| | |

Österreich | Kultur

Gruseliges Facebook der Macht

Von Ernst P. Strobl | Aktualisiert vor 91 Tagen

Sogar die Poren von Demokraten und Diktatoren macht der US-Fotograf Platon sichtbar - die Galerie Westlicht zeigt 50 Porträtfotos der Mächtigen der Welt.

1 von

George W. Bush.  Bild: sn/westlicht/platon

Robert Mugabe.  Bild: sn/westlicht/platon

Silvio Berlusconi.  Bild: sn/westlicht/platon

Wladimir Putin.  Bild: sn/westlicht/platon

Mahmoud Ahmadinedschad.  Bild: sn/westlicht/platon

Barack Obama.  Bild: sn/westlicht/platon

Muammar al-Gadafi.  Bild: sn/westlicht/platon


Nach dem Rundgang verstärkt sich der Gedanke, eigentlich hätte man gern andere Porträts gesehen. Ohnehin welche, die den New Yorker Fotografen Platon berühmt machten. Zum Beispiel Musiker, Neil Young, Lang Lang, oder wenigstens Jennifer Lopez oder Willie Nelson. Es gäbe auch genügend Magazin-Titelblätter, von denen Michelle Obama oder Robert Redford mit geradezu magnetischer Suggestivität dem Betrachter entgegenschauen. Aber diese Reihe von rund 50 Porträts, welche die Galerie Westlicht zeigt, bildet einen Augenblick der Weltgeschichte ab in Gesichtern, die den Mächtigen der Welt gehören. Politiker, darunter Demokraten, Despoten, Kriegsherren, Herrscher, die ihre politischen Gegner ins Gefängnis werfen, foltern lassen oder gar töten. Eine Art ehrenwerte Gesellschaft, denn immerhin sind da lauter Staatschefs zu sehen. Sie alle wurden von Platon 2009 fotografiert, am Rande einer Hauptversammlung der Vereinten Nationen in New York. Platon hat neun Monate gebraucht, um Hürden wie Security oder Staatsprotokolle zu überwinden, Unterstützung fand er bei UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, auch wenn dieser zuerst sagte, "du bist verrückt", wie Platon am Montagabend bei der Pressepräsentation in Wien erzählte.

Ein kleiner Trost bei diesen "Gesichtern der Macht" ist schon dabei. 2009 ist längst vorbei, und die Macht mancher Porträtierten, die für negative Schlagzeilen gesorgt haben, ist ebenfalls Geschichte. So sehr man sich auch den Gesichtern bis auf Porentiefe nähern kann: Man weiß nie, in welchem Ausmaß sie auch lügen können. Er sei sich der Gefahr bewusst gewesen, entweder ein zu positives oder zu negatives Ergebnis zu erzielen, sagte Platon, und deshalb habe er versucht, neutral zu bleiben, und doch ein wenig vom individuellen "Spirit" einzufangen.

Die Ausstellung ist nach Kontinenten geordnet. Manch ein Staatsmann ist schon nicht mehr am Leben, wie der polnische Präsident Lech Kaczynski, der 2010 bei einem Flugzeugabsturz den Tod fand, oder der bizarre Muammar al-Gadafi, der darauf bestand, nicht nur als Kopfporträt abgebildet zu werden, und der mit einer gruseligen Menschenverachtung in die Kamera blickt. Österreichs Bundespräsident Heinz Fischer lächelt väterlich freundlich, Silvio Berlusconi anzüglich, und wenn Irans Mahmud Ahmadinedschad lächelt, weiß man nicht, wie das gemeint ist. Auch George W. Bush scheint Freude beim Fotografieren zu empfinden, Obama hat dagegen ein hintergründiges Lächeln. Einer lacht breit, es ist Südafrikas Jacob Zuma, andere zeigen auch Zähne, aber auf andere Art. Kalt wie ein Fisch wirkt Russlands Wladimir Putin, undurchschaubar Herrscher vom Schlage eines Paul Kagame aus Ruanda oder Robert Mugabe aus Simbabwe. Es gibt nur vier Frauen, darunter die attraktive Cristina Fernández de Kirchner aus Argentinien (bis 22. April). www.westlicht.com



 

Mehr zum Thema

0
 

mehr ›

Mehr Österreich-Kultur

 

mehr ›

Mehr Österreich

 

mehr ›

Mehr Kultur

 
 
 
KOMMENTARE ()
 

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare veröffentlicht.

 
Für diesen Artikel können derzeit keine Kommentare abgegeben werden.