Salzburg | Chronik 

Armut in Salzburg: Immer mehr Familien brauchen Hilfe

Von Thomas HÖdlmoser | 26.08.2013 - 12:08

Salzburgs Sozialarbeiter müssen schon rund 1400 Familien betreuen. Jetzt lenkt die Politik ein und stockt das Personal in den Jugendämtern auf. Ein Verein versucht über Spenden, die finanzielle Not zu lindern.

Armut in Salzburg: Immer mehr Familien brauchen Hilfe

Sie kennen die Not in den Familien: Reinhard Kinzl, Margarete Schragl und Hannes Herbst. Bild: SN/hödlmoser

Die Sozialarbeiter in Salzburgs Jugendämtern bekommen jetzt doch die lange geforderte Verstärkung. Die ersten neuen Posten seien bereits ausgeschrieben worden. Das bestätigt Soziallandesrat Heinrich Schellhorn (Grüne) im Gespräch mit den SN. "Die restlichen Posten werden im Lauf des Jahres sukzessive geschaffen."

Dass Personal zur Betreuung von Kindern und Jugendlichen benötigt wird, weiß man seit Jahren. 15 neue Mitarbeiter würden landesweit in den Jugendämtern benötigt. Das ergab eine Erhebung vor drei Jahren Jahren. Allerdings wurde bis jetzt nur die Hälfte dieser neuen Stellen tatsächlich besetzt. Dazu kommt, dass immer mehr Eltern mit der Erziehung der Kinder überfordert sind. Die Folge: Die Arbeit in der Jugendwohlfahrt wird von Jahr zu Jahr mehr. Das zeigt der Blick auf den jüngst veröffentlichten Sozialbericht des Landes. Demnach stieg die Zahl der Familien, die von Sozialarbeitern ambulant - also zu Hause - betreut werden, binnen zwei Jahren um mehr als 23 Prozent, von 1098 (2010) auf 1358 im Vorjahr. Im Flachgau betreuten Sozialarbeiter der Bezirkshauptmannschaft im Jahr 2010 noch 236 Minderjährige, im Vorjahr bereits 328. Tendenz steigend.

Immer mehr Jugendliche im Heim

Auch die Zahl der Jugendlichen, die aus ihren Familien genommen werden und in eigenen Wohngemeinschaften untergebracht werden, ist zwischen 2010 und 2012 gestiegen - allein im Flachgau von 71 auf 89, landesweit von 381 auf 419. Gerade die Unterbringung im Heim ist jedoch teuer. Umso wichtiger ist es, Kinder und Jugendliche mithilfe von Sozialarbeitern so lange wie möglich in den Familien zu halten. "Je früher man eingreift, umso besser ist es. Frühe Hilfe ist für mich ein Grundsatz im Bereich der Jugendwohlfahrt", sagt Schellhorn.

Erziehungsprobleme sind das eine. Das andere sind finanzielle Sorgen, mit denen die Sozialarbeiter täglich konfrontiert werden. Ein Fall aus dem Flachgau: Eine alleinstehende Mutter mit drei Kindern kämpft mit akuten Geldsorgen. Die Alimentezahlungen des Vaters trudeln nur spärlich ein. Die Frau hat zwar eine Mietwohnung, aber kein Geld für Möbel. Die Kinder schlafen auf Matratzen, weil für Betten das Geld fehlt. "In so einem Fall ist es wichtig, dass wir sofort Hilfe anbieten können", sagt Hannes Herbst, Jugendamtsleiter in der BH Salzburg-Umgebung.

Verein "Kinder haben Zukunft" hilft

Möglich wird diese Soforthilfe durch einen Verein, den Herbst und Bezirkshauptmann Reinhold Mayer in ihrer Freizeit gegründet haben. Dieser Verein "Kinder haben Zukunft" hat im Vorjahr rund 40.000 Euro an knapp 70 Familien ausgezahlt, in denen die Not groß ist. "Die trauen sich selbst meistens nicht sagen, dass sie arm sind", sagt Herbst. "Aber wir sehen bei den Hausbesuchen, wo es fehlt. Die müssen sich gut überlegen, bevor sie einen Cent ausgeben." Betroffen seien oft Alleinerzieherinnen und generell Menschen ohne Anspruch auf staatliche Unterstützung.

Dass der Verein Gelder auftreibt, darum kümmert sich Peter Hoffmann, ein pensionierter Unternehmer aus Duisburg, der in St. Gilgen lebt. Im Vorjahr kamen so 60.000 Euro herein. Und schon schwebt Hoffmann eine neue Kampagne vor: Spenden statt schenken. Einen ersten Erfolg hat er schon verbucht - bei der Geburtstagsfeier eines Salzburger Unternehmers. Der habe zu den Gratulanten gesagt: ",Wenn ihr was tun wollt, dann spendet.‘ Er hat dann selbst noch aufgerundet", sagt Hoffmann. Heraus kam eine Spendensumme von 25.000 Euro. Mittlerweile treten Hubert von Goisern, Peter Simonischek, DJ Ötzi und Fußballer Franky Schiemer als "Vereinsbotschafter" auf.

Mehr Informationen unter kinder-haben-zukunft.at

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KOMMENTARE (2)
 

Arno2

26.08.2013
10:38 Uhr

Eine Gesellschaft die die Ehe nicht als Instrument des Fortbestehens der Menschen sondern als (gleichgeschlechtliche) Kuschelgemeinschaft sieht, und diejenigen die Kinder haben nicht unterstützt geht diesen Weg .

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christian kulitz

27.08.2013
08:27 Uhr

vor leuten wie dir graust mir

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