Salzburg | Chronik 

Nazi-Raubkunst: Das Phantom im Salzburger Geisterhaus

Ein Anwesen im Nobelviertel, wie es schäbiger kaum sein könnte: Das Salzburger Zuhause von Cornelius Gurlitt lässt absolut nichts von dessen Schätzen ahnen. Der Besitzer selbst bleibt verschwunden.

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Das Haus von Gurlitt in Salzburg-Aigen. Bild: SN/Andreas Kolarik Fotografie

Das Haus von Gurlitt in Salzburg-Aigen.

Bild: SN/Andreas Kolarik Fotografie

Das Haus von Gurlitt in Salzburg-Aigen. Bild: SN/Andreas Kolarik Fotografie

Das Haus von Gurlitt in Salzburg-Aigen.

Bild: SN/Andreas Kolarik Fotografie


Das Moos auf dem Dach ist daumendick, an der Eingangstür haben Spinnen ihre Netze geflochten, der Garten ist verwahrlost, die Fenster vergittert. Das schäbige, nahezu unbewohnbar wirkende Haus aus den 1960er Jahren im Salzburger Nobelstadtteil Aigen gehört Cornelius Gurlitt. Hier soll der inzwischen bekannteste Sonderling der Kunstwelt jahrzehntelang gelebt haben, der jahrzehntelang einen Kunstschatz versteckt hielt. Bei dem spektakulären Kunstfund in München sind auch bisher völlig unbekannte Meisterwerke entdeckt worden. Die Sammlung sei von außerordentlicher ästhetischer Qualität und großem wissenschaftlichem Wert, sagte die Berliner Kunsthistorikerin Meike Hoffmann am Dienstag.

Nachbarin: "Womöglich liegt seine Leiche im Haus"

Das Haus in Aigen wurde noch nicht durchsucht. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Salzburg, Marcus Neher, sagte, deutsche Behörden hätten sich noch nicht mit einem Rechtshilfeverfahren an die österreichischen Ermittler gewandt. Anrainer zeigten sich bei einem Lokalaugenschein besorgt über das verwahrloste Haus: "Wir wollen dahinter sein, dass eine Hausdurchsuchung möglich wird. Womöglich liegt ja seine Leiche im Haus", sagte eine Nachbarin. Besondere Sicherheitsvorkehrungen gibt es nicht bei dem Haus, laut Landespolizeidirektion Salzburg wird das Gebiet im Rahmen eines normalen Streifendienstes überwacht.

Wo steckt Gurlitt?

Derzeit ist unbekannt, wo sich der Kunsthändler-Sohn aufhält. Gurlitt ist nicht nur wie vom Erdboden verschluckt. Er hat sich noch nicht einmal einen Anwalt genommen. "Aktiv unternimmt er derzeit nichts, um die Bilder zurückzubekommen," sagte der Augsburger Leitende Oberstaatsanwalt Reinhard Nemetz Nemetz. "Ich weiß nicht, wo er sich aufhält, weil uns diese Frage gar nicht beschäftigt", sagte Nemetz. "Das bedeutet nicht, dass er unauffindbar ist." Der Fall bleibt rätselhaft und skurril

Finanzvergehen im Kunsthandel?

Neher: "Bei der Staatsanwaltschaft Salzburg liegt nichts gegen den Mann vor." Allerdings hat die deutsche Justiz vor knapp zwei Jahren die Salzburger Kollegen mit der Bitte um Ermittlungen gegen Gurlitt wegen eines Finanzvergehens kontaktiert. "Dabei ist es um Kunsthandel gegangen, nicht um illegale Kunstwerke", erklärte Neher.

Die Staatsanwaltschaft Augsburg habe im Dezember 2011 ein Rechtshilfe-Ersuchen an die Staatsanwaltschaft Salzburg gestellt. "Diesem Ersuchen wurde aufgrund der geschilderten Verdachtslage nicht entsprochen. Bei den Schilderungen hat es für uns keinen Hinweis darauf gegeben, dass das ein strafgerichtlicher Tatbestand wäre. Es handelte sich um ein Finanzvergehen, das nicht in die Zuständigkeit des Landesgerichtes fällt", erläuterte Neher. "Seither ist niemand mehr mit einer anderen Verdachtslage an uns herangetreten."

Gurlitt besitzt Haus in Salzburg seit 40 Jahren

Das Einfamilienhaus mit Garten in dem Salzburger Nobelviertel wirkt ungepflegt und unbewohnt. Gurlitt besitzt das Anwesen offenbar seit mehr als 40 Jahren. Die Frage, ob der Pensionist in dem Haus möglicherweise Kunstwerke hortet, die zur Zeit des Nationalsozialismus geraubt worden sind, ist vorerst ungeklärt. Der bayerische Zoll hält es aber für nicht sehr wahrscheinlich, dass sich weitere Kunstwerke im Haus von Gurlitt befinden.

Haus kein Fall für Baubehörde

Auch wenn sich Anrainer über das verwahrloste Haus von Cornelius Gurlitt beim Magistrat Salzburg beschwert haben, die Stadtbehörde kann nicht einschreiten: In baurechtlicher Hinsicht gebe es keinen Anlass, unmittelbar einzugreifen, sagte Magistratsdirektor Martin Floss am Dienstagnachmittag.

"Derzeit gibt es kein anhängiges Verwaltungsverfahren betreffend den Hausbesitzer. Das Haus ist offensichtlich unbewohnt. Wir gehen derzeit nicht davon aus, dass ein Gefährdungspotenzial für Dritte besteht. Daher erscheint ein unmittelbares Einschreiten der Baubehörde nicht notwendig", erklärte der Magistratsdirektor.

 
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