Salzburg | Chronik 

Die Salzburger Schranne bekämpft das Plastiksackerl

Von Anton Prlic | 28.05.2013 - 12:48

Auf der Schranne sollen bald keine Plastiksackerl mehr ausgegeben werden. Die neuen Taschen aus Lebensmittelstärke könnten aber problematisch sein.

Die Salzburger Schranne bekämpft das Plastiksackerl

Grünzeug in Plastik: Das soll ab Herbst auf der Schranne Vergangenheit sein. Bild: SN/sn



Als Salzburger kennt man das Phänomen: Am Ende eines ausgedehnten Rundgangs auf der Schranne steht man mit zwei Händen voller Plastiksackerl da. Damit soll jetzt Schluss sein.

Ab dem Herbst setzt die Schranne auf Mehrwegtaschen und Sackerl aus Lebensmittelstärke. Die Idee kam von Herwig Mikutta vom Salzburger Agrarmarketing. "Wir reden über Regionalität und Umweltschutz und dann geben wir unsere Produkte in Sackerln aus Erdöl aus. In Österreich werden jährlich 360 Millionen Sackerl ausgegeben. Von der Tatsache bin ich entsetzt."

Eine erste Umfrage von Mikutta habe ergeben, dass 50 bis 60 der Schrannen-Standler bei dem neuen System dabei sein werden. "Die meisten auf der Schranne sind gegen die Plastiksackerl." An den Ständen soll bald ein Schrannen-Shopper verkauf werden. Die Kunden könnten diese Jutetasche dann zu künftigen Einkäufen wieder mitnehmen. Wer keinen "Shopper" kaufen will, bekommt von den Ständen kompostierbare Einwegsackerl. Die Standler, die bei der Aktion dabei sind, müssen die Sackerl kaufen, bekommen sie aber um 25 Prozent günstiger. Vorn sollen die Tragehilfen einheitlich sein, hinten werden sie je nach Stand individuell bedruckt. Laut Mikutta will man mit dieser Aktion vor allem eine Botschaft ausgeben: "Nehmt euch zur Schranne eine eigene Tasche mit."

Die Aktion verzögert sich noch bis Mitte September, weil Mikutta für das neue Sackerlsystem noch um EU-Gelder ansuchen wird. Ob die Einwegtaschen aus Maisstärke oder aus anderen kompostierbaren Stoffe bestehen werden, ist noch nicht klar. Der Schrannen-Shopper soll aus Jute bestehen.

Erfahrungen mit dem Plastiksackerl-Verzicht machte zuletzt die in Salzburg ansässige Drogeriekette dm. Der Handelskonzern war wegen Gratis-Plastiksackerl kritisiert worden. Im Jahr 2011 verlangte dm einen "Ökobeitrag" für seine Plastiksackerl. Zusätzlich bot das Unternehmen gegen Pfand wiederverwendbare Taschen an. Die Zahlen von dm sprechen für einen Erfolg des Systems: Statt 18 Millionen Plastiksackerl gibt man dort nur noch sechs Millionen pro Jahr her. Interessantes Detail: Nach wie vor gratis gibt es bei dm kleine Abreißsackerl an der Kasse. Die werden seit dem neuen System auch etwas weniger nachgefragt. "Wir haben unsere Kundenbedürfnisse veredelt", sagt dm-Sprecher Stefan Ornig zu dem erfolgreichen Erziehungseffekt.

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 begrüßt das Mehrwegtaschensystem von dm und der Schranne. Die Ausgabe von Sackerln aus Lebensmittelstärke sieht Global-2000-Lebensmittelchemiker Helmut Burtscher aber problematisch. "Der Anbau von Mais für die Sackerlproduktion zwingt die Bauern zu Monokulturen und gleichzeitig zu Pestizideinsatz. Da sind wir wieder bei der Problematik des Bienensterbens." Auch würden immer wieder Lebensmittel aus Dritte-Welt-Ländern angekauft, um in der EU daraus Sackerl oder Treibstoff herzustellen. Burtscher würde sich ein Pfandsystem wie jenes von dm wünschen. "Nur sollten alle Handelsketten dasselbe System haben. Eine Tasche, die ich bei jedem Supermarkt zurückgeben kann."

 
Teilen
Facebook Twittern Google+ Versenden Drucken
0
 
ANZEIGEN
schließen (x)

 

 

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzuschicken oder hinterlassen Sie Ihren Namen und Ihre E-Mail-Adresse.

Benutzername
Passwort
 

Passwort vergessen ›      Jetzt registrieren ›
 
 
KOMMENTARE (0)