dass die Situation eine andere ist, dass über Jahre vieles verschleiert wurde, um Verluste vor der Politik, vor der Landesregierung, vor dem Landtag, vor den Rechnungshöfen zu verstecken.

Ich werde alles dazu beitragen, die Stabilität dieses Landes wieder herzustellen. Und ich gebe alles dafür, das Vertrauen der Menschen in dieses Land wieder herzustellen.

Neben der Aufgabe, den finanziellen Schaden für das Land möglichst gering zu halten, geht es aber auch um die Wiederherstellung des Rufes unseres Bundeslandes. Dieses Land hat die Häme nicht verdient, mit der es seit Tagen überschüttet wird. Dieses Land war und ist immer ein Vorzeige-Bundesland gewesen und es ist mir ein besonderes Anliegen sicherzustellen, dass wir uns wieder dorthin entwickeln.

In den nächsten Wochen werden wir nicht nur daran arbeiten, diese Finanzaffäre aufzuklären, sondern selbstverständlich unsere Politik des sozialen Ausgleichs fortzusetzen. Dieses Land war deshalb immer stark, weil die Bildungspolitik allen Menschen die Chance gegeben hat, ihre Talente zu entwickeln. Dieses Land ist auch deshalb stark, weil die meisten Menschen, fast alle Menschen, eine Arbeit finden, von der sie leben können. Es ist aber auch meine Aufgabe dafür zu sorgen, dass diejenigen, die am Rande stehen, die keine Chance hätten aus Eigenem heraus, diese Chance trotzdem bekommen. Das gilt für den Arbeitsmarkt, das gilt für die Gesundheitspolitik, das gilt für alle Politikbereiche.

Besonders wichtig ist mir aber der respektvolle Umgang miteinander. Der respektvolle Umgang vor allem mit Menschen, die eine Beeinträchtigung haben, mit Menschen, die am Rande sind und auch mit unseren älteren Mitmenschen. Gegenseitige Achtung und Respekt voreinander sind eine wichtige Basis für eine Politik, die sich der Chancengleichheit und der Solidarität verschrieben hat.

Solidarität und Zusammenhalt braucht aber gerade jetzt auch die Landespolitik. Wenn eine Familie in großer Bedrängnis ist, dann hält sie zusammen. Dann werden plötzlich Streitigkeiten unter den Geschwistern begraben, dann sind sie alle da und sagen "Wir schaffen das". Gleiches muss auch für die Politik gelten. In so einer Krise, kann es nicht angehen, dass sich manche davonstehlen. In so einer Krise, braucht das Land nicht mehr und nicht weniger als die Gewissheit: Da halten alle zusammen und geben ihr Bestes für das Land. Das erwarte ich mir. Das ist mein persönlicher Neujahrsvorsatz. Aber das erwarten vor allem Sie sich, liebe Salzburgerinnen und Salzburger, dass da jetzt alle zusammenrücken und gemeinsam nach vorne schauen und dieses Land wieder auf Spur bringen.

Neben diesem politischen Neujahrswunsch auf Zusammenhalt über alle Parteigrenzen hinweg, neben diesem Wunsch das Gemeinsame jetzt endlich vor das Trennende zu stellen, habe ich aber auch einen persönlichen Neujahrswunsch an Sie: Ich wünsche Ihnen allen ein glückliches Jahr 2013 voller Gesundheit.

Gabi Burstaller

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KOMMENTARE (14)
 

anste

09.01.2013 
12:38 Uhr

Unter ihrer Führung ist das einstmalige Vorzeigeland zum Schmuddelland geworden. Aber sie denkt nicht daran die Konsequenzen zu ziehen. Bisher war ich immer stolz eine Salzburgerin zu sein. Burgstaller und Brenner haben es geschafft, dass man sich schämen muss. Versagen auf allen Längen: Osterfestspiele, Landestheater, ASKÖ, Spekulationsskandal. Sie sind einfach zu dumm für diesen Job und nehmen ihre Aufgaben nicht ernst.

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michael öhner

01.01.2013 
14:41 Uhr

Vorsatz der Finanzjongleure in Salzburg für das Neue Jahr: Bei den deutschen Banken werden die Millionen an Gebühren eingespart. Nach genauer Prüfung wurde festgestellt, dass das Eintrittsgeld im Casino Kleßheim günstiger ist. Sollten die Casinos Austria wegen zu hoher Verluste eine Sperre veranlassen, wird in das Casino von Reichenhall ausgewichen. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung. Noch eine Frage: Wer (insb.Treuhänder) prüft den Wert seiner Konten höchstens einmal in zehn Jahren.

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Christian Hummelbrunner

01.01.2013 
11:33 Uhr

Wozu braucht die öffentliche Hand Geldanlagen? Steuergelder sollen sinnvoll verwendet werden. Wenn zuviel Geld da ist dann gehört es nicht veranlagt sondern dem Steuerzahler zurückgegeben.

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gerlinde

02.01.2013 
04:23 Uhr

Frau Mag, Burgstaller, Die rührseligen Vergleiche mit Menschen die im Zuge irgendeiner Krise Geld verloren haben sind ein weiterer Versuch, "dasVolk" für dumm zu verkaufen. Diese Menschen haben ihr eigenes Geld riskiert und verloren. Sie haben das Geld der Steuerzahler verschlampt. Auch mein mühsam erworbenes!! Sie haben Ihre Aufgabe nicht begriffen sagt der Chef des Rechnungshofes. Das sehe ich auch so. Gerlinde Krahammer

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