Salzburger Kriminalpolizist sitzt in U-Haft
Von Heidi Huber | 08.08.2012 - 06:31

Ein 47-jähriger Kriminalbeamter der Salzburger Polizei sitzt in Untersuchungshaft. Symbolbild: SN/Bilderbox
Die Vorwürfe gegen den Kriminalbeamten wiegen schwer und sie stehen schon lang im Raum. Im September 2008 soll der 47-jährige Mann laut Staatsanwaltschaft Salzburg sein erstes Opfer bedroht und genötigt haben.
Im Oktober 2010 gab es ein zweites Opfer. Wenige Monate später im März 2011 folgte dann erneut ein Eklat zwischen dem Pongauer und einer anderen Frau. Angeblich war die Dienstwaffe des Polizisten dabei im Spiel. Damit bedrohte er die Frauen, setzte ihnen sogar die Waffe an den Kopf und riss einem Opfer im Streit Büschel von Haaren aus. Bei den Opfern handelt es sich um die Ex-Frau des Polizisten sowie Bekanntschaften.
Im November 2011 löste der Beschuldigte einen Cobra-Einsatz aus, weil er stark alkoholisiert in seiner Wohnung in St. Johann in selbstmörderischer Absicht mit der Waffe hantiert und geschossen hatte. Der Beamte wurde auf Entziehungskur geschickt und kehrte im Frühjahr zurück. Geplant war, dass er eine zweite Chance erhalten und in den Dienst der Kriminalpolizei zurückkehren sollte.
Doch so weit kam es nicht: Das Fass zum Überlaufen brachte die Anzeige einer Saalfeldenerin Ende Juni des heurigen Jahres. Sie vertraute sich einem Polizeibeamten an, der den Vorfall erhob. Dabei stellte sich heraus, dass mehrere Frauen dieselben Vorwürfe aufbrachten. Der Kriminalbeamte dürfte den Opfern immer weisgemacht haben, dass die Behörden im Zweifelsfall ihm Glauben schenken würden. Das schüchterte die Frauen massiv ein.
Erste Staatsanwältin Herta Stix bestätigt: "Es geht hier um gefährliche Drohung, Körperverletzung und Nötigung. Die Frauen wiesen Hämatome auf." Auch einen Mann - einen Kollegen - dürfte der Kriminalbeamte am 26. Juni bedroht haben. Die Auseinandersetzung endete mit einer Ohrfeige. Auch hier ging es um Frauen. Am 16. Juli stellte der Richter auf Antrag der Staatsanwaltschaft daher einen Haftbefehl aus. Der Kriminalbeamte wurde in Untersuchungshaft genommen und in die Justizanstalt Wels gebracht.
Staatsanwältin Herta Stix sagt: "Es bestand Tatbegehungs- und Ausführungsgefahr. Mittlerweile gibt es auch einen Strafantrag." Der Strafantrag wurde mit 30. Juli ausgestellt. Der Verhandlungstermin ist für 12. September am Landesgericht Salzburg anberaumt.
Warum aber wurde so lang bei der Polizei gewartet und nicht gegen den Kriminalbeamten ermittelt? Vonseiten des Kriminaldienstes heißt es, die Vorwürfe seien bis zur Anzeige im Juni nicht bekannt gewesen. Was ein Beamter privat mache und ob es Probleme mit Frauen gegeben habe, entziehe sich der Kenntnis. Die Dienstbehörde gab an, dass ihr die Vorfälle allesamt neu seien. Als die Anzeige aus dem Pinzgau gekommen sei, habe man rechtmäßig und ohne Schonung der Person oder des Amts die Vorfälle erhoben und der Staatsanwaltschaft übermittelt.
Dass in den eigenen Reihen kaum oder nur mit Zurückhaltung ermittelt wird - diesen Vorwurf gab es vor wenigen Wochen auch beim mittlerweile suspendierten Postenkommandanten von St. Gilgen. Auch hier schilderten Betroffene, dass die Meldung wegen sexueller Belästigung schon vor einem Jahr an das Bezirkspolizeikommando ergangen sei.
"Stimmt nicht", sagte Bezirkspolizeikommandant Walter Praschberger. "Da ging es um Unregelmäßigkeiten bei den Dienstplänen. Hier haben wir sofort eingegriffen. Das hat seither dann auch gepasst."
Dass der 47-jährige Kripobeamte wieder in den Dienst zurückkehren wird, ist unwahrscheinlich. Die Entscheidung liegt nun aber bei der Disziplinarkommission und dem Richter. Im Fall einer Verurteilung drohen ihm bis zu drei Jahre Haft.
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