Österreich | Kultur 

Norddeutsch verdrängt österreichische Sprache

Von Apa/dpa | 10.08.2012 - 14:43

Das Österreichische als spezielle Variante der deutschen Sprache wird immer stärker vom Norddeutschen verdrängt. Dies geht aus einer aktuellen Studie des emeritierten Germanistik-Professors Peter Wiesinger hervor.

Norddeutsch verdrängt österreichische Sprache

Das sind Paradeiser, keine Tomaten. Bild: SN/apa (hochmuth)

Bei einem Fragebogentest mussten 21-jährige Studenten Bilder beschriften. Dabei schrieb ein Drittel der Getesteten anstelle von "Stiege" das norddeutsche "Treppe", ebenso viele "Kasse" statt "Kassa" und "eine Eins" statt "ein Einser". Grund für den Sprachwandel: Medien und das Internet.

Beim EU-Beitritt 1995 ließ Österreich seine Sprache noch symbolisch als eigenes Kulturgut anerkennen, 23 Bezeichnungen aus dem Bereich der Lebensmittel wurden als spezifische Begriffe aufgezählt. Das spezielle Deutsch, das sich durch Einflüsse aus Osteuropa und Italien bisher gehalten hat und das historisch mit den anderen Varianten wie dem Nord- oder Mitteldeutschen gleichwertig sei, verliert immer mehr an Boden. Damit geht jedoch nicht nur eine Sprachform verloren, warnt der Germanist: "Sprache bedeutet eben auch immer Identität".

Fast völlig verdrängt wurde laut Wiesinger bereits der "Paradeiser" von der Tomate, auch weil die entsprechenden Produkte Tomatensaft und Tomatenmark heißen. Andere Begriffe wie die "Marille" oder das "Sackerl" sind hingegen stabil.

Ursache für die Verdrängung des Österreichischen sind die Medien und ihr Einfluss: Filme und Serien würden in hochdeutsch synchronisiert, auch in Büchern und Zeitschriften dominiert das Hochdeutsche. "Gerade Jugendliche orientieren sich am Englischen und Hochdeutschen", betont Wiesinger. In westlichen Bundesländern wie Tirol komme der Tourismus von Deutschen und Holländern dazu. Die Einheimischen würden sich anpassen, um von den Gästen, die das Geld bringen, verstanden zu werden.

Aufgehalten werden kann der Sprachwandel laut Wiesinger nicht, aber zumindest abgebremst. Dafür müsste sich allerdings die Schule einsetzen und auch in den Schulbüchern werde schon auf das Norddeutsche umgeschwenkt. Und im Unterrichtsministeriums sei man der Meinung, im vereinten Europa sei das Beharren auf einer eigenen Sprache nationalistisch.

 
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KOMMENTARE (4)
 

Peter Hofmueller

11.08.2012
21:10 Uhr

Warum wir "Ösi's" sich immer mehr von den "Dösi's" umgangssprachlich okkupieren lassen "müssen",ist & bleibt mir ein Rätsel!"Tschüss" statt Servus, oder "Pfiat di".,usw.,usw.,Auch beim "D"englisch sind wir ja schon ganz "modern"!? "Aufwachen"?

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Gerhard Huber

11.08.2012
21:09 Uhr

In der Schule sollte man schon die Hochdeutsche Sprache bevorzugen,denn die heutige Zeit verlangt mehr an der Jugend als ein reines Deutsch zu sprechen. Nicht jeder möchte.Bauer werden.

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Susanne Frank

11.08.2012
10:55 Uhr

die Anglizismen in unserer Sprache machen mir wesentlich gössere Sorgen und um die kümmert sich niemand

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Günter Kranzl

10.08.2012
19:48 Uhr

Aber auch die Medien (Zeitungen ERF usw.) sollten sich bemühen die österreichischhen Bezeichnungen zu verwenden: Ribisel , Erdäpjel, Polster , Kübel usw. usw. Trifft auch auf die Salburger Nachrichten zu.

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