Österreich | Politik 

Experte sieht keine Argumente für Med-Uni in Linz

Von Apa | 25.04.2013 - 15:13

Dem Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer fällt kein Argument für die Schaffung einer Medizin-Fakultät in Linz ein. Eine vierte öffentliche Mediziner-Ausbildungsstätte "brauchen wir ganz sicher nicht".

Experte sieht keine Argumente für Med-Uni in Linz

Trotz des Ansturms sei eine vierte Uni "unnötig". Bild: SN/APA (Archiv/Hochmuth)/GEORG HOCHMUTH

In Österreich gebe es genügend Ausbildungskapazitäten - das Problem sei vielmehr, dass die fertig ausgebildeten Mediziner aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen in Österreich ins Ausland abwandern. "Was wir nicht schaffen, ist es, den Leuten nach dem Studium attraktive Arbeitsplätze zu bieten, damit sie nach dem Studium auch da bleiben", erklärte Pichlbauer im Ö1-"Mittagsjournal". So wolle etwa ein Drittel der österreichischen Medizin-Absolventen ins Ausland gehen. Vor diesem Hintergrund sei es "dumm", jetzt einfach mehr Studenten auszubilden.

Österreich habe europaweit schon jetzt die meisten Ärzte pro Kopf, betonte Pichlbauer. Würde Österreich die gleiche Ärztedichte wie Deutschland aufweisen, gäbe es schlagartig statt 40.000 nur mehr 30.000 Mediziner. "Wir haben genug Ärzte, aber immer weniger Ärzte wollen einen Kassenvertrag oder ins Spital."

Die derzeit im oberösterreichischen Konzept genannten Kosten für eine Medizin-Fakultät sieht Pichlbauer eher skeptisch. "Wenn man sich ansieht, dass die gleichen Personen vor drei Jahren eine Rechnung vorgelegt haben, wo genau die Hälfte dieser Preise drinstand, muss man sich halt fragen, welche Rechenmodelle sind das." Die genannten "Schätzwerte" seien auch als solche zu betrachten, verwies er auf die Finanzplanungen des Skylink am Flughafen Schwechat.

Die Universität Linz hält hingegen eine eigene Medizin-Fakultät nach wie vor für wichtig und verweist auf Synergien mit anderen Einrichtungen. Natürlich sei die Verbesserung der Arbeitsbedingungen von Medizinern für die langfristige Sicherstellung der medizinischen Versorgung nötig und unbestritten, so der Wirtschafts-Professor Gerald Pruckner von der Abteilung für Gesundheitsökonomie an der Uni Linz.

Zudem würden sich durch bereits vorhandene Forschungsbereiche wie Medizininformatik und -mechatronik an der Uni Linz "exzellente Synergien mit den zahlreichen in Linz angesiedelten Spitälern und den in Oberösterreich stark vertretenen Unternehmen der Medizintechnik" ergeben.

 
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