Salzburg | Kultur 

Salzburger Jazzherbst wegen Insolvenz abgesagt

Von Apa | 20.08.2013 - 14:54

Der Salzburger Jazzherbst ist Geschichte: Wegen Verbindlichkeiten von 1,17 Millionen Euro hat Gründer und Veranstalter Johannes Kunz am Dienstag Insolvenzantrag gestellt.

Salzburger Jazzherbst wegen Insolvenz abgesagt

Der Jazzherbst wird eingestellt (Symbolbild). Bild: SN/dopsch/bayer/fotolia

"Wir haben heute auch den heurigen Jazzherbst in Salzburg - den achtzehnten - abgesagt", sagte Kunz. Laut dem Österreichischen Verband Creditreform sind 78 Gläubiger betroffen. Das Unternehmen sei bereits geschlossen, heißt es in einer kurzen Aussendung. Als Grund der Pleite werden unter anderem Subventionskürzungen genannt.

"Es ist mir nicht leicht gefallen. Ich habe sehr viele persönliche Mittel in das Projekt gesteckt", ergänzte Kunz. "Aber der Jazzherbst ist nicht tot. Es gibt ihn nur in Salzburg nicht mehr. Wir werden in Grafenegg aber erst 2015 beginnen (geplant war ursprünglich 2014, Anm.). Dann haben wir mehr Zeit für die Vorbereitung, damit wir einen starken Start hinlegen können."

Niederösterreich "will das Festival"

In Niederösterreich seien ganz andere Voraussetzungen zu finden als in Salzburg. "Die wollen das Festival", sagte der Jazzherbst-Gründer. Das Jazzfest Wien oder auch die Biennale in Salzburg würden in ganz anderen Dimensionen subventioniert als sein Festival in der Mozartstadt. Zuletzt seien die öffentlichen Förderung nicht nur nicht einmal der Teuerung angepasst, sondern durch den Rückzug der Stadt Salzburg sogar reduziert worden.

Außerdem sind laut Kunz Sponsoren weggefallen, und auch die Compliance-Regelung habe sich negativ ausgewirkt. "Früher haben große Unternehmen oft 100 Karten der teuersten Kategorie gekauft. Heute sagen sie, da bekomme ich Probleme." Und auch das im Vorfeld des Jazz-Herbstes angesiedelte Altstadtfestival "Jazz & The City" hätte Publikum abgeschöpft: Dieses von Stadt und Altstadt-Marketing finanzierte Fest bietet 100 Veranstaltungen bei freiem Eintritt an, "zum Teil mit Leuten, die auch bei mir auftreten können".

"Wenn's nicht geht, geht's eben nicht"

"Ich wollte diesen letzten Jazzherbst in Salzburg noch über die Runden bringen. Aber es war völlig klar, dass dafür eine zusätzliche Finanzierung notwendig ist. Bis Mitte August habe ich intensiv mit möglichen Investoren verhandelt, aber irgendwann ist der Punkt gekommen, wo ich mich mit meinem Anwalt beraten habe. Wenn's nicht geht, geht's eben nicht. So spielt das Leben." Er habe sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht, weil er sehr viele persönliche Mittel in sein Projekt gesteckt habe. "Ich habe mir beim ORF die ganzen Intendanten-Pension auszahlen lassen und da hineingesteckt."

Der 1. Salzburger Jazz-Herbst fand 1996 statt, und zwar mit Ray Charles, Joe Zawinul, Lalo Schifrin und anderen Weltstars. Im Lauf der Jahre Jahren gastierten im Rahmen dieses Festivals, das zuletzt zwölf Tage dauerte, alle großen Namen des Genres von Dave Brubeck und Dee Dee Bridgewater über Wynton Marsalis und Abbey Lincoln bis zu Sonny Rollins und Nancy Wilson. Allein im Großen Festspielhaus fanden von 1996 bis 2012 insgesamt 42 Galakonzerte mit den absoluten Topstars des Genres statt. 2013 hätte der Jazz-Herbst letztmalig in Salzburg stattfinden sollen.

 
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KOMMENTARE (1)
 

ILSE SCHARANG

22.08.2013
07:41 Uhr

ICH MÖCHTE DAS GELD FÜR BEREITS GEKAUFTE KARTEN ZURÜCK HABEN.DASS DIESES IN DIE INSOLVENZMASSE GEHÖR,IST WIRKLICH FRECH!DENN HERR KUNZ WEISS SICHER SCHON LÄNGER, DASS DAS FESTIVAL NICHT ZU FINANZIEREN IST UND LÄSST TROTZDEM KARTEN BUCHEN.WIEVIEL HERR KUNZ IN DAS PROJEKT "SALZBURGER JAZZHERBST GESTECKT HAT, INTERESSIERT MICH ALS KONZERTBESUCHER WIRKLICH NICHT.DASS ER ES WAGT, WOANDFERS WIEDER MIT EINEM ÄHNLICHEN FESTIVAL DURCHZUSTARTEN, EMPFINDE ICH SCHLICHTWEG ALS PROVOKATION.

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