Lungau: Prinzhorn will Ruhe in seinem Jagdgebiet
Von Daniele Pabinger | 15.09.2012 - 08:21
Hinter den Kulissen wird auf Hochtouren über weitere Gold-Probebohrungen in der Lungauer Gemeinde Muhr verhandelt. Ohne Zustimmung des Grundeigentümers Bundesforste muss die Firma Noricum Gold AT ihre Pläne im Altenberggebiet wohl aufgeben. Bei der Entscheidung der Bundesforste könnte der Papierindustrielle und frühere Dritte Nationalratspräsident Thomas Prinzhorn (FPÖ) das Zünglein an der Waage sein. Der Ex-Politiker bzw. die Thomas Prinzhorn Privatstiftung hat die Jagd dort gepachtet.
Prinzhorn hat keine Freude mit Goldgräbern in seinem Revier. Daraus macht er im SN-Gespräch in der Gutsverwaltung von Schloss Goppelspach in Stadl an der Mur auch kein Hehl. Prinzhorn spricht von "Glücksrittern, die von auswärts kommen und schnell wieder fort sind", sowie "Spekulationsgeschäften". In Richtung Bundesforste zeigt sich der Jagdpächter aber zurückhaltend - "der Grundbesitzer hat das Sagen". Er habe als Pächter nicht das Recht, den Bundesforsten zu sagen, wo es langgehe.
Die Prinzhorn-Jagd in Hintermuhr (Rotgülden-Muritzen) erstreckt sich auf rund 4000 Hektar, ein Teil liegt in der Kernzone des Nationalparks Hohe Tauern. Die Goldfirma will im Altenberggebiet - außerhalb der Schutzzone - auf rund 2500 Metern die Gold-, Silber- und Kupfergehalte im Gestein untersuchen. Es geht darum nachzuweisen, ob ein Abbau rentabel wäre. Bergbau gab es dort bereits im 15./16. Jahrhundert. Die Arbeiten könnten frühestens im nächsten Jahr über die Bühne gehen.
Der Politik richtet Prinzhorn aus, er sehe nicht ein, wie der Nationalpark bewirtschaftet werde. "Der Nationalpark ist nicht dazu da, ihn uneingeschränkt zu nutzen. Das ist sinnwidrig." Er kritisiert die "Übernutzung" des Schutzgebiets - und der daran angrenzenden Zonen. Die Leute hielten sich nicht an markierte Steige, klopften Steine, es gebe keine Ruhezonen für das Wild.
Prinzhorn bangt um seine Gamsjagd, wenn im Revier wochenlang gebohrt wird und Material und Mannschaft mit Hubschraubern in das hochalpine Gebiet hinaufgeflogen werden. Der Lärm würde das Wild vertreiben. Er kündigt Schadenersatzforderungen für die Wertminderung seiner Jagd an.
Eine Forderung liegt bei der Noricum Gold AT bereits auf dem Tisch. Sie bezieht sich auf die Probebohrungen in Muhr-Rotgülden im vorigen Herbst. Über die Summe wird keine Auskunft gegeben. Nach Angaben von Oskar Winkler, Rechtsvertreter der Goldfirma, wird ein Kompromiss ausgehandelt. Für die Zukunft werde sich das Unternehmen bemühen, die Beeinträchtigung der Jagd etwa durch Hubschrauber möglichst gering zu halten.
Prinzhorn zahlt pro Jahr dem Vernehmen nach zwischen 25.000 und 30.000 Euro Pacht an die Bundesforste. Der Vertrag läuft 2015 aus, der Industrielle dürfte Interesse haben, ihn zu verlängern. Laut Abschussplan dürfen jährlich 30 Gams in seinem Revier geschossen werden. Der Abschusswert pro Tier beträgt rund 1500 Euro.
"Wenn ein Geschäftspartner für drei Tage aus Spanien kommt, sich die Haxen ausrennt und dann fliegt der Hubschrauber die ganze Zeit und verjagt die Gams, verärgert man ihn womöglich", sagt Thomas Prinzhorn. Seine Gamsjagd sei etwas Besonderes, dafür brauche man Zeit und Kondition. Rehböcke könnten die Gäste auch in Ungarn schießen.
Kurt Trinker von der Prinzhorn-Stiftung stellt klar: Es gehe nicht ums Geld, sondern darum, den Lebensraum der Gams zu schützen. "Wir wollen a Ruh haben im Jagdgebiet."
In der letzten Septemberwoche findet die montanrechtliche Verhandlung der Probebohrungen statt. Diesen Termin wollen die Bundesforste eigenen Angaben nach abwarten. Druck macht indessen der Lungauer Bezirkshauptmann Robert Kissela, dessen Behörde das Naturschutzverfahren abwickeln soll: Liege die Zustimmung des Grundeigentümers nicht in ein paar Tagen auf dem Tisch, müsse der Antrag der Goldfirma zurückgewiesen werden. Er nennt formale Gründe.
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