Salzburg | Chronik

Lehrling halb tot geprügelt: Prozess in Salzburg

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Drei Männer im Alter von 29 bis 33 Jahren sind wegen einer brutalen Schlägerei mit einem Schwerstverletzten in St. Johann im Pongau am Mittwoch vor einem Schöffensenat des Landesgerichtes Salzburg gestanden.

Lehrling halb tot geprügelt: Prozess in Salzburg

Drei Männer in Salzburg vor Gericht. Symbolbild: SN/Robert Ratzer

Ein 19-jähriger Lehrling wurde in der Nacht auf 18. September 2010 vor der Diskothek halb tot geprügelt und über eine zwei Meter hohe Mauer geworfen. Der Salzburger erblindete auf dem rechten Auge. Das beschuldigte Trio bestreitet die Tat. Ein Urteil in dem für zwei Tage anberaumten Prozess wird für morgen, Donnerstag, erwartet.

Als Hintergrund des Gewaltexzesses wird ein Streit zwischen türkisch-stämmigen und österreichischen Disco-Besuchern vermutet. Es sollen fremdenfeindliche Äußerungen gefallen sein. Das schwerverletzte Opfer der Prügelei wurde mit Faustschlägen und Fußtritten heftig attackiert. Der Sohn eines Pongauer Gastwirtes erlitt unter anderem mehrere Schädelbrüche, eine Gesichtsfraktur, einen Bruch beider Augenhöhlendächer, eine Perforation des Trommelfelles und eine Verletzung des rechten Sehnerves. Er bezieht jetzt eine Invaliditätspension.

Staatsanwalt Georg Kasinger machte für die Tat drei türkisch-stämmige Männer im Alter von 31, 33 und 29 Jahren verantwortlich, die alle im Pongau wohnen. Zwei davon sind türkische Staatsbürger, einer ist Österreicher. Kasinger wirft ihnen absichtlich schwere Körperverletzung mit schwerer Dauerfolge vor. Dem 31-jährigem Dachdecker und dem 33-jährigen Friseur (ein Österreicher, Anm.) werden auch noch Körperverletzung und Nötigung angelastet. Sie sollen einem Türsteher mit Prügel gedroht haben, falls er die Polizei rufen würde, und sie sollen außerdem einen Lokalbesucher durch Faustschläge leicht verletzt haben.

Zum Tatzeitpunkt standen rund ein Dutzend Nachtschwärmer und auch mehrere Taxis vor der damaligen Diskothek "Fledermaus". Die Ermittlungen sind aus Mangel an Beweisen vorübergehend eingestellt worden, was innerhalb der Bevölkerung und seitens von Medien heftig kritisiert wurde. "Das Ermittlungsverfahren war schwierig. Viele Zeugen haben aus Angst vor Repressalien nicht den Mut aufgebracht, sich bei der Polizei zu melden", sagte der Staatsanwalt. "Die Beweislage war dünn. Ein anonymer Zeuge hat dann doch ausgesagt und die Angeklagten massiv belastet." Hier hackte auch schon die Verteidigerin des Dachdeckers (31) und Friseurs (33) ein: Es gebe keinen einzigen Zeugen, der den Angriff auf den Lehrling unmittelbar beobachtet habe, erklärte Rechtsanwältin Fatma Özdemir.

Die Staatsanwaltschaft stütze sich auf die Aussage eines anonymen Zeugen, dessen Angaben aber nicht stimmig seien und auch anderen Zeugenaussagen widersprechen würden, sagte die Verteidigerin. Auf den sichergestellten Kleidungsstücken der Beschuldigten seien auch keine Blutspuren des 19-Jährigen gefunden worden. Bei so einer schweren Verletzung müssten aber Spuren zu finden sein, argumentierte Özdemir.

Im Rahmen der Ermittlungen wurde das Telefon der Angeklagten überwacht. Daraus sei hervorgegangen, dass "sie Angst hatten, in etwas hineingezogen zu werden, das sie nicht begangen haben", erklärte die Verteidigerin. Deshalb hätten sie zuerst nicht zugegeben, dass sie am Tatort waren. Die Anwältin brachte eine unbekannte Person ins Spiel: Es sei nicht auszuschließen, dass dieser "kleine Mann", der laut Beschreibung einer Taxilenkerin weiße Schuhe und ein weißes Hemd getragen habe, in die "Vorfälle mit dem Lehrling verwickelt" gewesen sei. "Heute sitzen die falschen Personen auf der Anklagebank" meinte die Rechtsanwältin.

Der Dachdecker und der Friseur bekannten sich nur zu der leichten Körperverletzung eines Disco-Besuchers für schuldig. Doch dieser habe mit dem Streit angefangen und ihm beim Verlassen der Disco eine "Kopfnuss" verpasst, schilderte der Dachdecker. "Er sagte 'scheiß Ausländer', da gab ich ihm eine Ohrfeige und einen Fußtritt." Der 31-Jährige erzählte weiters, dass er mit seinen Freunden nach einer türkischen Hochzeit die Disco besucht habe. Sie seien dann in ein Taxi gestiegen, doch der Bursche habe sie erneut angepöbelt, als sie bereits im Wagen gesessen seien. Der Friseur sei wieder ausgestiegen und habe diesem noch eine Ohrfeige gegeben. "Dann haben wir uns gegenseitig entschuldigt und sind mit dem Taxi nach Bischofshofen gefahren."

Der 29-jährige Drittangeklagte wies überhaupt jede Schuld von sich. Sein Verteidiger Arnold Gangl sagte: "Er war derjenige, der den Streit geschlichtet hat, um die Aggressionen herauszunehmen. Er hat nichts getan." Den vorliegenden Akten sei auch zu entnehmen, dass sein Mandant niemanden attackiert habe. Die Verhandlung wird um circa 17.00 Uhr auf morgen, Donnerstag, vertagt. Bei dem Prozess sollen zehn bis 15 Zeugen einvernommen werden.

 
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